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Fieslinge und frischer Fisch
Kinotipp: „Die rote Zora“
„Die rote Zora“ kommt ins Kino. Filmstart: 24. Januar. Ein Kinderfilm? Leider gibt es in Deutschland den Hang, Geschichten mit Kindern und für Kinder nicht ganz ernst zu nehmen, egal ob es Bücher oder Filme sind. Warum eigentlich? Schließlich gibt es unzählige hervorragende Geschichten, die ganz und gar nicht kindisch daherkommen, sondern sich handfest mit den Sorgen, Nöten, aber auch Freuden ihrer jungen Hauptfiguren auseinandersetzen und dabei sehr lustig, sehr spannend und manchmal auch sehr traurig sind.
Eine Großmeisterin der Kinder- und Jugendliteratur wäre vor wenigen Wochen 100 Jahre alt geworden: Astrid Lindgren hat uns viele unvergessliche Geschichten und ebenso viele einzigartige (oder eher unartige) Figuren geschenkt. Legendär ist die freche, rothaarige Pippi Langstrumpf, die in den 40er Jahren das Licht der Welt erblickte. Etwa zeitgleich, ein wenig früher, schuf der thüringische Autor Kurt Held im Schweizer Exil eine weitere unsterbliche (rothaarige) Heldin: die rote Zora.
Von Fischen und Menschen
Zora ist die Anführerin einer Gruppe von Waisenkindern an der kroatischen Adriaküste in den 30er Jahren. In dem kleinen Fischerdorf schlägt sich die Bande durch Diebstähle durch und ist damit nicht nur dem Bürgermeister, sondern auch dem reichen Fischgroßhändler Karaman ein steter Dorn im Auge. Nach dem Tod seiner Mutter wird auch der Junge Branko aufgenommen, der sich jedoch anfangs nicht mit dem Verhalten der anderen anfreunden kann. Doch schnell merken beide Seiten, was sie aneinander haben.
Denn Zora und ihre Bande kämpfen nicht nur gegen die „Gymnasiasten“, eine Gruppe von Kindern aus den reichen Familien des Ortes, sondern auch gegen die Machenschaften und Ungerechtigkeiten des arroganten und geldgierigen Karaman und des korrupten Bürgermeisters. Einen Verbündeten finden sie im alten Fischer Gorian, der sich standhaft gegen Karaman zur Wehr setzt.
Große Schauspieler vor grandioser Kulisse
Bereits im Jahr 1979 wurde das Buch verfilmt. Damals entstand eine 13-teilige Fernsehserie. Nun haben Produzentin Claudia Schröder und Regisseur Peter Kahane sich des Stoffes angenommen und daraus einen aufwändig produzierten Kinofilm geschaffen. Gedreht wurde in Montenegro, das noch über viele historisch anmutende Städte als Kulisse verfügt.
Der Roman spielt im kroatischen Senj, doch kommt dieser Ort heute als Schauplatz nicht mehr in Frage, da sich das Ortsbild in den vergangenen siebzig Jahren zu sehr verändert hat. Mario Adorf, der im Film den Fischer Gorian spielt, kann sich noch gut an die Gegend erinnern. Denn schließlich drehte er hier bereits in den 60er Jahren verschiedene Filme, darunter auch Winnetou.
Mario Adorf spielt im Film den einzigen erwachsenen Verbündeten der Kinder. Die besonders interessanten Figuren sind jedoch wie so oft die Bösewichter, und von denen gibt es eine ganze Reihe im Film, die alle mit einer beeindruckenden Spielfreude am Werk sind. Da sind zum einen die beiden Dorfpolizisten Begovic und Dordevic. Sie sind eigentlich keine Bösewichter, sondern eher Tollpatsche, die für viel Slapstick im Film sorgen. Die Rolle des Fischgroßhändlers Karaman wird von Ben Becker mit großer Überzeugungskraft gespielt, so dass sowohl die arrogante und schnöselige Seite des Charakters sichtbar wird wie auch die unfreiwillig komische. Und auch Dominique Horwitz hat im Bürgermeister Ivekovic eine Paraderolle gefunden. Er zeigt einen Menschen, der gegenüber Karaman buckelt und dann an anderer Stelle seine Macht ausspielt. jp






