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Erlebnishunger und Abenteuerlust
Mit dem Kanu unterwegs
Eine andere Welt zu erkunden und sich in ihr zu behaupten, andere Leute und Kulturen kennenzulernen und das generelle Interesse an einer Portion Abenteuer – all dies kann den Entschluss reifen lassen, sich aufs Kanuwandern einzulassen.
Noch nie war der Kanutourismus so populär wie jetzt. Immer mehr Naturliebhaber, Urlauber und kinderreiche Familien zieht es auf die Gewässer Europas. Große, naturbelassene Waldgebiete, reizvolle Seenplatten, Flüsse, Kanäle, Kleingewässer und sogar auch Großschifffahrtsstraßen locken.
Es gibt vieles, was eine Kanuwanderung reizvoll macht: sich auf dem Wasser mithilfe von Karte und Kompass anhand der erkennbaren Uferkonturen zurechtzufinden, lautlos über ruhige Gewässer zu gleiten, gegen die an die Bordwand klatschenden Wellen anzukämpfen und sich einfangen zu lassen von den ganz besonderen Erlebnissen der Freiheit und der Vereinigung mit der Natur.
Doch muss der ambitionierte Wassersportler vor dem Start seiner Tour einiges beachten. Eine Kanuwanderung erfordert mehr Planung als die Entspannungstour auf dem kleinen See in der Nähe.
Tipps und Hinweise für Einsteiger
Anfänger sollten sich zu Beginn Anregungen und Tipps von erfahrenen Wasserwanderern einholen oder am besten an einer Schulung der zahlreichen Kanuschulen teilnehmen. Für die unvermeidbaren Kenterungen muss gewährleistet sein, dass man sicher schwimmen kann. Eine Schwimmweste sollte ohnehin zur Standardausrüstung gehören.
Angesichts der Unbeständigkeit des mitteleuropäischen Wetters sollte man auch der Ausrüstung und Bekleidung eine große Bedeutung beimessen. Beides muss zweckmäßig sein. Festes Schuhwerk, Regen- und Faserpelzbekleidung in mehreren Schichten ermöglichen die Anpassung an unterschiedliche Witterungsverhältnisse. Da auch gute Fahrer kentern können, sollte Ersatzkleidung in einer wasserdichten Aufbewahrung stets mitgeführt werden. Für den Einsteiger ist eine gebrauchte Ausrüstung völlig ausreichend. Angebote findet man immer wieder in den Fundgruben diverser Zeitungen oder im Internet.
Kanu oder Kanadier?
Der Begriff „Kanu“ ist im deutschsprachigen Raum der Oberbegriff für alle Wassersportgeräte, die mit Paddeln in Blickrichtung bewegt werden. Unterschieden wird hierbei zwischen dem Kajak, der mit dem Doppelpaddel vorangetrieben wird, und dem Kanadier, bei dem ein Stechpaddel zum Einsatz kommt. Darüber hinaus bieten Kajak und Kanadier eine breitere Typenauswahl an als die noch immer beliebten Faltboote. Variationen findet der Wassersportler bei speziellen Wettkampfbooten für Kanurennsport und Wildwasser. Für alle Bootstypen haben sich Auto-Anhänger und Dachgepäckträger zum Transport als ideal erwiesen. Allerdings muss in jedem Fall die Verkehrssicherheit gewährleistet sein. Befestigungsgurte und Abspannungen sind Pflicht.
Es kann losgehen
Die Freiluftsaison startet pünktlich mit den warmen Sonnentagen im Mai, und spätestens dann ist es langsam an der Zeit, sich ernsthafte Gedanken über die eigene Routenplanung zu machen. Während es in den Sommerferien gerne auch Ziele in den überaus beliebten Kanugebieten wie Frankreich oder Skandinavien sein dürfen, bieten sich hierzulande viele Möglichkeiten, die ersten sonnigen Tage im Einklang mit der Natur zu verbringen. Wir wollen ihnen einige Vorschläge zur Erweckung Ihrer Abenteuerlust machen.
Das Neckartal (Baden-Württemberg)
Vor über 125 Jahren verbrachte der legendäre Schriftsteller Mark Twain einige Monate in Heidelberg und bereiste damals auch das Neckartal. Mit einem Floß er-oberte er den damals noch ursprünglichen, rauen und recht gefährlichen Neckar. Auch die Flüsse Jagst und Kocher sind heute besonders gefragt, egal ob bei Singles, Paaren, Familien oder für Klassenfahrten. Das Neckartal zwischen Bad Friedrichshall, Eberbach und Heidelberg übt eine immer größere Anziehungskraft aus. Das liegt an den gastfreundlichen Menschen, aber auch an der malerischen Kulisse, den Burgen, den Weinbergen und dem Odenwald. Lagerfeuerromantik und Zeltlager: Das wunderschöne Flusstal bietet alles, was das Abenteurerherz begehrt.
Der Regen (Bayern)
Auf dem Regen zwischen Nittenau und Heilighausen befindet sich einer der schönsten Ferienwanderflüsse Süddeutschlands. Aufgrund seines ruhigen Wasserlaufes ist diese Route ideal, um Anfänger in die Grundkenntnisse des Flusswanderns mit einem Kanadier einzuführen.
Schwentine (Schleswig-Holstein)
Die Schwentine entspringt am Bungsberg nahe Eutin und mündet in Kiel in die Förde (Ostsee). Die befahrbare Flusslänge zum Wasserwandern beträgt rund 50 km ab Einsetzstelle Eutiner See. Es herrscht nur eine geringe Windanfälligkeit auf dem Fluss; teilweise deutlich stärker ist sie auf den größeren Seen. Die Ufer sind weitgehend natürlich, etwas Sumpf, auch Wiesen, viel Bruchwald. An den Seen finden sich zahlreiche Buchen und Mischwald, aber auch frische Wiesen.
10-Seen-Rundfahrt (Mecklenburg-Vorpommern)
Die 10 Seen liegen in der „Mecklenburgischen Kleinseenplatte“, also südöstlich der Müritz. Die nächste Stadt ist Wesenberg, Das nördlich gelegene Neustrelitz ist etwa 20 km entfernt, Rheinsberg 10 km südlich. Teils sind sie durch Havelläufe miteinander verbunden, teils durch (Flößer-)Kanäle. Die ganze Landschaft ist extrem dünn besiedelt, und Landwirtschaft gibt es hier nicht viel, sondern hauptsächlich Wald.
Insgesamt beträgt die Strecke 33 km, also ausgezeichnet geeignet für eine ein- oder zweitägige Tour, die am Ende beliebig erweitert werden kann. Man kann über die Havel sogar sämtliche Berliner Gewässer erreichen, die Oder und den Spreewald sowie mit einem kleinen Landtransport die Rheinsberger und Ruppiner Gewässer und damit die Untere Havel und die Elbe. Nur Zeit und Lust setzen hier Grenzen – die Tourenvielfalt ist beinahe unerschöpflich. nawe






