Artikel dieser Ausgabe aus Freizeit
Meine Gesundheitsapotheke
Elternfreie Zone!
Cornelia Funkes „Herr der Diebe“ kommt ins Kino
Mit den Erwachsenen ist das immer so eine Sache! Meistens tun sie nicht gerade das, was man von ihnen erwartet. Sie machen ständig Vorschriften, mischen sich in alles ein und wollen die Kinder einfach nicht verstehen.
Kinderbande im Kino
Darum ist es manchmal einfach besser, wenn man sich von ihnen fernhält. So wie der 15-jährige Scipio mit seiner Bande. Scipio nennt sich selbst „Herr der Diebe“ und sorgt gut für seine Schützlinge. Gemeinsam mit seinen Gefolgsleuten, wie z. B. der gutmütigen Wespe, dem verrückten Riccio und dem ehrgeizigen Träumer Mosca, haust er in dem verlassenen Stella-Kino mitten in der traumhaften und magischen Stadt Venedig. Damit sie alle leben können, stiehlt die Bande bei den Reichen und verkauft dann das Diebesgut an den Hehler Barbarossa.
Auch die beiden Brüder und Waisenkinder Bo und Prosper werden in die Bande aufgenommen, nachdem sie von ihren Verwandten ausgerissen sind. Onkel und Tante jedoch engagieren den Privatdetektiv Victor, um ihnen auf die Spur zu kommen. Victor gehört zu den wenigen Erwachsenen, die die Kinder und Jugendlichen nicht bevormunden wollen, sondern sich gut mit ihnen verstehen. Darum hilft er Prosper und Bo auch lieber, statt sie zu verraten. Victor erkennt auch, dass Scipio etwas zu verbergen hat. Der ist nämlich in Wahrheit ein tief unglückliches Kind aus reichem Elternhaus, der dem Hass seines Vaters entkommen will. Hierbei soll ihm ein magisches Karussell helfen, welches in der Lage ist, seine Passagiere jünger oder älter zu machen. Doch noch fehlt dem Karussell die aus Holz geschnitzte Schwinge eines geflügelten Löwen
Vom Buch zum Film
Der Film, der am 5. Januar startet, beruht auf dem weltweit gefeierten Roman von Cornelia Funke. Nicht nur die jugendlichen und erwachsenen Leser sind begeistert von diesem fantastischen Kinderabenteuer, auch die Kritiker jubeln und überschütteten den Schmöker mit zahlreichen Preisen. Die Filmemacher waren ebenfalls begeistert von der Geschichte, die so menschlich anrührend und so wenig kitschig oder anbiedernd daherkommt. Besonders angetan waren sie von den Botschaften, die die abenteuerliche Geschichte transportiert: dass die Kinder ihr Schicksal selbst in die Hand nehmen, auch wenn es ihnen noch so schlecht geht, und dass sie sich nicht schwach fühlen müssen, nur weil sie noch jung sind.
Die gesamte Geschichte dreht sich bei genauem Hinsehen um den Umgang von Kindern und Erwachsenen miteinander und untereinander. Während die Kinder Entscheidungen treffen, die eher von Erwachsenen erwartet werden, sind die Erwachsenen in dieser Geschichte innerlich eher Kinder geblieben. Und so stellt das magische Karussell eine Brücke zwischen Kindheit und dem Erwachsensein dar, welche die Helden überqueren wollen.
Ein weiteres wichtiges Thema der Geschichte ist die Freundschaft. Die Kinder schließen sich zu einer Bande zusammen, nachdem sie von ihren eigenen Familien enttäuscht worden sind. Gemeinsam gehen sie nun durch dick und dünn, behaupten sich in ihrer Welt, bestehen aber auch auf ihrem Recht, sich ebenfalls wie Kinder benehmen zu dürfen. So zeigt die Geschichte das Bild einer eigenen, funktionierenden, wenn auch idealen Welt ohne die üblichen Ermahnungen und Disziplinierungen durch Erwachsene.
Für den Film ist aber nicht nur die Geschichte entscheidend, sondern auch die Umsetzung in großartige Bilder. Und hierzu trägt vor allem die Stadt Venedig als Kulisse bei, sie versetzt den Betrachter wie in eine andere Zeit. Nicht nur die kürzlich restaurierte Fassade des Dogenpalastes, sondern auch das Labyrinth der Kanäle und die weiteren atemberaubenden Schauplätze sind wahre Leckerbissen, die immer neue überraschende und beeindruckende Bilder bieten. Also: Auf nach Venedig oder zumindest ins nächste Kino.
jp






