Artikel dieser Ausgabe aus Freizeit
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Eine ruhige Kugel werfen
Boule-Spiele geben dem Sommer die richtige Gelassenheit.
An einem schönen Tag im Park kann man nicht nur Kinder und Hunde beim Umhertoben beobachten oder gestandene Männer lautstark ihre Fußballkünste demonstrieren sehen – in den abgelegeneren Ecken findet man auch kleine Grüppchen, die gebannt in eine Richtung schauen, von denen man nicht viel mehr vernimmt als ein gelegentliches „klack“ und ein darauf folgendes, bedeutungsvolles Raunen. Hier wird Boule gespielt!
Das französische Wort „boule“ ist für dieses Treiben nicht ganz unzutreffend, aber doch ungenau, denn es bedeutet zunächst nicht viel mehr als „Kugel“. Als Oberbegriff umfasst Boule sämtliche Kugelsportarten („jeux de boules“) und steht somit für eine ganze Reihe von Spielen, die die gleichen Wurzeln haben, sich aber auf der ganzen Welt (hauptsächlich jedoch in Frankreich) unterschiedlich weiterentwickelten. Was genau hier also gerade gespielt wird, ist auf den ersten Blick nicht immer gleich zu erkennen.
Ins Rollen gekommen
Erste Varianten finden sich bei den alten Griechen und Römern, und schon im 13. Jahrhundert wurden in Frankreich Boule-Arten gespielt, die mit den heutigen Spielen große Ähnlichkeit haben. Im 14. Jahrhundert erfreuten sie sich bereits so großer Beliebtheit, dass einige Herrscher gezwungen waren, Boule zeitweise zu verbieten, weil sogar die Soldaten am liebsten ihre Zeit damit verbrachten; auch die Kirche war dem Spiel nicht immer wohlgesinnt.
Trotz Anfeindungen wurden aber auch die guten Seiten erkannt und so galt es wegen seiner sanften Bewegungsabläufe als ideales Spiel für jede Altersstufe und als Rheumaheilmittel. Im 19. Jahrhundert stieg die Popularität schließlich so sprunghaft an, dass man es nicht mehr nur auf Wiesen außerhalb der Stadt spielte, sondern überall, wo man einen geeigneten Platz fand.
Viele Spiele
Je nach Land, Region und Gesetzeslage entstanden zahlreiche Boule-Spiele, wie zum Beispiel Boule-en-Bois (Bretagne), Boule-de-Fort (Loire), Boule des Berges (Region Paris), Boule Lyonnaise (Lyon), Jeu Provençal (Provence), Pétanque (La Ciotat), Boccia (Italien) und Bowls (England). Sie unterscheiden sich beispielsweise in Größe, Gewicht und Material der Spielkugeln, in Größe und Belag des Spielfeldes, den Wurftechniken und in der Punktezählweise. Die Spielidee ist aber immer die gleiche: Es wird versucht, eine oder mehrere Kugeln näher an einer Zielkugel („Schweinchen“, „Sau“ oder „Cochonnet“) zu platzieren als der Gegner.
Stehen bleiben!
Pétanque ist die jüngste und inzwischen auch die am weitesten verbreitete Boule-Art. Seine Entstehung lässt sich ziemlich genau auf das Jahr 1907 datieren, als ein älterer Herr aus La Ciotat beim doch recht sportlichen „Jeu Provençal“ wegen des vorgeschriebenen Anlaufs mit anschließendem Ausfallschritt und Wurfweiten bis zu 22 Metern nicht mehr mithalten konnte. Kurzerhand stellte er für sich eigene Regeln auf, verkürzte die Spieldistanz auf sechs bis maximal zehn Meter und strich den Anlauf ganz.
Geworfen wurde bei seinem Spiel mit „geschlossenen Füßen“ (französisch „pieds tanqués“, provençalisch „ped tanco“) aus einem Kreis heraus und mit Metallkugeln, die statt bis zu 1500 g nur noch zwischen 650 und 800 g wogen (Durchmesser 7 – 8 cm). Dass er für die Oberfläche des Spielfelds keine weiteren Vorgaben machte, verschaffte Pétanque einen entscheidenden Vorteil, denn so konnte man es fast überall spielen.
Eigentlich ganz einfach
Die beiden Mannschaften – mit je einem Spieler (mit 3 Kugeln), zwei (mit je 3 Kugeln) oder drei (mit je 2 Kugeln) Spielern – losen aus, wer beginnt. Ein Spieler der Startmannschaft markiert den Wurfkreis (Durchmesser 35–50 cm), aus dem er das Schweinchen wirft und die erste seiner Kugeln annähert. Danach wirft die Gegnermannschaft so lange, bis es ihr gelingt, eine Kugel näher am Ziel zu platzieren. Dabei muss der Spieler abwägen, ob er versucht, durch „Legen“ die Kugel gefühlvoll zu platzieren oder eher durch „Schießen“ eine gegnerische Kugel zu entfernen.
Gelingt eine dichtere Platzierung, ist wieder die andere Mannschaft dran, ebenso, wenn ein Team keine Kugeln mehr hat. Sind alle Kugeln gespielt, ist diese „Aufnahme“ beendet: Jede Kugel, die näher am Schweinchen liegt als die beste der gegnerischen Mannschaft, gibt einen Punkt. Die Gewinner einer Aufnahme eröffnen die nächste, und ein Match endet, wenn eine Mannschaft 13 Punkte erreicht hat. – Bonne chance!
flo





