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Mittwoch, 23. Mai 2012
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Eine bedingungslose Liebe

Auf den Hund gekommen: Lasse Hallstroms

Freundschaften zwischen Menschen und ihren Haustieren sind etwas ganz Besonderes. Was jeder Tierliebhaber aus eigener Erfahrung bestätigen wird, haben auch die Filmemacher in Kino und Fernsehen schon vor langer Zeit erkannt.

Unzählige Filme und Serien mit treuen, intelligenten, lustigen und einfach liebenswerten Tieren haben in den vergangenen Jahrzehnten die Zuschauer be- und gerührt. Neben manchmal exotischen Tieren wie Löwen, Schimpansen oder auch Robben waren es in vielen Fällen Hunde, die sich in die Herzen der Zuschauer spielten.

Konkurrenz auf vier Pfoten
Für ihre menschlichen Schauspielerkollegen sind tierische Filmpartner oft keine leichten Partner, denn immer wieder zeigt sich, dass pfiffige Hunde ihnen schlicht und einfach die Show stehlen, so sehr sich die Zweibeiner auch bemühen. Der alte »Schauspielhase« Richard Gere zögerte dann auch zunächst, als ihm der Film »Hachiko« ans Herz gelegt wurde. Als er jedoch das Drehbuch las, war er von der Geschichte so gerührt und angetan, dass er sie unbedingt verfilmen wollte.

Als Regisseur konnte er sich niemand anderen als Lasse Hallström vorstellen, welcher als Meister des Erzählkinos gilt und das Publikum mit vielen Filmen wie »Gilbert Grape«, »Chocolat« oder »Gottes Werk und Teufels Beitrag« verzaubert hat, ohne dabei in Kitsch abzugleiten.

Treue ohne Wenn und Aber
Der Film basiert auf einer Geschichte, die sich im Tokio der 1920er-Jahre tatsächlich zugetragen hat und die bis heute in Japan zu den beliebtesten Erzählungen gehört. Musikprofessor Parker Wilson (Richard Gere) kommt mit dem 17-Uhr-Zug von der Arbeit, als ihm am Bahnsteig ein kleiner Hund in die Arme läuft. Gemeinsam mit dem Bahnhofvorsteher Carl (Jason Alexander) versucht Parker herauszufinden, wem und wohin der Welpe gehört. Doch niemand scheint ihn zu vermissen.

Um den Hund nicht alleine in der Gepäckaufbewahrung zu lassen, nimmt er ihn mit nach Hause. Seine Frau Cate (Joan Allen) ist nicht gerade begeistert und Parker verspricht ihr, den Hund am nächsten Tag zurückzubringen.
Doch alle Mühe bleibt erfolglos, kein Besitzer ist zu finden. Parkers Kollege an der Uni, der Japanologe Ken (Cary-Hiroyuki Tagawa), erkennt im Welpen einen Akita, eine sehr alte und sehr edle japanische Hunderasse. Der Welpe, der nun »Hachiko« getauft wird, lässt sich immer noch nicht unterbringen. Stattdessen wächst Tag für Tag die Verbundenheit zwischen Parker und Hachiko, sodass auch Cates Widerstand schwindet. Jeden Morgen begleitet er fortan den Professor zum Bahnhof und läuft dann allein nach Hause. Pünktlich um 17 Uhr sitzt er wieder dort und wartet auf sein Herrchen.

Die Freundschaft zwischen den beiden bleibt auch den Menschen am Bahnhof nicht verborgen. Doch eines Tages bricht Parker während einer Vorlesung zusammen und Hachiko wartet vergebens auf dessen Heimkehr um 17 Uhr. Auch in den folgenden Jahren sitzt der treue Hund tagtäglich am Bahnhof und wartet. Niemand weiß, wo genau er Unterschlupf findet. Doch die Menschen am Bahnhof kümmern sich um ihn, und bald gehört er fest zum Bild des Bahnhofs und wird auch von den Pendlern wie ein alter Vertrauter begrüßt.

Unspektakulär und doch außergewöhnlich
Regisseur Lasse Hallström und Hauptdarsteller Richard Gere legten viel Wert darauf, eine anrührende, aber nicht rührselige Geschichte zu erzählen. Die Handlung ist eigentlich unspektakulär, denn der Hund rettet keine Menschen aus gefährlichen Situationen oder macht ähnlich dramatische Dinge. Vielmehr lebt der Film von der warmherzig und weise erzählten Geschichte, in der die Zuschauer sich zum Teil in die Perspektive des Hundes einfinden und so die gezeigten menschlichen Eigenschaften und menschlichen Verhaltensweisen auf ganz neue Weise wahrnehmen.

Für diesen außergewöhnlichen Blick durch die Augen Hachikos ist der Kameramann Ron Fortunato verantwortlich. Und auch die Filmmusik des Oscar-gekrönten Komponisten Jan Kaczmarek trägt zur besonderen Stimmung des Filmes bei. jp

Fotos: Profikino (6)