Artikel dieser Ausgabe aus Freizeit
Meine Gesundheitsapotheke
Ein neuer Freund
Vorlesegeschichte
Mit einem Salamibrötchen in der Hand ist Paula auf dem Weg zum Clubhaus der coop-Kids, als sie das leise Trippeln von Hundepfoten hinter sich hört. Gleich darauf läuft ein weißer, zerzauster Hund an ihr vorbei und bleibt ein paar Schritte weiter mit wedelndem Schwanz mitten auf dem Bürgersteig sitzen. Den Kopf mit den kleinen spitzen Ohren hat er schräggestellt. Er gibt ein kurzes Bellen von sich und sieht Paula bettelnd an.
»Na du«, sagt Paula und bleibt stehen. »Bist du etwa ganz allein unterwegs?«
Wieder bellt der Hund und hechelt mit heraushängender Zunge.
»Was willst du denn?«, fragt sie irritiert. Doch dann erkennt sie es: Sein Blick wandert beharrlich zwischen ihrem Gesicht und ihrem Brötchen hin und her.
»Du willst was von meinem Brötchen abhaben?«
»Wuff!«
»Na gut, ein kleines Stück.«
Paula teilt den Rest ihres Brötchens und reicht es dem Hund. Mit einem Happs ist es auch schon weg.
»So, ich muss weiter.« Paula tätschelt dem Hund zum Abschied den Kopf und geht.
Aber so schnell lässt ihr anhänglicher Begleiter sich nicht abschütteln. Schwups! hat er sie wieder überholt und sitzt mit bettelndem Blick vor ihren Füßen. Lachend gibt Paula auf.
»Na gut, hier hast du´s!«, ruft sie und reicht dem Hund das letzte Stück ihres Brötchens. »Bist du jetzt glücklich?«
Tatsächlich schleckt der Hund sich zufrieden über die Schnauze und verschwindet mit einem letzten leisen »Wuff!« wieder zwischen den Häusern. Irgendwie geknickt geht Paula weiter.
Am nächsten Tag ist Paula auf dem Weg zur Schule, als sie ihm wieder begegnet.
»Hallo!«, ruft sie und kniet sich neben den Hund. »Na, hast du wieder Hunger?«
Sie kramt in ihrem Rucksack und holt ihr Schulbrot hervor. Hastig verschlingt er es und stupst sie dann dankbar mit seiner feuchten Schnauze an, bevor er wieder verschwindet.
Von nun an vergeht kein Tag, an dem Paula den weißen Wuschelhund nicht trifft. Mittlerweile hat sie immer etwas Trockenfutter für Hunde dabei.
Sie ist wieder einmal auf dem Weg zum Clubhaus, als sie hinter sich ein Rascheln hört. Freudig dreht sie sich um.
»Na, Hund ...«, sagt sie, doch dann bleiben ihr die Worte im Hals stecken. Eine große Gestalt kommt auf sie zu, die Mütze tief ins Gesicht gezogen. In der Hand blitzt etwas auf – ein Messer. Paula will wegrennen, doch sie wird von hinten gepackt.
»Los, dein Handy her!«, knurrt der Typ heiser. »Und dein Geld.«
Paula ist vor Angst wie gelähmt, das Blut in ihrem Kopf rauscht laut.
»Grrr ... wuff!«, hört sie es da und gleich darauf spürt sie, wie die Arme, die sie umschlingen, locker lassen.
»Au ... aua, lass los!«, schreit jemand schmerzerfüllt. Doch das wütende Knurren lässt nicht nach und Paula sieht den weißen Hund, der fest am Bein des Angreifers hängt. Dann passiert alles auf einmal: Plötzlich fliegt der Hund durch die Luft, mitten auf die Straße ... Autoreifen quietschen ... ein lautes, qualvolles Jaulen ...
Als Paula an diesem Abend bei ihren Großeltern in der Küche sitzt, blickt sie glücklich auf das neue Hundekörbchen, in dem ein Hund mit dickem Verband liegt.
»Hey, Cooper«, murmelt sie und krault seinen Kopf. »Oma sagt, du darfst für immer bleiben.«
Catrin Liebscher




