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Mittwoch, 23. Mai 2012
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Dorfrock

Das Heavy-Metal-Festival in Wacken.

Vom 5. bis zum 7. August wird die Erde im Kreis Steinburg im südwestlichen Schleswig-Holstein wieder beben: Das Wacken Open Air (kurz W:O:A) geht in diesem Jahr in seine 21. Runde. Drei Tage lang weicht dann die ländliche Idylle einem lautstarken Gipfeltreffen der Heavy-Metal-Szene.

Zum fünften Mal in Folge ist das Mega-Konzert, das inzwischen längst als größtes und wichtigstes Metal-Festival der Welt gilt, restlos ausverkauft, sodass diesmal rund 75 000 internationale Fans in der 1800-Seelen-Gemeinde erwartet werden. Betont friedliche Atmosphäre inklusive!

Unter Freunden
Holger Hübner und Thomas Jensen aus Wacken hatten eines Tages die Idee, in ihrem Heimatort ein Open-Air-Konzert für Fans harter Musik zu organisieren. Denn bisher bekamen diese in der ländlichen Gegend eher wenig geboten und auch Thomas Jensens Band »Skyline« fehlte noch das richtige Umfeld für einen Auftritt. Beim ersten W:O:A waren es im Jahr 1990 rund 800 »Metalheads«, die den sechs auftretenden Bands auf einer Wiese neben dem Dorf zujubelten. Eine ganz passable Resonanz, denn die ausschließlich regional bekannten Bands lockten auch hauptsächlich nur das regionale Publikum an. Von diesem Zuspruch angespornt, organisierten sie gleich das nächste W:O:A, zu dem schon 1300 dunkel Gekleidete und unter anderem auch eine amerikanische
Band anreisten.

Wackere Wackener
Danach ging es schnell Schlag auf Schlag, sodass das Festivalgelände inzwischen auf mehr als 200 Hektar angewachsen ist. Neben mehreren Bühnen und Veranstaltungsflächen, Fan-Märkten, Imbissbuden und Sanitäreinrichtungen gehören nämlich eigens eingerichtete Campingplätze auch zur Infrastruktur. Die benötigten Flächen werden von den lokalen Bauern angemietet, die sich über das ungewöhnliche Zubrot freuen – ebenso wie alle anderen Anwohner. Denn nicht nur vom Lautstärke-Pegel her ist das Festival der Höhepunkt des Jahres: Fast jeder Wackener wird während dieser drei Tage zum findigen Geschäftsmann, der Kuchen, Getränke oder Grillkohle aus dem Vorgarten heraus verkauft, einen Bier-Garten aufmacht oder Dienstleistun­gen anbietet.

Kult-Gemeinschaft
Der freundlich-familiäre Empfang, der allen Metal-Freaks hier von den vermeintlich konservativen Wackenern bereitet wird, prägt die gesamte Stimmung auf dem W:O:A. Obwohl die Horden der »harten Jungs« (und auch zahlreichen Mädels!) bei den Konzerten zu durchaus aggressiver Musik »abfeiern«, sind gewalttätige Auseinandersetzungen die absolute Ausnahme. Und auch Vandalismus hält sich angesichts der Menschenmassen in Grenzen – von regelmäßig als Souvenir entwendeten Ortsschildern einmal abgesehen. Offizieller Ausdruck der dörflichen Verbundenheit und inzwischen schon obligatorisch ist der Auftritt des Musikzuges der Freiwilligen Feuerwehr Wacken, der als »Wacken Firefighters« mit zünftiger Marschmusik das Festival eröffnet.

Crème de la Krach
Inzwischen stehen die internationalen Stars für einen Auftritt im Metal-Olymp mehr oder weniger Schlange. Top-Acts in diesem Jahr sind unter anderem bekannte Namen wie beispielsweise Alice Cooper, Slayer oder Mötley Crüe. Für Steve Harris, Kopf der britischen Gruppe Iron Maiden, ist ganz klar, warum er mit seiner Band hier nach 2008 zum zweiten Mal antritt: »Was könnte in Deutschland denn besser sein, als noch einmal für die 75 000 wahren Metal-Heads zu spielen, die nach Wacken kommen?« Neben den klassischen Metal-Bands finden unter den rund 80 Acts aber auch exotischere Musikgruppen Gehör; zum Beispiel Mittelalterbands wie »Cantus Buranus«, das Blas-Orchester »Fanfara Kalaschnikov« mit eigenen Metal-Interpretationen oder Torfrock.

Randerscheinungen
Im einzigartigen Rahmenprogramm findet sich unter anderem ein »Metal Battle« für Nachwuchsbands aus aller Welt, bei dem mittlerweile Teilnehmer aus 26 Ländern um einen Plattenvertrag kämpfen; aber auch die Besucher dürfen beim separaten Metal-Karaoke zum Mikrofon greifen. Mit etwas Glück kann man beim »Meet & Greet« den persönlichen Lieblingsmusiker treffen und ein Autogramm ergattern. Fans handfester Keilereien kommen trotz aller Friedlichkeit ebenfalls nicht zu kurz, denn im »Bullhead City Wrestling Zelt« steigen wieder Profi-Wrestler aus ganz Europa vor der Kulisse des W:O:A in den Ring. Auf dem »Medievalmarket« werden Schwertkämpfe, Rollenspiele, Waffen- und Rüstungshandwerk zu sehen sein.

Auch wenn die Karten für das W:O:A 2010 offiziell ausverkauft sind, kann man in der Tauschbörse auf www.wacken.com übrigens mit etwas Glück doch noch ein paar Tickets zum regulären Preis ergattern!flo

Fotos: Wacken Open Air (2)