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Mittwoch, 23. Mai 2012
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Die Opfer der Kaiserin

Wie im Märchen? Von wegen! Das Musical „Elisabeth“ zeigt das Leben der Kaiserin, wie es wirklich war.

 Wer kennt sie nicht? Die süßen Sissi-Filme mit der jungen Romy Schneider aus den fünfziger Jahren des vergangenen Jahrhunderts prägen bis heute das Bild von Österreichs Kaiserin Elisabeth. Dass damals eine große Menge von Zuckerguss über die Geschichte gekleckert wurde, verleiht den Filmen zwar einen eigenen Charme – doch mit der Realität am Wiener Hof haben die Filmklassiker nicht viel gemein.

Das Musical „Elisabeth“, das 1992 in Wien uraufgeführt wurde und derzeit am „Theater des Westens“ in Berlin gastiert, nähert sich der Kaiserin aus einer anderen Richtung: Beginnend bei den Folgen ihres gewaltsamen Todes 1898 erleben die Zuschauer in Rückblicken die Geschichte einer modernen und selbstbewussten Kaiserin, die unter den strengen höfischen Zwängen leidet, sich tapfer gegen sie auflehnt, schließlich aber doch scheitert und resigniert.

Geliebte des Todes
Noch hundert Jahre nach dem tödlichen Attentat wird Elisabeths Mörder Lucheni im imaginären Reich der Toten und Träumer von einem unsichtbaren Richter verhört. Statt seine Tat zu bereuen, gibt dieser an, er habe der Kaiserin nur einen Gefallen getan, denn diese habe ihr ganzes Leben lang gelitten und stets große Sehnsucht nach dem Tod als Erlöser gehabt. Um seine Behauptung zu beweisen, ruft er Elisabeths tote Zeitgenossen herbei und lässt gemeinsam mit ihnen die untergegangene Welt noch einmal auferstehen.

Als Kind genießt Elisabeth viele Freiheiten und sprüht vor Energie. Doch schon früh macht sie Bekanntschaft mit dem Tod. Als Elisabeth gerade fünfzehn Jahre alt ist, verliebt sich der junge Kaiser Franz Joseph, ihr Cousin, in sie. Doch eigentlich war ihre ältere Schwester Helene als Partie vorgesehen. So zumindest hatte es die Mutter des Kaisers, die Erzherzogin Sophie, geplant.

Sophie, die von nun an Elisabeths Schwiegermutter ist, ist die eigentliche Herrscherin am Hof, die den Kaiser berät und überwacht. Mit rücksichtsloser Strenge unterwirft sie auch die freiheitsliebende junge Frau den Zwängen des Hofzeremoniells. Elisabeth fühlt sich von Anfang an eingesperrt und empfindet das Leben an Hof als feindselig. Ihren Aufgaben ist sie nicht annährend gewachsen, doch Erzherzogin Sophie setzt alles dran, das Mädchen mit Hilfe von Befehlen und Verboten zur Kaiserin zu erziehen.
Elisabeths Schritte am Hof werden stets vom Tod begleitet. Der tritt im Stück als leibhaftiger Mann auf und gesellt sich als unsichtbarer Nebenbuhler zwischen das Kaiserpaar. Schon während der Hochzeit beobachtet er das frisch vermählte Paar beim Tanz. Später schürt er Elisabeths Verzweiflung und ihren Freiheitsdrang. Dennoch widersetzt sie sich seinen Verführungskünsten und gibt sich nicht auf. Ihr Widerstand gegen die Regeln wächst, und zunehmend entdeckt sie, dass sie durchaus nicht machtlos ist.

Gewonnen und verloren
Den langen Kampf mit ihrer Schwiegermutter kann sie für sich entscheiden und auch sonst gelingt es ihr zunehmend, sich selbst zu behaupten. Als jedoch ihr eigener Sohn Rudolf in schier auswegloser Lage um ihre Hilfe bittet, verweigert sie ihm diese, um nicht wieder in die Rolle der Bittstellerin zu fallen. Rudolf begeht daraufhin Selbstmord, was sie in große Verzweiflung stürzt. Doch ihr eigener Tod – obwohl von ihr heiß ersehnt – lässt auf sich warten.

Die Hauptdarsteller des Musicals gehören zu den bekanntesten europäischen Musicaldarstellern. Elisabeth-Darstellerin Pia Douwes wurde 1964 in Amsterdam geboren und stand bereits in zahlreichen Stücken auf der Bühne, darunter „Cats“, „Les Misérables“ und „Drei Musketiere“. Der Tod wird von Uwe Kröger gespielt, der als größter Musicalstar Deutschlands gilt und einer Vielzahl von Rollen seine unverwechselbare Note verlieh.

Erleben Sie „Elisabeth“ noch bis zum 28. September
dienstags bis sonntags
im Berliner „Theater des Westens“.
Infos und Tickets unter
www.stage-entertainment.de
oder
Telefon (0180 5) 44 44 (0,15 €/Min. aus dem dt. Festnetz, Mobilfunkpreise können abweichen).

jp

Fotos: Stage Entertainment