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Die fünfte Jahreszeit
Wenn die Narren los sind
Ein Ereignis, das den Lebensrhythmus der Menschen so nachhaltig prägt, wie es sonst nur die Veränderung der Jahreszeiten vermag, wird als fünfte Jahreszeit bezeichnet. In manchen Regionen Deutschlands – etwa im Erzgebirge – gilt dies für die Advents- und die Weihnachtszeit. Am meisten aber wird diese Bezeichnung im Zusammenhang mit dem Karneval, der Fastnacht oder dem Fasching gebraucht.
Je nach Region gibt es dafür andere Bräuche. Überall gleich ist aber die Gewohnheit, sich zu dieser Zeit zu verkleiden oder zu vermummen und viele ausgelassene Feste zu feiern. Die fröhliche, oft verrückte Stimmung überträgt sich während der fünften Jahreszeit auf alle Lebensbereiche, zu Hause, in der Schule oder im Beruf. Besonders in den so genannten Hochburgen der närrischen Tage ist dies der Fall. Sind dort die Narren los, herrscht Ausnahmezustand.
Närrische Nomenklatur
Wenn es um den korrekten Namen der fünften Jahreszeit geht, verstehen viele Narren keinen Spaß. Außenstehende sollten sich deshalb als Grundregel merken, dass im Rheinland von Karneval gesprochen wird, in Mainz und Umgebung von Fassenacht oder Fastnacht, im südlichen Bayern und Österreich von Fasching und im Alemannischen von Fasnet.
Alle unterschiedlichen Bezeichnungen für die „tollen Tage“ haben gemein, dass sie sich auf die Zeit vor dem Beginn des Osterfastens beziehen.
Ursprünglich waren sie auf die Wochen zwischen Dreikönig (6. Januar) und Aschermittwoch begrenzt. Der letzte Tag des närrischen Treibens ergibt sich aus dem Datum des kirchlichen Osterfests, dem eine 40-tägige Fastenzeit vorausgeht. Anfang des 19. Jahrhunderts wurde der Beginn der fünften Jahreszeit auf den 11. 11. um 11.11 Uhr festgelegt.
„Fleisch, lebe wohl“
Begrifflich stammt die Bezeichnung Karneval aus dem Lateinischen („carne vale“) und bedeutet so viel wie „Fleisch, lebe wohl“. Er verweist auf die bevorstehende Fastenzeit und ist in allen romanischen Sprachen gebräuchlich. Der deutsche Begriff der Fastnacht leitet sich aus dem Vorabend zur Fastenzeit ab. Das Wort Fasching kommt von dem mittelhochdeutschen „vast-schanc“, was den Ausschank vor der Fastenzeit bedeutet.
Pappnase kontra Holzlarve
Trotz der vielen Gemeinsamkeiten gibt es regional große Unterschiede bei den Festen: Prinz, Bauer und Jungfrau regieren an Karneval im Rheinland, prächtige Umzüge werden von unzähligen Menschen bestaunt. Bei den Karnevalssitzungen werden Büttenreden gehalten und Lieder und Tänze aufgeführt.
Wenn eine Darbietung besonders gut war, werden die Darbietenden mit einem „Kölle Alaaf“ oder einem Orden belohnt.
Die Fastnacht hingegen kommt mit weniger festgelegten Abläufen daher. Im Vordergrund steht dabei der Schabernack in Gestalt urtümlicher Kostüme. Ihren Ursprung hat die närrische Trennung um 1900. Während sich in Köln oder Aachen die Umzüge der romantischen Motivwagen fest etabliert hatten, regte sich im schwäbisch-alemannischen Raum so etwas wie eine fastnächtliche Konterrevolution von unten.
Fastnächtliche Konterrevolution
Verfechter der Aufklärung hatten um 1800 die nicht gerade feinfühligen Bräuche der mittelalterlichen Fastnacht als überholte, rüpelhafte Relikte verboten. Viele einfache Leute im Südwesten Deutschlands, überwiegend Handwerker, wehrten sich dagegen, auch an den närrischen Tagen bevormundet zu werden.
Sie holten einfach die alten Narrenkleider, die sie teilweise noch auf den Speichern liegen hatten, wieder hervor und kehrten zum Mummenschanz der ursprünglichen Fastnacht zurück.
mh



