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Mittwoch, 23. Mai 2012
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Die Entdeckung der noch neueren Welt

Der Kontinent Catan

Sie waren ein eifriges, schlaues und friedliebendes Volk. Sie entdeckten den Ackerbau, schlugen Holz und stachen Lehm für ihre Behausungen, förderten die reichhaltigen Erzvorkommen der Minen zutage und lernten, sich Tiere zunutze zu machen. Doch sie waren nicht allein! Andere Völker schickten sich an, ihnen den Rang streitig zu machen.

Rasch entwickelte sich ihre Zivilisation neben wetteifernden Kulturen. Straßen wurden gebaut, neue Gebiete im Rennen um die ertragreichsten Gründe erschlossen. Die Bevölkerung wuchs, und große Städte entstanden.

Natürlich zog der plötzliche Reichtum Neider auf den Plan, doch edle Ritter hielten die Räuber und Wegelagerer bisweilen gut in Schach. Auf den Märkten des Landes priesen die Völker ihre Waren an. Nicht immer mit Erfolg! Wohl dem, der seine Waren an Häfen umschlagen konnte. Generell aber herrschte eitel Sonnenschein in diesem speziellen Utopia. Vielleicht etwas zu viel, wie sich das Volk in der Blütezeit ihrer Kultur eingestehen musste. Von oben dröhnte eine Stimme „Hurra, 10 Punkte, ich gewinne“ herab, und eine unerbittliche Hand streckte sich nach ihnen aus, um sie, die Bewohner Catans, mitsamt ihrem Kontinent wieder in der Box des Basisspiels Die Siedler von Catan verschwinden zu lassen.

Ein Spiel, das Geschichte schreibt

Seit ihrer Veröffentlichung im Jahr 1995 kannten Klaus Teubers Siedler eigentlich nur einen Weg, und zwar den nach oben. Der Auszeichnung zum Spiel des Jahres 1995 folgten der 1. Platz beim Deutschen Spielepreis und die Auszeichnung mit der goldenen Feder der Stadt Essen, die der besten Spielanleitung gebührt! Es wurden auch kritische Stimmen laut. Das Spiel sei zu komplex für ein Spiel des Jahres. Letztlich ist es allerdings genau jene Gratwanderung zwischen den Spielewelten, die den Siedlern ihren Erfolg beschert hat. Endlich ließ sich der ewige Streit der „Monopoly- und Risiko-Fraktion“ mit der zur Strategie neigenden Zunft
am Spieltisch beilegen. Gelegenheitsspieler und Vielspieler hatten ihren gemeinsamen Nenner. Und dieser Nenner entspricht heute weit über 2 Millionen Menschen weltweit. Der achte Kontinent der Erde heißt Catan.

Mein Spiel, das hat sechs Ecken

Der Reiz im Siedler-Spiel liegt darin, dass sich die Spielfläche jedes Mal anders gestaltet.
19 einzelne Hexfelder ergeben ein großes Sechseck, das die Insel Catan darstellt. Jedem dieser Felder, mit Ausnahme der Wüste, wird ein Zahlmarker zwischen
2 und 12 zufällig zugeteilt. Die einzelnen Felder stellen entweder Acker-, Wald-, Weide-, Hügel- oder Gebirgslandschaften dar, auf denen die entsprechenden Rohstoffe Getreide, Holz, Wolle, Lehm und Erz gewonnen werden.

Zu Beginn des Spiels setzen bis zu 4 Teilnehmer zwei ihrer Siedlungen auf die Schnittpunkte der ihrer Meinung nach aussichtsreichsten Hexfelder sowie eine Straße ausgehend von jeder Siedlung. Nun wird reihum gewürfelt. Entsprechend der gewürfelten Augenzahl darf sich jeder Spieler den (oder die) an seine Siedlungen angrenzenden Rohstoff(e) auf die Hand nehmen.

Im Anschluss an den eigenen Würfelwurf bietet sich dem Spieler die Möglichkeit, mit den Mitspielern oder der Bank zu handeln. Hat er die passenden Rohstoffe beisammen, kann er eine Straße oder eine Siedlung bauen, eine Siedlung zur Stadt aufwerten oder sich eine Fortschrittskarte kaufen.

Ein weites Feld

An der Erfolgsgeschichte seiner Siedler tüftelte Spieleautor Klaus Teuber fleißig weiter. Dem Basisspiel folgten die Städte & Ritter- sowie die Seefahrer-Erweiterung. Irgendwann durften auch Die Kinder von Catan mitmachen. Und schließlich reichte das beschauliche Catan nicht mehr aus. Die Sternenfahrer von Catan fühlten sich zu Höherem berufen. Zu Aussiedlern wurden auch Die Siedler von Nürnberg. Für ein Spiel zu zweit eignen sich insbesondere das Sternenschiff Catan und die zu Die Siedler von Catan gleichnamige Kartenspiel­variante. Letztere wurde in diesem Jahr um ihr siebtes Themenset, „Künstler & Wohltäter“, erweitert. Besonderer Nachfrage erfreuen sich die seltenen Werbeausgaben Wasser des Lebens (Glen Grant) und Communications in Catan (Alcatel) sowie die anlässlich des 10-jährigen Jubiläums im vergangenen Jahr erschienene 3D-Sonderedition. Diese, in einer repräsentativen Schatztruhe aus Holz daherkommend, zaubert schon vor dem Öffnen ein Funkeln in Spieleraugen.

Und sollte Klaus Teuber etwas nicht selber schreiben, erledigen das andere für ihn. Die Schriftstellerin Rebecca Gablé wurde vom Spiel zu einem historischen Roman gleichen Namens inspiriert. Diesem Titel wiederum sind die zwei Brettspiele Candamir – Die ersten Siedler und Elasund – Die erste Stadt entlehnt. Bahnt sich da etwa die nächste unendliche Geschichte an? Mindestens 2 Millionen Catanesen hätten wohl kaum ein Problem damit.

Weitere Informationen: www.klausteuber.de und www.die-siedler.com

ath

Fotos: mein coop magazin