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Mittwoch, 23. Mai 2012
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Der Zauber des Alltäglichen

Kinotipp: „So ist Paris“

„So ist Paris“: In seinem neuesten Film setzt Regisseur Cédric Klapisch der Stadt und ihren Bewohnern ein besonders liebenswertes Denkmal.

Kino ist, wenn es kracht und rumst. Doch die Filme, die uns besonders berühren, sind sehr oft die kleinen, feinen und leisen Werke. Denn gerade diese sind es, die uns die Alltäglichkeiten in charmanter Weise vor Augen führen, die uns die Schrullen und Sehnsüchte präsentieren, die doch auch in jedem von uns stecken. Ein solcher Film ist auch So ist Paris (Kinostart: 17. Juli). Nicht ohne Grund stürmte er gleich nach seinem Start die Spitze der französischen Kinocharts.

Gerade die Stadt der Liebe und der Gefühle bietet sich für einen solchen Film an, denn im Alltag einer Millionenstadt wie Paris treffen tagtäglich nicht nur Individuen aufeinander, sondern oft auch Welten. Für Cédric Klapisch war es ein Herzenswunsch, hier zu drehen, denn Paris ist seine Heimatstadt. Und ihrer unverkennbaren Schönheit und Vielschichtigkeit wollte er unbedingt sein persönliches Denkmal setzen. Entstanden ist eine berauschende Liebes- und Lebenskomödie, die pulsiert vor unterschiedlichen Lebensentwürfen und Lebensformen, die die Sehnsucht nach Liebe schildert, aber auch die Ängste und die Unberechenbarkeit des Glücks einfängt.

Leiden und Leidenschaften
Die Hauptfigur des Films ist Pierre (Romain Duris), ehemals Profitänzer im Moulin Rouge. Seine Karriere ist zu Ende, als Pierre erfährt, dass er an einem Herzleiden erkrankt ist. Seitdem lebt er beständig mit der Angst, dass seine Tage gezählt sind. Doch statt sich zurückzuziehen, strahlt er enorm viel Energie aus und wendet sich noch stärker seinen Mitmenschen zu.

Pierres Schwester Elise (Juliette Binoche) ist alleinerziehende Mutter von drei Kindern. Außerdem arbeitet sie als Sozialarbeiterin. Um in ihrem Beruf bestehen zu können, hat sie sich ein dickes Fell zugelegt. Doch eigentlich könnte sie selbst auch gut ein wenig Hilfe und Zuwendung gebrauchen.
Roland Verneuil (Fabrice Luchini), ein Professor mit besonderer Leidenschaft für die Pariser Geschichte, bekommt ein Angebot eines Fernsehsenders, das ihn ebenso freut wie herausfordert. Denn in seiner neuen Aufgabe geht es darum, sein fundiertes Wissen in einer allgemein verständlichen Sprache an das Publikum weiterzugeben. Gar nicht so einfach für einen Menschen mit einer Leidenschaft für komplexe Zusammenhänge. Außerdem gibt es da noch Studentin Laetitia (Mélanie Laurent), die ebenfalls seine Leidenschaft weckt.

Als „Playboy der Markthallen“ bezeichnet der Regisseur seine Figur des Fischhändlers Franky (Gilles Lellouche): ein raubeiniger, sehr männlicher und impulsiver Fischhändler. Viele Frauen fühlen sich von seiner ruppigen Art angezogen, doch zugleich leiden sie auch darunter.

Liebeserklärung an die Stadt
Neben diesen und weiteren Figuren ist natürlich die Stadt selbst der Mittelpunkt des Films. Cédric Klapisch zeigt die komplexe Welt einer modernen Metropole, in der so vieles nebeneinander besteht und sich gegenseitig beeinflusst: Altes und Neues, Großes und Banales, Menschen mit den unterschiedlichsten Zielen und Sehnsüchten. Für ihn war immer klar, dass Paris mehr ist als der Louvre oder als das ultramoderne Museum am Quai Branly. Gerade das Nebeneinander und die Verbindung von so vielen Unterschieden bestimmen für ihn das Bild der Stadt.

Und so beschränkt er sich in seinen Aufnahmen auch nicht auf die altbekannten Postkartenmotive, sondern zieht die Zuschauer hinein in den Strudel der Ereignisse, um ihnen so das Lebensgefühl dieser Metropole, die Figuren und Orte nahezubringen.
jp

Fotos:Prokino