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Mittwoch, 23. Mai 2012
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Der Papst als Popstar

Musical: „In Nomine Patris“

Das Musical „In Nomine Patris“ ab 14. Oktober im Deutschen Theater in München-Fröttmaning.

Als „wir“ im April 2005 Papst wurden, besser gesagt als Kardinal Joseph Ratzinger zum Nachfolger des verstorbenen Johannes Paul II. gewählt wurde, da wandelte sich die anfängliche Skepsis binnen kürzester Zeit in eine ungeahnte Begeisterung. Während des wenige Wochen später in Köln stattfindenden 20. Weltjugendtages wurde der neue Papst sogar wie ein Popstar bejubelt und gefeiert.

Worin diese überschwängliche Reaktion begründet liegt, wo doch im Alltag für immer mehr Menschen in Deutschland die Religion eine immer geringere Rolle spielt, lässt sich nur schwer sagen. Klar ist jedoch, dass auch heute noch die geistlichen Führungspersönlichkeiten eine außergewöhnliche Anziehungskraft haben und uns in besonderem Maße berühren und herausfordern.

Glaube ohne Liebe?
Päpste, Kardinäle und andere kirchliche Würdenträger waren schon oft ein Thema in Kunst und Kultur. Wem fallen nicht sofort „Die Dornenvögel“ ein, jene ein wenig rührselige, aber überaus populäre Fernsehserie aus den achtziger Jahren des vergangenen Jahrhunderts? Der junge und ehrgeizige Pater Ralph de Bricassart gerät darin in den viele Jahre andauernden Zwiespalt zwischen der kirchlichen Karriere und der unerlaubten Liebe zu Maggie Cleary, der Nichte seiner Gönnerin Mary Carson.

Eine ähnliche Zerrissenheit zwischen der Erfüllung seiner religiösen Pflichten und der unerfüllten Sehnsucht nach Liebe ist auch das Thema des Musicals „In Nomine Patris“, das im Oktober im Deutschen Theater der Stadt München seine Welturaufführung feiert. Die zentrale Figur des Stückes ist der – natürlich frei erfundene – Papst Anastasius Christus. Als junger Priester muss er sich entscheiden, ob er das Zölibat einhalten und seine kirchliche Karriere verfolgen will oder ob er sich seiner großen Liebe hingibt. Er entscheidet sich für die Religion.

Erst Jahre später, als er alle Instanzen erfolgreich durchlaufen hat und nun zum Oberhaupt der Kirche gewählt worden ist, erfährt Anastasius Christus, dass er eine leibliche Tochter hat. Seine ganze Welt gerät aus den Fugen und er stürzt in eine tiefe Sinnkrise. Hin- und hergerissen zwischen allem, was ihm wichtig ist, sucht er nach einem Ausweg. Doch natürlich bringen seine Zweifel und Fragen nicht nur ihn selbst, sondern die Kirche insgesamt und alle Gläubigen ins Wanken.

Menschliche Makel
Was ist echter, wahrer Glaube? Was ist die Liebe? Und wie gelingt es uns, Gutes zu tun? Für Papst Anastasius Christus werfen sich durch die Konfrontation mit seiner eigenen Vergangenheit Fragen auf, die er längst beantwortet geglaubt hatte. Dabei stellt er fest, dass er nicht der Einzige ist, der an seinen eigenen Taten zweifelt. Manches Kirchenoberhaupt der Geschichte muss sich im Musical seinen Worten und Taten stellen.

Musicalautor Bernd Stromberger hat sich fünf Jahre lang mit dem Papsttum in Geschichte und Gegenwart befasst und dabei manche wunden Punkte entdeckt, die er im Musical anspricht und verarbeitet. In keiner Weise möchte er in den Verdacht geraten, religiöse Gefühle verletzen zu wollen. Es ist ihm jedoch ein Anliegen, sich kritisch mit dem Anspruch auf Unfehlbarkeit auseinanderzusetzen.

So thematisiert er im Musical den problematischen missionarischen Eifer der Christen und auch die persönliche Schuld einzelner Päpste. Entstanden ist dabei kein quietschbuntes Popkonzert, sondern anspruchsvolle und emotionale Unterhaltung, die das Publikum sicher nachhaltig berühren wird.

Musical in Fröttmaning
Das Deutsche Theater in München wird zurzeit gründlich renoviert. Ab Oktober beginnt die rund dreijährige Spielzeit in Fröttmaning vor den Toren der bayerischen Landeshauptstadt. „In Nomine Patris“ wird dort bis zum 16. November 2008 gespielt. Tickets und Infos zum Musical gibt es im Internet unter www.deutsches-theater.de
und unter der Tickethotline (0 89) 55 23 44 44.
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jp

Foto: Deutsches Theater München