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Mittwoch, 23. Mai 2012
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Der Duft der Verführung

Film ab für Patrick Süskinds Erfolgsroman „Das Parfum“

Gerüche begleiten uns den ganzen Tag und das ganze Leben, und doch machen wir uns das nur selten richtig bewusst. Unser Geruchssinn ist der am meisten vernachlässigte unserer Sinne, wohl auch und vor allem deshalb, weil Gerüche von allen Eindrücken und Wahrnehmungen am wenigsten greifbar und noch dazu sehr flüchtig und unbeständig sind.

Eine flüchtige Ahnung

Dabei sind es doch gerade die Gerüche, die es vermögen, uns so sehr zu bewegen, uns zu verführen, zu beglücken oder auch zu verstören. Wer kennt nicht den magischen Moment, in dem ein einziger Geruch uns entführt in längst vergessen geglaubte Zeiten, uns erinnert an glückliche und sorglose Momente in der Kindheit?

Das Aroma von frisch gebackenem Kuchen lässt uns wohlig an die Nachmittage bei den Großeltern zurückdenken, die immer ein offenes Ohr für uns hatten. Der Duft abgemähter Felder bringt uns die endlos langen Sommerferien mit Badefreuden und Schokoladeneis zurück. Und die Adventsbäckerei mit ihren vielfältigen Verlockungen lässt uns schon das Weihnachtsfest erahnen.

Eine wohlige Empfindung

Ganz besonders einprägsam sind die Düfte der Menschen. Dass wir die einen besonders gut riechen können und andere gar nicht, dass also die Sympathie, die wir für jemanden empfinden, zu einem nicht zu unterschätzenden Teil mit dessen persönlichem Geruch zusammenhängt, ist sogar wissenschaftlich bewiesen. Besonders in den sinnlichen Momenten kommt die ganze betörende Kraft der Gerüche zu ihrer vollen Entfaltung.

Diesem Umstand tragen die Parfümeure mit den unterschiedlichsten Kreationen Rechnung. Zwar besteht immer die Gefahr, einen unpassenden Duft auszuwählen, der nicht zur Person oder nicht zur Situation passt und dann eher als Kostümierung wirkt. Im Idealfall jedoch unterstreicht das richtige Parfum die Persönlichkeit ihres Trägers und umschmeichelt sanft das Gegenüber.

Eine verlockende Geschichte

Dass man für einen perfekten Geruch über Leichen gehen könnte, beschrieb der 1949 in Ambach am Starnberger See geborene Autor Patrick Süskind in seinem Roman „Das Parfum“.

Der erstmals 1985 erschienene Lebenskrimi des genialen und dabei mörderischen Parfümeurs Jean-Baptiste Grenouille wurde nicht nur in Deutschland zum sensationellen Erfolg. Seit Erich Maria Remarques „Im Westen nichts Neues“ ist dies der erfolgreichste in deutscher Sprache verfasste Roman, von dem weltweit mehr als 15 Millionen Exemplare in 42 Sprachen verkauft wurden.

Am 14. September startet die Verfilmung von Regisseur Tom Tykwer und Produzent Bernd Eichinger mit großem internationalem Staraufgebot, da­runter Alan Rickmann und Dustin Hoffman.

Ein genialer Mörder

Die Geschichte spielt sich Mitte des 18. Jahrhunderts in Frankreich ab. Jean-Baptiste Grenouille verbringt seine ersten Lebensjahre im Waisenhaus, nachdem seine Mutter versucht hatte, ihn als Säugling zu töten. Er kann kaum sprechen, verfügt aber über einen ausgeprägten Geruchssinn.  

Bei einem Besuch in Paris verliebt er sich in den Duft des schönen Mirabellen-Mädchens. Nachdem er sie ungewollt erstickt hat, erkennt er zu seinem großen Bedauern, dass er ihren Duft nicht festhalten kann. Er lernt jedoch später beim Parfümeur Baldini, wie er den Duft von Blumen konservieren kann.

Ein erschütterndes Erlebnis ist für ihn die Erkenntnis, dass er selbst keinen Eigengeruch hat, fast so, als würde er gar nicht existieren. Aus diesem Grund beschließt er, sich selbst einen unwiderstehlichen Duft zu erschaffen …

Ob es Tom Tykwer gelingen wird, das fulminante Buch angemessen auf die Leinwand zu bringen? Die Voraussetzungen jedenfalls sind gegeben, versteht sich doch der überaus kreative Regisseur (Lola rennt, Winterschläfer) bestens darauf, Spannung und Unbehagen dort entstehen zu lassen, wo sie normalerweise unbemerkt bleiben: in den Köpfen seiner Figuren.

Und das verspricht auch für den Zuschauer zwei kurzweilige, aber bestimmt nicht flüchtige Stunden Kinospaß!

jp

Fotos: Constantinfilm