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Mittwoch, 23. Mai 2012
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Der Adler ist gelandet

George Clooney ab dem 4. Februar im Kino: »Up in the Air«.

Aus der Vogelperspektive sieht die Welt ganz anders aus. Alle Ängste und alle Sorgen bleiben unter den Wolken verborgen, wie wir spätestens seit Reinhard Mey wissen. Nun ja, ganz so einfach ist die Sache dann doch nicht, zumindest nicht im neuen Film des Regisseurs Jason Reitman mit George Clooney in der Hauptrolle. Denn wie sich herausstellt, ist die Welt des von Clooney gespielten Vielfliegers Ryan Bingham nur auf den ersten Blick sorgenfrei.

Fast das ganze Jahr über ist er kreuz und quer auf dem Kontinent unterwegs. Sein Zuhause sind die Flugzeuge und die Airport-Hotels in den unterschiedlichsten Städten. Im vergangenen Jahr waren es ganze 322 Tage, und seine Bonusmeilen sammelt er wie andere Leute Briefmarken. Das Personal auf den Flughäfen und in den Flugzeugen begrüßt ihn wie einen alten Bekannten, und was andere Leute am Fliegen abschreckt, das schätzt er besonders.

Kein Traumjob
Kaum zu glauben, dass der charmante Geschäftsreisende einem Beruf nachgeht, den andere nicht machen wollen. Denn Ryan Bingham wird von zahlreichen Firmen eingeflogen, um dort eine unliebsame Aufgabe zu erfüllen: die Mitarbeiter möglichst schmerzfrei über ihre Entlassung zu informieren. Er tut dies mit ungerührter Präzision, was eine ganze Weile sehr gut funktioniert. Doch sein Leben gerät ins Wanken, als zwei Frauen in sein Leben treten.
Die erste ist die ehrgeizige junge Harvard-Absolventin Natalie, die sein berufliches Leben auf den Kopf stellt. Denn sie will Ryans Chef davon überzeugen, in der Firma Modernisierungen durchzusetzen, die die Flüge überflüssig machen würden. Für den Nomaden Ryan ist es jedoch absolut keine verlockende Aussicht, künftig an den Schreibtisch gebunden zu sein und seine Aufträge per Videokonferenz zu erledigen. Die zweite Frau, die Ryans Leben verändert, ist Geschäftsfrau Alex, die er auf seinen Reisen kennen lernt. Sie lässt ihn erkennen, dass seinem bisherigen, perfekt organisierten Leben doch einige entscheidende Dinge fehlen.

Den Kopf in den Wolken
Der Film basiert auf dem Bestseller »Der Vielflieger« von Walter Kirn und greift als bissige und charmante Komödie viele zeitgemäße Themen auf. So geht es beispielsweise um die in den vergangenen Jahren immer weiter zunehmende Technisierung der menschlichen Beziehungen. Zwar haben wir heute immer mehr Möglichkeiten, mit unseren Mitmenschen im Kontakt zu bleiben, doch vieles davon geschieht auf einer hoch technischen Ebene und sehr unpersönlich. Beziehungen werden, so der Regisseur, immer häufiger oberflächlich und austauschbar. Auch Ryan im Film kennt zwar eine Menge Menschen, doch wirkliche intensive Beziehungen geht er lange Zeit nicht ein. Stattdessen genießt er den Komfort und die materiellen Vergünstigungen, die ihm sein Beruf bietet.

Zugleich schafft er es, die Verantwortung für sein Tun von sich fernzuhalten. Auch hier zeigt sich die Unverbindlichkeit und Ungerührtheit, die sogar sein privates Leben durchzieht. Er nimmt anderen Menschen die Arbeit weg. Wie schafft er es, seinen eigenen Lebensunterhalt damit zu verdienen, andere Menschen schmerzarm auf die Straße zu setzen, ihnen also massiven Schaden zuzufügen, und dabei trotzdem seine eigene Seele nicht zu verlieren? Dieser zutiefst menschlichen Frage geht der Film nach und überschreitet dabei die Genre-Grenzen.

Von der Zeit eingeholt
Während der Arbeit am Drehbuch schlitterten die Vereinigten Staaten und die Welt in eine heftige und bedrohliche Rezession, was den Regisseur dazu brachte, das Thema des Jobverlustes noch stärker zu integrieren. Er entschloss sich, echte und direkte Reaktionen ganz gewöhnlicher Amerikaner im Film festzuhalten, die selbst gerade ihre Arbeit verloren hatten. Die eindringlichen und emotionalen Dokumente der tatsächlich betroffenen Menschen geben dem Film eine zusätzliche und ganz besondere Tiefe und machen ihn zu einem ganz eigenen Dokument unserer Zeit. jp

Alex bringt Ryans geordnetes Leben und seine Gefühle durcheinander.
Ein Leben aus dem Koffer - für die meisten ein Horror aber Ryan liebt es.
Fotos: Paramount Pictures (3)