Artikel dieser Ausgabe aus Freizeit
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Denksport im Doppelpack
Spiele: Mühle und Dame
Das Dame- und das Mühle-Spiel teilen sich die Vorder- und Rückseite eines Spielbrettes, greifen auf die gleichen Spielsteine zurück und gehören darüber hinaus zu jener Art Brettspiel, die sich durch die sogenannte perfekte oder auch vollständige Information auszeichnet.
Die „perfekte Information“, wie sähe die wohl aus? Wäre es vielleicht die Nachricht über einen Sechser im Lotto? Oder – weniger eigennützig – die Kunde vom sofortigen Weltfrieden? Die kurzfristige Absage des anberaumten Besuches Ihrer Schwiegermutter? Was auch immer Sie sich persönlich darunter vorstellen, in der Spieltheorie ist der Begriff der „perfekten Information“ eindeutig definiert.
Zu den Spielen mit dieser Eigenschaft zählt man all jene, die allen teilnehmenden Spielern gleiche Anfangsvoraussetzungen bieten und die im gesamten Spielverlauf ohne (Spiel-) Glückselemente auskommen, in denen alle für das Spiel relevanten Informationen offen einsichtig sind! Damit wir Ihnen aber nicht bloß Offenkundiges präsentieren, haben wir einiges Wissenswertes und weniger Bekanntes zu den Spielen zusammengetragen.
„Ladies first!“
Vielleicht ist diese Dame nicht mehr die Jüngste, mangelnde Schlagfertigkeit kann man ihr allerdings kaum nachsagen. Weder im Schach noch in dem nach ihr benannten Spiel. Um das Jahr 1100 herum soll es in Südfrankreich entstanden sein. Anleihe nahm es bei gleich zwei anderen Spielen. Die Regeln sind an die des „Alquerque“ angelehnt (eine im maurischen Spanien gespielte Vorläufervariante), und beim Spielfeld hat man sich kurzerhand des 8 x 8 Felder großen Schachbrettes bedient.
Jeder Spieler erhält zwölf gleichartige Spielsteine, die auf die dunklen Felder der ersten drei Reihen gelegt werden. Abwechselnd wird einer der eigenen Steine um ein Feld in diagonaler Richtung nach vorne gezogen. Grenzen gegnerische Steine schräg aneinander und steht das auf einer weitergedachten Linie liegende Feld dahinter frei, muss geschlagen werden, indem man mit dem Stein über den anderen hinwegspringt. Auch mehrfach in Folge!
Bringt man einen eigenen Stein an die gegnerische Grundlinie, wird er zur Dame, was durch das Auflegen eines zweiten Steines kenntlich gemacht wird. Und die wird gleich zur „Femme fatale“: Sie bewegt sich vor- wie rückwärts, und das auch über mehrere Felder hinweg. Gesprungen wird wie mit den einfachen Spielsteinen auch. Am Ende gewinnt, wer alle Spielsteine des Gegners schlägt oder diesem keine Zugmöglichkeit mehr lässt.
Aller guten Dinge sind drei
Kaum ein Spiel nimmt diese Redewendung so wörtlich wie das Mühle-Spiel. Zum Ersten bilden drei auf einer Gerade nebeneinanderliegende Spielsteine die namensgebende Mühle, zum Zweiten besteht es aus drei Phasen (Setz-, Zug- und Endphase), und zum Dritten ist das Spiel mit seinen knapp 3300 Jahren ein ganz alter Hase im Spielgeschäft. Davon ist aber auch nur auszugehen, falls die auf den altägyptischen Tempelanlagen von Theben eingeritzten Spielpläne tatsächlich aus der Bauzeit stammen und nicht erst später hinzugefügt wurden. Doch auch in der Folgezeit lief das Spiel wie geritzt. So finden sich Spielpläne auf der Akropolis und mutmaßlich selbst am Stuhl des Kaisers im Aachener Münster.
Im Spiel selbst geht es darum, zunächst seine neun Spielsteine auf den Kreuzungs- und Eckpunkten zu platzieren, die durch drei Quadrate sowie Verbindungslinien auf dem Spielbrett gebildet werden. Nach abgeschlossener Einsetzphase versucht man nun abwechselnd, diese so in Position zu bringen, dass dem Kontrahenten jedwede Zugmöglichkeit verbaut wird. Oder man versucht, durch das Schließen von Mühlen gegnerische Spielsteine aus dem Spiel zu befördern. Diese dürfen aber nicht Teil einer geschlossenen Mühle sein. Bleiben einem Spieler nur noch drei Steine, darf er springen. Bei Verlust eines weiteren Steins muss er sich geschlagen geben.
In der sprichwörtlichen Zwickmühle befindet man sich übrigens, wenn der gegnerische Spieler mit jedem Zug eine seiner Mühlen schließen kann. Was man auch tut, man steckt in einer ausweglosen Situation – oder anders gesagt: in einem Dilemma. Dieser aus dem Griechischen stammende Begriff bezeichnet nämlich einen Zustand mit zwei Wahlmöglichkeiten, von denen keine eine befriedigende Lösung bringt.
Aber anders als im wirklichen Leben kann man bei einer verlorenen Partie Mühle um eine Revanche bitten. ath






