Artikel Freizeit im Detail

 
Sie sind hier: Freizeit / Artikel
Mittwoch, 23. Mai 2012
...

Das schöne Wortspiel

Scrabble

Wild tastend suchen – das ist die ursprüngliche Bedeutung des englischen Verbs „to scrabble“. Bei der Namensfindung hat sich also jemand etwas gedacht.
Und wie bedacht man seine Worte wählen muss, sollte ich eigentlich wissen. Das jedenfalls nahm ich bisher immer an, aber ich hatte ja keine Ahnung. Nicht, bis ich einen Blick auf das Regelwerk zu diesem Spiel geworfen hatte.

Entwickelt wurde „Scrabble“ vom US-Amerikaner Alfred Butts im Jahr 1931. Er versuchte es unter dem Namen Lexiko, später dann als Criss-Cross Words an den Mann zu bringen. Zunächst jedoch ohne Fortune! Bis schließlich 17 Jahre später der Unternehmer James Brunot die Idee kaufte. Er taufte es in Scrabble um und nahm geringfügige Veränderungen am Design vor. 1952 erwarb das Unternehmen Selchow & Righter die Lizenz, und machte das Spiel einem breiten Markt zugänglich.

Ab 1955 spielte sich die „Wortschöpfung“ auch hierzulande in des Volkes Herz. Weltweit hat sich das Spiel seither über 100 Millionen Mal verkauft. Es gehört zu den populärsten Vertretern seiner Zunft – in jedem dritten amerikanischen Haushalt ist es anzutreffen. Abgesehen von Monopoly gibt es kaum ein anderes Brettspiel, das so viele Varianten hervorgebracht hat. Heute tummeln sich ca. 20 verschiedene Scrabble-Versionen auf dem Markt. Weiterhin stand es vielen Nachfolgewerken Pate. Topwords oder Boggle, hierzulande eher bekannt als Letramix, gehen auf dasselbe Spielprinzip zurück.
Das Spielfeld ähnelt dem eines Schachbretts. Auf 15 x 15 Feldern dürfen sich die Sprachprofis austoben. Weiterhin im Basisspiel enthalten sind ein Stoffbeutel, 100 Buchstaben- und zwei Blankosteine sowie Ablagebänke für die Buchstabenreihen. Die Spieler nehmen sich 7 Steine und legen sie verdeckt auf ihre Bänke. Wer an der Reihe ist, legt entweder ein neues Wort, ergänzt ein bereits gespieltes, tauscht beliebig viele seiner Steine aus und pausiert oder passt. Nach seiner Spielrunde füllt der Spieler seine Reihen immer auf 7 Steine auf. Ist der letzte Stein aus dem Beutel gezogen und hat ein Spieler alle Buchstaben von seinem Ablagebänkchen ausgespielt, so endet das Spiel.

Besondere Prämien winken auf insgesamt 60 Bonusfeldern. Hellblaue Felder verdoppeln den Buchstabenwert, blaue verdreifachen ihn. Ebenso verhält es sich mit rosa bzw. roten Flächen. Wird hier ein Buchstabe gelegt, hat das allerdings Auswirkungen auf den gesamten Wortwert. Die Lettern bringen, ihrer Häufigkeit nach, unterschiedlich viele Punkte. Das 15-fach vertretene „E“ beispielsweise schlägt mit nur 1 Punkt zu Buche, während das 1-malige „X“ 8 und das „Y“ stolze 10 Punkte einbringen.
Wer jetzt denkt, es wäre ein kluger Schachzug, vor der nächsten Partie Scrabble nach besonders exotischen Wortschöpfungen Ausschau zu halten, der irrt. Yxin ist und bleibt ein Augentropfenpräparat und somit dem Scrabble-Brett fern, denn Produktnamen sind, ebenso wie Eigen- oder geschützte Markennamen, unzulässig. Also: Wer Tucholskys Wort von der Sprache als Waffe auch auf dieses Spiel beziehen will, sollte seinen ganzen Wortschatz ausschöpfen. Wobei es natürlich ein Regel-Kompendium zu beachten gilt. Grundsätzlich gilt: Ein Wort ist dann zulässig, wenn es im zugrunde liegenden Wörterbuch fett gedruckt verzeichnet ist, auch alle seine Beugungsformen.

Natürlich gibt es Ausnahmen und innerhalb dieser auch wieder Ausnahmen. Nicht erlaubt sind Abkürzungen jeglicher Art und geografische Namen, Völker und Volksgruppen dagegen schon. Bei Müller und Horst kann der Spieler auf den Beruf bzw. das Raubvogelnest als eigentliche Bedeutung verweisen.

Begriffe aus der Mythologie haben nur dann Gültigkeit, wenn sie keine einzigartige Person oder Sache beschreiben. Odin bringt seinem Schöpfer keine Punkte ein, die Herkulesarbeit hingegen wird belohnt. Wichtig ist auch, sich im Vorfeld über die Rechtschreibung (alte, neue, beide) zu einigen. All dies jedoch ist nur ein kurzer Anriss des Regelwerks.
Spielt man wirklich mit allen Regeln, könnte man ebenso gut das „Lern-das-Lexikon-auswendig-Spiel“ spielen. Für ein Turnier durchaus sinnvoll, sollten die Regeln für den Heimbedarf doch etwas aufgelockert werden. Wie wäre es zum Beispiel mit alternativen Spielsteinen à la Russisch Brot?

Oder Sie fragen Phil Appleby aus Lymington, Hants in Großbritannien, ob er nicht ein gutes Wort für Sie einlegt. Er erreichte am 25. Juni 1989 die höchste, je erreichte Punktzahl bei einem Scrabble-Wettbewerb. Satte 1049 Punkte standen am Ende auf seinem Konto. Da blieb sein Kontrahent an diesem Tag mit gerade mal 253 Punkten wohl einfach sprachlos.

ath

Fotos: mein coop magazin, Mattel