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Mittwoch, 23. Mai 2012
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Das Recht zu lieben

Kinotipp: »Milk«

Sean Penn spielt Harvey Milk, einen charismatischen Kämpfer für Bürgerrechte in den 70er Jahren.

Früher war die Welt schwarz-weiß. Eine kleine Gruppe von Menschen stellte die Regeln auf und legte fest, wer durch ihre Raster fiel und wer nicht. Die meisten fielen durch! Frauen, Schwule, ja sogar Linkshänder – sie alle passten nicht in das gewünschte Erscheinungsbild. In den siebziger Jahren kam dann nicht nur das Farbfernsehen, auch die Tapeten, Hemden und nicht zuletzt die Gesellschaft wurden zunehmend bunter.

Aber wer hätte vor wenigen Jahrzehnten geahnt, dass wir heute einen farbigen US-Präsidenten, eine Bundeskanzlerin und mehrere bekennende schwule Politiker haben? Vieles, was uns heute selbstverständlich erscheint, musste erst mühsam erkämpft werden. Von einem dieser Kämpfer erzählt der Film »Milk«, der ab dem 19. Februar in den deutschen Kinos zu sehen ist. Es geht um die wahre Geschichte des Politikers Harvey Milk, der 1977 als erster bekennender schwuler Abgeordneter in den Stadtrat von San Francisco einzog und ein Jahr später erschossen wurde.

Respekt, bitte!
Harvey Milk war ein mutiger Kämpfer für Bürgerrechte und Gerechtigkeit und zeichnete sich vor allem durch sein herzliches und überschäumendes Temperament aus. Der Film von Regisseur Gus van Sant (Good Will Hunting) schildert die letzten acht Jahre seines Lebens. Entstanden ist ein mitreißendes Zeitpanorama, das die private Geschichte des charismatischen Politikers mit der stürmischen gesellschaftlichen Veränderung der damaligen Zeit verwebt.
Seine große Liebe Scott Smith (James Franco) lernt Harvey Milk (Sean Penn) am Vorabend seines 40. Geburtstags kennen. Den deutlich jüngeren Scott nimmt er mit seinem Charme rasch für sich ein. Kurz darauf ziehen beide gemeinsam nach San Francisco in die Castro Street, wo sie den Fotoladen »Castro Camera« eröffnen. Das Geschäft entwickelt sich zum lebendigen Stadtteil-Treffpunkt, und trotz anfänglicher Anfeindungen der Umgebung ist Harvey durch seine Persönlichkeit und seinen Humor bald im ganzen Viertel beliebt.

Harvey nutzt sein Ansehen und seinen Einfluss, um sich politisch zu engagieren und sich gegen die allgegenwärtige Benachteiligung schwuler Männer zu wehren. Er schafft es, wichtige Verbündete zu gewinnen und bekommt Unterstützung. Die erste Stadtrat-Kandidatur im Jahr 1973 scheitert knapp, wohl auch wegen des unkonventionellen Aussehens des langhaarigen Hippies.

Um seinen Widersachern zumindest diesen Wind aus den Segeln zu nehmen, ändert Harvey Milk sein Erscheinungsbild und tritt fortan mit kürzeren Haaren und im Anzug auf. Gemeinsam mit einer ganzen Truppe von Freunden und ihn unterstützenden Helfern rund um den Fotoladen wird trotz eines geringen Budgets ein ernsthafter und professioneller Wahlkampf gemacht.

Um der Liebe willen
Immer wieder nimmt Harvey in dieser Zeit Einfluss auf die gesellschaftlich relevanten Themen und organisiert Proteste und Widerstand gegen Unterdrückung. Die Beziehung zu Scott leidet jedoch unter den zeitraubenden politischen Ambitionen und scheitert schließlich. Auch seine nächste Beziehung verläuft nicht glücklicher.

Milk wird indes tatsächlich zum Stadtrat gewählt, und er treibt seine Anliegen mit Kraft voran, schafft sich jedoch auch Feinde. Einer von ihnen ist Stadtrat Dan White, der sich zunehmend von Harvey Milk in die Enge gedrängt fühlt und schließlich zum tödlichen Gegenschlag ausholt.

Autor Dustin Lance Black recherchierte und schrieb vier Jahre lang am Drehbuch. Er lernte in dieser Zeit viele Weggefährten von Harvey Milk kennen, die ihn unterstützten und zum Teil sogar am Film mitwirkten. Durch sie lernte er auch viel über den Menschen Harvey Milk, über seine Beziehungen und persönlichen Stationen im Leben. Er erkannte, dass die politischen und privaten Themen eng miteinander verbunden waren. Denn in erster Linie kämpfte er für sein eigenes Recht, er selbst zu sein und für seine persönliche Liebe zu einem anderen Mann.

jp

Fotos: Constantin-Film (4)