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Bewegte Bilder. Bewegende Bilder.
Jana Marsik - eine deutsche Kamerafrau
Kein Popcorn-Kino, kein kuscheliger Fernsehabend, keine Liveübertragung der Fußball-WM ohne sie: Kameramänner und Kamerafrauen, die mit technischem Knowhow und kreativem Geschick Bilder sprechen lassen. Geschichten erzählen. Das ist es, was Profis wie Jana Marsik möchten. Und ihr Sprachrohr ist das Bild.
In der deutschen Filmszene ist sie längst keine Unbekannte mehr. Der Weg bis hierher, bis zum Deutschen Kamerapreis 2002 und zum Bayrischen Filmpreis 2010, war nicht unbedingt das, was man »geradlinig« nennen würde. Denn wenn etwas »typisch« ist für den Werdegang einer Kamerafrau, dann sind es die Umwege und vielleicht auch die eine oder andere glückliche Fügung bis zur beruflichen Etablierung.
Jana Marsik ist in Kiel geboren (1974) und aufgewachsen. Dem Abitur 1994 folgten nahezu nahtlos erste Fotoprojekte, dann Fotografie- und Sprachkurse an der Prager Karlsuniversität sowie Kamera-Praktika und erste Videoprojekte in Boston, USA.
Wieder zurück über den großen Teich, sollte nun Berlin ein neues Zuhause werden. Ein Kamerastudium an der Hochschule für Film und Fernsehen »Konrad Wolf« in Potsdam-Babelsberg mit Diplom im Jahre 2003 ebnete den Weg ins Berufsleben. Aber wo-rauf es wirklich ankommt, das betont Jana Marsik, sind praktische Erfahrungen, mindestens zwei wirklich gute Filmprojekte vorweisen zu können und die richtigen Kontakte zu finden. In diesem konkreten Fall war es kein Geringerer als Detlev Buck, der ihr die eine und alles entscheidende Chance gab.
Kamera läuft. Und ... bitte!
Der Beruf Kameramann/-frau hat sich im Laufe der Filmgeschichte stark verändert; zum einen hinsichtlich der sich rasant entwickelnden Technik, zum anderen hinsichtlich des Aufgabenfeldes und des schöpferischen Anteils an einem Film. An die Stelle des einstigen Laufbildfotografens ist ein ganzes Kamerateam getreten, in welchem jeder seiner Spezialisierung nachkommt. Die klassische Hollywood-Hierarchie sieht folgendermaßen aus: Kopf des Teams ist der Bildregisseur. Ihm zur Seite stehen der Kameraoperateur/Schwenker, der erste Kameraassistent (verantwortlich für Bildschärfe), der zweite Kamera- beziehungsweise Materialassistent, der Kamerabühnenmann (bedient Kamerawagen und -kran), Oberbeleuchter und Beleuchter, ein oder mehrere Standfotografen für Werbebilder und diverse Hilfskräfte.
Der Begriff »Bildgestaltung« wird der erbrachten Leistung weitaus mehr gerecht als die gebräuchliche Bezeichnung »Kamera«. Die Arbeit ist technisch und künstlerisch. Die Gewichtung beider Aspekte variiert entsprechend der Art des filmischen Produkts – von der 20-Sekunden-Nachricht über die Dokumentation bis hin zum Epos auf großer Leinwand.
Klappe, die Zwölfte!
Im Spielfilmgenre, dem sich auch Jana Marsik verschrieben hat, ist der »Kameramann« (nennen wir es der Einfachheit halber so) in alle Entstehungsphasen involviert. In der Vorproduktionsphase hat er die notwendige Ausrüstung abzuschätzen und gegebenenfalls das Team zusammenzustellen. Schon im Vorfeld entstehen in Zusammenarbeit mit dem Regisseur die ersten Ideen zur Visualisierung des Drehbuchs.
Im Verantwortungsbereich des Kameramanns liegen die Bildkomposition (Perspektive, Bildausschnitt), Kameraführung und Ausleuchtung des Sets (und nach Drehschluss muss er oft schon das nächste Set vorbereiten). Im Extremfall kann dies die hundertprozentige visuelle Umsetzung des Stoffs bedeuten oder eben »nur« die Umsetzung der Ideen anderer. Jeder gute Kameramann hat seinen eigenen Stil und ist gleichermaßen in der Lage, verschiedene Stilformen umzusetzen.
Die schöpferische und eigenverantwortliche Gestaltung macht ihn zum visuellen Autor und somit zum Miturheber des Gesamtwerks. Einen typischen Arbeitsalltag gibt es nicht.
Jedes Projekt, jeder Tag bedeutet eine neue Herausforderung, die dem Profi einiges abverlangt. Wer diesen Weg wählt, muss eine ganze Reihe an Eigenschaften mitbringen: physische und psychische Belastbarkeit, gutes Sehvermögen und technisches Verständnis, Stilgefühl, Kreativität und Vorstellungskraft, ein Gespür für Licht, Schatten und Farbe.
Zusätzlich braucht man auch noch Durchsetzungsvermögen, Organisationstalent und Führungsqualität. Jana Marsik weiß, wie steinig dieser Weg ist – und bereut keinen Schritt. tide
Bewährte Phasen für den beruflichen Werdegang:
Lehre als Fotograf/Lichtbildner
Praktikum in einem Filmkopierwerk oder Film‑Geräteverleih
Tätigkeit in verschiedenen Kamerateams – von der Hilfstätigkeit über Material- und Kameraassistenz
bis hin zum Schwenker
4-jährige Ausbildung an einer Film- und Fernsehakademie, eine Weiterbildung mit IHK-Abschluss oder ein Studium an einer Filmhochschule
Auszug aus Jana Marsiks Filmografie:
1998 Pan Vesely und Pan Jerhod (Kurz-Dokumentarfilm)
1999 Diagnose (Kurzfilm)
2000 Heißer Strand (Doku-Soap, 5 Teile)
2002 Long Shot (Spielfilm; Deutscher Kamerapreis)
2002 Schlorkbabies an der Raststätte (Kurzfilm; Deutscher Kamerapreis)
2003 Rosamond (Kurzfilm; Regie Jana Marsik)
2003 Ivan kann fliegen – Filmfestival Cottbus (Spot; Regie: Jana Marsik)
2009 Roku Roka – Hand in Hand (Dokumentarfilm; Regie: Jana Marsik)
Deutschlands erste »Stadtfilmerin« (Dokumentar- und Kurzfilme unter dem Motto »Wissenschaft in Potsdam«)
Kinofilme
2007 Hände weg von Mississippi (Deutscher Filmpreis »Bester Kinderfilm«;
Regie: Detlev Buck; mit Katharina Thalbach, Christoph Maria Herbst)
2007 Der Letzte macht das Licht aus (Regie: Clemens Schönborn; mit Jürgen Tarrach)
2008 Robert Zimmermann wundert sich über die Liebe (Regie: Leander Haußmann, mit Tom Schilling)
2009 Lippels Traum (Regie: Lars Büchel; mit Anke Engelke, Moritz Bleibtreu, Uwe Ochsenknecht)
2010 Same same but different (seit 21. 1. im Kino; Bayrischer Filmpreis »Kamera«; Regie: Detlev Buck; mit David Kross, Mario Adorf, Olli Dittrich)





