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Baukasten für feine Damen
Musical: „My fair Lady“
Lauf schneller, oder ich streu dir Pfeffer in den Arsch!“, Blumenmädchen Eliza mag es deftig und direkt und nimmt ganz bestimmt kein Blatt vor den Mund. Damit hat sie zwar das Herz am rechten Fleck, doch die gesellschaftliche Achtung bleibt ihr verwehrt. Denn die feinen Damen beim Pferderennen drücken sich niemals so derbe aus.
Der angesehene Sprachwissenschaftler Professor Higgins lernt das Mädchen auf dem Blumenmarkt kennen und verkündet, dass sie mit dieser Sprache nie einen Schritt nach vorne machen werde. Falls sie jedoch die „richtige“ Sprache erlerne, könne selbst ein einfaches Blumenmädchen wie sie den eigenen Stand erhöhen und sogar einen respektablen eigenen Blumenladen führen.
Von London nach Berlin
Eliza ist Feuer und Flamme und möchte am liebsten sofort mit dem Sprachunterricht beginnen, um ihre Situation zu verbessern. Denn ihr Leben ist hart und mühsam, und ihre Wünsche sind bescheiden. Professor Higgins jedoch hat keineswegs die Absicht, seinen Worten auch Taten folgen zu lassen. Erst als sein Freund Oberst Pickering ihm eine Wette vorschlägt, willigt er ein. Innerhalb eines halben Jahres soll aus Eliza eine echte Dame werden.
Das Musical „My fair Lady“ wurde am 15. März 1956 mit Julie Christie und Rex Harrison in den Hauptrollen im „Mark Hellinger Theatre“ in New York erstmals aufgeführt und begeistert gefeiert. Innerhalb von sechseinhalb Jahren gab es insgesamt 2781 Vorstellungen. Ähnlich erfolgreich war auch die Inszenierung im Londoner Westend, die gute zwei Jahre später Premiere feierte.
Bei so viel Enthusiasmus weltweit wollte auch das deutsche Publikum nicht länger warten. Am 25. Oktober 1961 erlebte es im Berliner „Theater des Westens“ die deutschsprachige Erstaufführung mit den klingenden Namen Karin Hübner, Paul Hubschmid, Alfred Schieske, Friedrich Schoenfelder und Rex Gildo. Die besondere Herausforderung bestand darin, den Sprachwitz des Originals ins Deutsche zu übertragen. Hierfür wurde der britische Cockney-Akzent in ein freches Berlinerisch übersetzt.
Reines Experiment oder Liebe?
Mit einem solchen Erfolg hatte niemand gerechnet, am wenigstens der Autor George Bernard Shaw. Von ihm stammte die im Jahr 1913 erschienene Komödie „Pygmalion“, die als Grundlage für das Musical diente. Er selbst orientierte sich an dem gleichnamigen antiken Stück des Dichters Ovid, worin sich der Künstler Pygmalion in eine von ihm erschaffene Elfenbeinstatue verliebt, die wie eine lebendige Frau aussieht und später durch das Eingreifen von Göttin Aphrodite tatsächlich lebendig wird.
Shaws Stück über den selbstherrlichen Sprachwissenschaftler Henry Higgins und die arme Blumenverkäuferin Eliza Doolittle löste seinerzeit einen Skandal aus. Denn für damalige Verhältnisse waren die zahlreichen Schimpfwörter dann doch etwas zu deftig – auch wenn wir aus heutiger Sicht über diese Empörung eher lächeln können.
Das Stück wurde 1938 als „Pygmalion – Der Roman eines Blumenmädchens“ verfilmt. George Bernard Shaw arbeitete selbst am Drehbuch mit und wurde dafür mit dem Oscar ausgezeichnet. Gegen eine Vertonung des Stücks wehrte er sich jedoch vehement. Erst nach seinem Tod und nach langen und zähen Verhandlungen stimmten seine Erben zu. Im Unterschied zur Urfassung Shaws entwickelt sich im Musical zwischen Higgins und Eliza eine Liebesbeziehung. Ursprünglich hatte der Professor das Mädchen tatsächlich nur als Versuchsobjekt gesehen und am Ende des Experiments aus dem Haus gejagt. Die Musicalzuschauer können sich stattdessen über eine wesentlich versöhnlichere Fassung freuen.
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„My fair Lady“ spielt bis zum 14. September 2008 im Admiralspalast Theater, Friedrichstraße 101, in Berlin. Weitere Infos erhalten Sie unter www.admiralspalast.de
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jp





