Artikel dieser Ausgabe aus Freizeit
Meine Gesundheitsapotheke
Barbaren oder Postboten
Kinotipp: „Willkommen bei den Schtis“ – Frankreichs erfolgreichster Film aller Zeiten ab 30. Oktober im Kino.
Frankreich ist wunderschön! Paris, die Riviera, die Provence, die Atlantikküste
Viele Deutsche sind dem besonderen Charme ihres Nachbarlandes schon lange erlegen. Eine Region ganz oben im Norden allerdings – Nord-Pas de Calais an der Grenze zu Belgien und zum Ärmelkanal – ist kaum jemandem ein Begriff. Und wenn doch, so denken selbst die Franzosen bei diesem Teil ihres Landes eher an Armut und Arbeitslosigkeit als an blühende Landschaften.
Das zeigt sich auch im Kino: Viele beliebte Filme spielen im sonnigen Süden des Landes, während Filme über den Norden meist ernst und eher düster sind. Autor, Regisseur und Schauspieler Dany Boon stammt selbst aus der Region Nord-Pas de Calais und hat sich vorgenommen, mit solchen Vorurteilen aufzuräumen. Das ist ihm gründlich gelungen, denn sein Film Willkommen bei den Schtis hat sich binnen kürzester Zeit zum erfolgreichsten französischen Film aller Zeiten gemausert und ist gerade dabei, James Camerons Titanic vom Thron des meistgesehenen Films in Frankreich zu stürzen.
Vorurteile werden entzaubert
Willkommen bei den ... was?! Der französische Titel Bienvenue chez les Chtis bezieht sich auf den „Chti“-Dialekt der Region. Der wurde allerdings für den Film deutlich überhöht und verfremdet, um den Sprachwitz zu verstärken. Für die deutsche Synchronisation wurde nun eigens die Kunstsprache „Schti“ geschaffen, die den Charme des Originals ins Deutsche überträgt. Die deutsche Stimme von Dany Boon übernimmt übrigens der Comedian und „Stromberg“-Star Christoph Maria Herbst.
Worum geht es nun in diesem Sensationserfolg? Um Borniertheiten und Vorurteile, die mit feiner Ironie, wunderbarem Slapstick und überschäumendem Sprachwitz überwunden werden. Der Postbeamte Philippe (Kad Merad) und seine Frau Julie (Zoé Félix) leben gemeinsam mit ihrem Sohn in der Provence. Eigentlich ist Philippe sehr zufrieden, doch seiner depressiven Frau zuliebe plant er, sich an die sonnige Riviera versetzen zu lassen. Leider ist er bei der Wahl der Mittel und erst recht bei der Umsetzung nicht besonders geschickt und wird darum in den hohen Norden Frankreichs strafversetzt.
Für Philippe eine Katastrophe, denn die übelsten Gerüchte kursieren über diese Gegend. Kalt und dunkel soll es dort sein und das möchte er Frau und Kind nicht zumuten. Und so macht er sich allein, mit dicker Daunenjacke und jeder Menge Vorurteile auf den Weg in die Stadt Bergues. Dass er von allen in seiner Heimat bemitleidet wird, tut ihm zwar gut, hilft ihm aber auch nicht viel weiter.
Überwältigende Erfahrungen
Als er bei den „Schtis“ ankommt, verzweifelt er auch gleich an ihrem Dialekt, der ihm absolut unverständlich ist. Aber abgesehen davon lernt er dort eine Vielzahl von Menschen kennen, die ausgesprochen herzlich und liebenswert sind, und auch der Ort selbst ist viel charmanter und interessanter, als er es sich ausgemalt hatte. Sein bester Freund vor Ort wird schnell der Postbote Antoine (Dany Boon).
Während er nun das neue Leben im Norden genießt, schildert er den Menschen in seiner Heimat alles ganz anders. Ein Volk von Barbaren sei es, so klagt er. An seinen freien Wochenenden im Süden tut Julie alles, um ihn mit viel Liebe für sein trauriges Schicksal zu entschädigen. Doch eines Tages beschließt sie, ihrem Mann vor Ort beizustehen, wodurch Philippes Schwindel aufzufliegen droht. Eine Lösung muss her!
Für Autor Dany Boon war dieser Film über seine Heimat eine Herzensangelegenheit. Schon in seinen Programmen als Comedian im Fernsehen und auf der Bühne hat er immer wieder die Klischees über seine Landsleute aufs Korn genommen. Vom Erfolg des Films und den Reaktionen des Publikums war er dennoch überwältigt. Schon in den Testvorführungen wurde ihm die emotionale Wucht des Films deutlich, und inzwischen erlebt seine Heimat ein unvergleichliches Interesse.
jp






