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Aus der Bahn geworfen
Die Spielreihe „Zug um Zug“
Bisher brachte das im süddeutschen Raum geläufige Verb „zuzeln“ Schulterzucken, vielleicht sogar ein mildes Lächeln ein. Wohl auch, da man im Rest der Republik selten in die Verlegenheit kommt, eine Weißwurst aus der Pelle friemeln zu müssen. Auf letztere, nämlich die Pelle, gerückt wird den Exklusiv-Nutzern des Wortes jetzt eventuell dennoch.
Konkurrenz bahnt sich ausgerechnet aus Spielerkreisen an – in Gestalt der beständig wachsenden Fangemeinschaft von Zug um Zug (kurz ZuZ), deren zügige Entwicklung dem Namen des Spiels alle Ehre macht. Und welches Wort umschriebe das Ausrichten einer solchen Brettspielpartie besser als jenes possierliche „zuzeln“?
Dabei ist ZuZ alles andere als ein alter Hase im Geschäft. 2004 erschien die erste Version, die prompt zum „Spiel des Jahres“ gekürt wurde. Im vergangenen Jahr erschien Zug um Zug Europa, dieses Jahr folgte die dritte Ausgabe: Zug um Zug märklin.
Den Einstieg leicht gemacht
Allen Versionen gemein ist das zugrunde liegende Spielprinzip. Die Spieler versuchen Eisenbahnstrecken für sich in Besitz zu nehmen und Aufträge (verschiedene Städteverbindungen) zu erfüllen, was ihnen Siegpunkte beschert. Zu diesem Zweck sammeln die Teilnehmer im Lauf des Spiels Wagonkarten in acht unterschiedlichen Farben sowie Lokomotiven (Joker), um die Felder in entsprechender Farbe auf dem Spielbrett nutzen zu können.
Entschließt sich ein Spieler dazu, eine Etappe zu beanspruchen, spielt er die dafür nötige Anzahl Wagonkarten aus. Um die Strecke für den weiteren Verlauf als die eigene kenntlich zu machen, befördert er Plastikwagons in der von ihm zu Spielbeginn gewählten Farbe auf das Brett.
Sie sind am Zug
Während des eigenen Spielzuges muss der Spieler sein Vorgehen genau abwägen. Sammelt er beispielsweise Karten oder schnappt er sich doch eine Strecke, bevor ihm jemand anderes zuvorkommt? Nimmt er eine der fünf offen liegenden Wagonkarten oder zieht er verdeckt, in der Hoffnung, die blind gezogenen Karten passen besser ins eigene Blatt? Zieht er Auftragskarten erst spät nach, im Vertrauen auf sein gut ausgebautes Streckennetz, oder wählt er diese Option gleich zu Beginn, um sich alle Möglichkeiten offen zu halten? Keine leichten Entscheidungen, bedeuten nicht erfüllte Aufträge doch Punktabzug. Damit aber nicht genug, warten die neuen Ausgaben mit weiteren „Zugmöglichkeiten“ auf.
Welche Schiene wollen Sie fahren?
Geradezu erfrischend ist, dass es sich bei den Spielen nicht um eine 1 : 1-Kopie der Vorversion mit lediglich anderem Motto handelt, sondern dass jede der Ausgaben eigene Elemente und taktische Finessen einführt, die unterschiedlichste Spielertypen bedienen. Augenscheinlichster Unterschied sind die Spielbretter. Bewegt man sich in ZuZ noch auf US-amerikanischem Territorium, zeigt sich ZuZ Europa – natürlich – von seiner europäischen Seite. ZuZ märklin wiederum wird auf einer Deutschlandkarte gespielt.
In Zuz Europa gibt es weniger Langstrecken als im Original. Generell wirkt das Streckennetz dichter, kompakter. Dafür können die Spieler jetzt Bahnhöfe bauen, durch die sie Strecken ihrer Gegenspieler mitnutzen können. Die neu hinzugekommenen Tunnelabschnitte sind zugleich Glückselement wie einkalkulierbares Risiko, je nachdem, ob ein Spieler das Verhalten eines Zockers an den Tag legt oder ob er lieber auf Nummer sicher geht.
ZuZ märklin sieht als weitere Option das Ins-Spiel-Bringen und Befördern von Passagieren vor. Je weiter der Passagier durch das Land reist, desto mehr Punkte winken. Allerdings zählt auch hier: Wer zuerst kommt, mahlt zuerst! Eine weitere Änderung liegt in der Vergabe der 10 Bonuspunkte am Ende des Spiels vor. Die heimst nun der ein, der die meisten Aufträge erfüllt hat, und nicht – wie bisher – der mit dem längsten ununterbrochenen Streckennetz. Ein besonderes Schmankerl dieser Edition: Keine zwei Wagonkarten sind gleich, als Motive halten die unterschiedlichen märklin-Modelle her.
Ausgebuffte Taktikfüchse orientieren sich besser am strategisch geprägten ZuZ märklin, während der gelegentliche Familienspieler mit dem Original bestens bedient ist. Und in der Mitte treffen sich beide auf eine Partie ZuZ Europa.
„Ticket to ride“
Was, wenn nicht ein Klassiker soll aus einem Spiel werden, das im englischen Original den Titel eines gleichnamigen Beatles-Liedes trägt? Fast schon eine dauerhaft gültige Fahrkarte hierzulande scheint Spieleautor Alan R. Moon zu besitzen. Neben weniger oder mehr bekannten Vertretern seiner Zunft ergatterte sein Elfenland bereits 1998 die begehrte Auszeichnung zum „Spiel des Jahres“. Also, springen Sie schnell auf den Zug! Denn wer zu spät kommt
kommt höchstens noch pünktlich für die Bahn, die echte!
ath







