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Mittwoch, 23. Mai 2012
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Auf Gedeih und Verderb

Kinotipp: „Buddenbrooks“

Heinrich Breloers Weihnachtsgeschenk für Filmfreunde: „Buddenbrooks“ im Kino. Für Liebhaber anspruchsvoller Kinounterhaltung dürfte zu Weihnachten der Höhepunkt des Filmjahres in die Lichtspielhäuser kommen: Heinrich Breloers aufwendige Neuverfilmung von Thomas Manns Klassiker „Buddenbrooks“. Seit mehr als einhundert Jahren zählt der Roman zu den bedeutendsten Werken der Weltliteratur.
Bereits mehrfach wurde die Geschichte verfilmt. Der Kinofilm aus dem Jahr 1959 mit Liselotte Pulver, Nadja Tiller, Hansjörg Felmy und vielen weiteren Größen der damaligen Zeit konnte die Erwartungen vieler Leser leider nicht erfüllen. Ganz anders war die umfangreiche elfteilige Fernsehverfilmung von 1979, die bis heute als ein Meilenstein des deutschen Fernsehens gilt.

Historische Dimensionen
Die aktuelle Verfilmung ist ein Großprojekt, sowohl vom Finanzierungsaufwand her als auch in Bezug auf den filmischen Anspruch. Ein solch aufwendiges Projekt hat es zuletzt vor rund 25 Jahren mit dem international gefeierten Film „Das Boot“ gegeben. Schon die ersten vorab gezeigten Ausschnitte des Films zeigen, dass hier wirklich etwas Großes entstanden ist. Allein die Kostüme der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts sind wahre Schätze. Für die Familie wurden etwa 150 davon nach historischen Vorlagen entworfen. Insgesamt tauchen im Film rund 2000 Kostüme auf, zum Teil Kostbarkeiten aus historischen Archiven.

Gedreht wurde hauptsächlich an den Originalschauplätzen in Lübeck – mit dem positiven Nebeneffekt, dass Lübecker Bürger mit Begeisterung als Statisten in den Kleidern ihrer Vorfahren mitwirkten. Nur zum Teil mussten moderne Verkehrsschilder oder Ähnliches nachträglich aus dem Filmmaterial entfernt werden, denn erstaunlich viele Straßenzüge sind ohne störende Neubauten fast komplett erhalten und spiegeln die Atmosphäre der alten Zeit. Die Innenaufnahmen des Buddenbrook-Hauses entstanden im Studio in Köln, wo ein zwanzig Meter hoher Nachbau entworfen wurde.

Familie und Geschäfte
Die Geschichte des Romans und des Filmes in wenigen Sätzen zusammenzufassen ist nicht leicht. Zu viele große und kleine Ereignisse geschehen in der rund dreißig Jahre umfassenden Handlung. Dreh- und Angelpunkt ist die Familie Buddenbrook, eine alteingesessene Lübecker Kaufmannsfamilie in der Mitte des 19. Jahrhunderts. Unter der Leitung von Konsul Jean Buddenbrook und seiner Frau Konsulin Bethsy gehört sie zu den angesehensten Familien der Stadt. Die drei Kinder Thomas, Christian und Tony stehen nun vor der Herausforderung, das Licht der Familie weiterzutragen. Doch für sie scheint die Bürde zu groß, ihr Privatleben dem Erfolg der Firma und der Familie unterzuordnen. Und so beginnt ganz langsam, aber unaufhaltbar der Untergang der Familie.

Auch wenn der Roman inzwischen mehr als einhundert Jahre alt ist und die Handlung noch deutlich früher spielt, ist die Geschichte über Aufstieg und Fall der Familie zeitlos und universell. Die Schicksale der einzelnen Familienmitglieder im steten Konflikt zwischen Pflichterfüllung und persönlichem Streben nach Glück fordern uns heraus und berühren zutiefst.

Die Rolle des Patriarchen Jean Buddenbrook wird übernommen von Armin Mueller-Stahl, der schon die Hauptrolle in Heinrich Breloers gefeiertem Mehrteiler „Die Manns – Ein Jahrhundertroman“ spielte. Dort war er Thomas Mann persönlich, und die Geschichte der Familie Mann zeigt viele Parallelen zu den Buddenbrooks. Also gab es keinen Zweifel daran, dass er auch jetzt die zentrale Rolle spielen sollte.

Auch die übrigen Rollen – große wie kleinere – wurden sorgfältig vergeben. Neben bekannten und beliebten Schauspielgrößen wie Iris Berben, Jessica Schwarz und August Diehl fiel die Entscheidung bewusst auch auf Schauspieler, die hierzulande noch unbekannt sind. Dem Regisseur war wichtig, ein Ensemble zu finden, das in den Hauptrollen den Zeitraum von 30 Jahren glaubhaft machen kann und in den Nebenrollen den vielen kleinen und aussagekräftigen Figuren des Romans die nötige Schärfe geben konnte.

jp

Fotos: Warner Bros. Pictures 2008/Bavaria Film/Stefan Falke (3)