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Mittwoch, 23. Mai 2012
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Antrittsbesuch im alten Europa

»Easy Virtue - Eine unmoralische Ehefrau« ab 24. Juni im Kino.

Es ist doch wirklich ein Kreuz mit der Liebe! Da findet man endlich den Menschen fürs Leben, in den man sich mit Haut und Haaren verliebt und bei dem alles passt. Und dann kommt die eigene Sippe, ist so gar nicht mit der Wahl einverstanden und macht dem jungen Paar das Leben schwer, bis die Liebe zu zerbrechen droht. Das ist der Stoff, aus dem tränenreiche Tragödien gestrickt werden - aber auch hinreißende Komödien. 

In Stephan Elliotts Verfilmung von Noel Cowards Stück »Easy Virtue« trifft eine junge und unkonventionelle Amerikanerin auf die britische Aristokratie zwischen den Weltkriegen und mischt diese kräftig auf. Begleitet von einem swingenden Soundtrack und gespielt von hochkarätigen Stars wie Kristin Scott-Thomas, Colin Firth und Jessica Biel nimmt uns der Regisseur mit auf eine bissige Reise voller Situationskomik in die Ära der »Roaring Twenties« und »Swinging Thirties«. 

Kein leichtes Spiel
Der britische Adelsnachwuchs John Whitaker (Ben Barnes) verliebt sich unsterblich in die glamouröse amerikanische Rennfahrerin Larita (Jessica Biel), die er rasch heiratet. Erst nach der Hochzeit steht das Kennenlernen von Johns Familie auf dem Programm. In der feinen Aristokratie herrschen jedoch ganz andere Sitten und Regeln als im fernen Amerika. So ist die Familie alles andere als begeistert vom Neuzugang und lässt Larita dies auch deutlich spüren. 

Vor allem Johns Mutter (Kristin Scott-Thomas) begegnet ihrer Schwiegertochter auf Anhieb mit Ablehnung und Entsetzen, viel zu vulgär ist Larita in ihren Augen. Da hilft es auch nichts, dass diese  sich nach Leibeskräften bemüht, sich in die Familie einzufügen, deren Regeln zu lernen und deren Erwartungen zu entsprechen.

Im Gegenteil, die Schwiegermutter legt wahre Minenfelder aus, um die unliebsame Frau wieder loszuwerden und ihren eigenen Sohn nicht zu verlieren.

Nach und nach werden Geheimnisse und unangenehme Wahrheiten über die unterschiedlichen Familienmitglieder gelüftet, und auch über Larita gibt es Schockierendes zu berichten: Sie war schon einmal verheiratet. Ein solch »leichtes Mädchen« (»Easy Virtue«) kann in der Familie nicht deduldet werden! Doch statt sich der Schande zu fügen, holt Larita zum großen Befreiungsschlag aus, ganz getreu dem Motto: Ist der Ruf erst ruiniert, lebt sich´s frei und ungeniert.

Zeiten im Wandel
Die Geschichte spielt zu einer Zeit, als der britische Landadel im dramatischen Wandel war. Nach dem Ersten Weltkrieg waren viele Familien verarmt und mussten sich vom alten Luxus verabschieden. Viele junge Männer ließen im großen Krieg ihr Leben, und die Überlebenden waren nicht selten gebrochen von den Erfahrungen auf den Schlachtfeldern. Ähnlich get es auch Johns Familie. Mr. Whittaker, Johns Vater (Colin Firth), kann sich in seinem Nachkriegsleben nicht so richtig zurechtfinden, blüht aber durch Laritas Einfluss wieder ein wenig auf. 

Johns Mutter hingegen kämpft gegen die drohende Armut und erlebt täglich, wie der einst prächtige Landsitz weiter verfällt. Schon deshalb reagiert sie sehr eifersüchtig auf die Konkurrenz in Gestalt der Schwiegertochter, die droht, ihr den Sohn und Hoffnungsträger auf ein besseres Leben zu entreißen.

Trotz des ernsthaften Hintergrundes ist keine schwermütige Tragödie entstanden, sondern eine leichtfüßige und bissige Gesellschaftskommödie. Regisseur Stephan Elliott zeigte schon 1994 mit seinem Oscar-prämierten Film »Priscilla - Königin der Wüste« sein komödiantisches Talent. Auch hier kratzten die Hauptfiguren an den Konventionen: Drei Transvestiten reisten fröhlich singend im ausgemusterten Schulbus durch die australische Provinz und sorgten für eichlich Verwirrung. jp

 

Mrs. Whittaker (Kristin Scott Thomas) hat eine besonders innige Beziehung zu ihrem Hund.
Laritas (Jessica Biel) Leidenschaft für Autos und Motorräder ist der Familie ein Dorn im Auge.
Mit viel Schwung und britischem Witz instrumentiert das Easy Virtue Orchestra zusammen mit den Hauptdarstellern Jessica Biel, Ben Barnes, oder Colin Firth Jazzstandards der 20er und 30er- Jahre sowie liebevoll in den Sound dieser Zeit zurückversetzte Hits wie »Car Wash«, »Sex Bomb« u. a.