Artikel dieser Ausgabe aus Freizeit
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Alles andere als unscheinbar
Kerzenherstellung: Seit über 3000 Jahren bringen Kerzen Licht ins Dunkel
und Wärme in die Herzen der Menschen.
Advent, Advent, ein Lichtlein brennt
“, für die Kerzen geht es in die wohl heißeste Phase ihres Jahres. Doch auch abseits des Weihnachtsrummels hat die Kerze ihren festen Platz in unserer Gesellschaft. Längst ist sie nicht mehr nur der einfache Lichtblick vergangener Tage. Teelichter halten den Tee oder aber, zum Beispiel unter Steinplatten gelegt, Speisen warm. Von Apfel bis Zimt reicht das breit gestreute Spektrum der Aromakerzen. Sogar die Hauptrolle in einem Brettspiel hat sie übernommen (im „Waldschattenspiel“, Walter Kraul Spielzeug).
Natürlich hat sie ihren festen Platz in der Religion. Dann etwa, wenn als Symbol der Wiederauferstehung Christi die Osterkerze entzündet wird. Und selbst von Aberglauben ist sie nicht frei. In Kneipen und auch andernorts wird ermahnt, wer sich seine Zigarette an einer Kerze anzündet, denn das, so die Befürchtung, führe zum Tod eines Seemannes. Kurzum: Die Kerze ist aus dem Alltag nicht mehr wegzudenken. Heute gibt es sie in allen erdenklichen Formen und Farben. Doch bis dahin war es ein weiter Weg.
Ein lichter Moment
Einen genauen Zeitpunkt für die Erfindung der Kerze auszumachen fällt schwer. Einer ihrer archaischen Vorgänger reicht mindestens 3000 Jahre zurück und wurde im Vorderen Orient genutzt. Viel mehr als ein Geflecht, zumeist aus Stroh, Hanf oder Schilfrohr gefertigt, war dies aber nicht. In Harz oder Fett getränkt verströmte diese Fackel neben dem gewünschten Licht auch ihren ganz eigenen, unverwechselbaren Geruch, um es mal diplomatisch auszudrücken.
Im Mittelalter war es vor allem der Bedarf der christlichen Kirche, der Wachs zu einem der begehrtesten Handelsgüter machte. Zeitweise war es ein so wertvoller Rohstoff, dass es sogar als Zahlungsmittel durchging. Allerdings waren nur die Kirche und Aristokraten in der Lage, sich diesen Luxus zu leisten. Das einfache Volk musste auch weiterhin auf stark rußende Kienspäne oder Unschlittkerzen aus minderwertigem Talg zurückgreifen – vielleicht noch ein Grund mehr, vom „dunklen Mittelalter“ zu sprechen.
Zu Beginn des 19. Jahrhunderts eröffneten neue Herstellungsverfahren der Kerze unerschlossene Märkte. 1818 wurden die ersten Stearinkerzen erzeugt und im Zuge der Industrialisierung tauchte kurze Zeit später während des Prozesses der Erdölgewinnung ein weiteres für die Kerzenproduktion geeignetes Material auf: Paraffin!
Die Kerze machen
Die Manufaktur von Kerzen erfolgt auf unterschiedliche Weisen. Gießen, Pressen, Wickeln und Ziehen sind die gängigsten Formen. Mit recht geringem Aufwand lassen sich Kerzen gießen. Dazu schmilzt man Wachs in einem Wasserbad (bei etwa 80 Grad Celsius). In eine Kerzengießform wird der Docht gesteckt und fixiert. Anschließend wird die Form mit dem flüssigen Wachs befüllt. Nun heißt es warten, bis das Wachs erkaltet ist. Um den Docht herum hat sich vermutlich eine kreisrunde Vertiefung gebildet. Um diese aufzufüllen, sticht man nach circa einer Stunde an geeigneter Stelle mit einem kleinen, spitzen Gegenstand durch die Haut des Wachses und bessert mit flüssigem Wachs nach.
Etwas anspruchsvoller ist das Ziehen der Kerzen. Hierzu wird ein Docht präpariert, indem man ihn in flüssiges Wachs taucht, auf Fettpapier geradezieht und erstarren lässt. Danach taucht man genau jenen Docht in das gänzlich geschmolzene Wachs, zieht ihn zügig wieder heraus und taucht das dann bereits als Kerze zu erkennende Objekt in ein mit kaltem Wasser gefülltes Gefäß. Ist das Gebilde erstarrt, wird es zum Abtropfen aufgehängt. Dieser Prozess wird so oft wiederholt, bis der gewünschte Umfang erzielt wurde.
Natürlich kann man das Wachs auch durch die Beigabe von Farbstoffen und Düften aufpeppen.
Probieren Sie es einfach aus! Es lohnt sich. Sie werden sehen, selbst gemachte Kerzen erstrahlen in einem ganz anderen Licht.
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