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Mittwoch, 23. Mai 2012
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18 Hürden musst Du nehmen ...

Minigolf - mehr als nur eine Feierabend-Disziplin.

Es gibt Sportarten, die so gemütlich daherkommen, dass so mancher ihnen genau dieses Attribut von vornherein aberkennt. Zugegeben: Körperlich verausgabt hat sich beim Minigolf bislang vermutlich noch niemand, und als »Tiger Woods der kurzen Bahnen« wurde bis dato wohl auch keiner gekürt. Aber das stört die Anhänger und ambitionierten Vertreter dieser Disziplin eher wenig – zumal sie dem Vergleich mit dem Golfspiel auf dem Rasen in der Regel eine Abfuhr erteilen.

20 Millionen Freizeit-Minigolfer zählt der Deutsche Minigolf Verband (DMV) hier zu Lande – zuzüglich all jene, die dieser Betätigung regelmäßig nachgehen und sich in den Verbänden der einzelnen Bundesländer organisieren. Und die werden nicht müde zu betonen, dass es sich bei diesem Geschicklichkeits-Parcours um eine höchst eigenständige Wettkampf-Variante handelt, die auch professionellen Golfern ein Umdenken und Umfühlen abverlangt.

Die Ursprünge des Spiels
Eine Verwandtschaft zwischen der wenigstens 50 Hektar beanspruchenden Disziplin und den 18 klein dimensionierten Spielbahnen ist allerdings nicht zu leugnen. Vom »großen Bruder« berichten bereits Quellen aus dem 15. Jahrhundert, danach ist Schottland das Mutterland des Golfsports. Zunächst war das sportliche Vergnügen nur Adeligen vorbehalten, bürgerlich wurde es erst rund 200 Jahre später, und zu dem Zeitpunkt war auch schon von so genannten »practise putting greens« die Rede: überschaubare Trainingsplätze, auf denen die Spieler das Einlochen der Bälle üben konnten.

Den nächsten Schritt Richtung Minigolf markierte die Einführung vom »clock-Golf«, bei dem im Uhrzeigersinn Spielbahnen um ein Grün herum angelegt wurden. Es war vermutlich dem sportlichen Ehrgeiz zu verdanken, dass im Zuge dieser Entwicklung immer häufiger Hindernisse aufgebaut wurden, um den Schwierigkeitsgrad zu erhöhen. Allerdings spielte man auch in diesem Stadium immer noch auf natürlichem Grund. Künstlich angelegte Bahnen brachte dann das Kleingolf Anfang der 20er-Jahre mit, genormte Figuren kannte aber auch diese Variante nicht.

Die ersann erst der Schweizer Gartenarchitekt Paul Bongni, als er 1954 eine 18 Pisten umfassende Anlage un­weit des Lago Maggiore errichten ließ. Er konzipierte die – mit Ausnahme der Weitschlag-Bahn – zwölf Meter langen und 1,25 Meter breiten Bahnen so, dass sich theoretisch alle Figuren mit einem einzigen Schlag, also einem Ass, bewältigen lassen. Sein Konzept ging auf, denn längst finden sich Minigolfbahnen landauf, landab. Und weil er einen einheitlichen Hindernisparcours entwickelt hatte, schuf er auch die Voraussetzungen für internationale Wettkämpfe.

Weniger geht nicht

18 Asse – das klingt zunächst mal sehr nach Theorie und so gar nicht praktikabel. Und doch ist es möglich, wie unzählige Meisterschaften seit Einführung internationaler Wettkämpfe Ende der fünfziger Jahre beweisen. Deutsche Spieler belegen hierbei sehr oft die vorderen Plätze – wie etwa der Kieler Marco Balzer, Vizeweltmeister von 2007 und Träger des Silbernen Lorbeerblatts, der bei einem Vier-Runden-Spiel die bestmögliche Marke von 72 Punkten erreicht hat.

Um in solchen Sphären spielen zu können, bedarf es jedoch mehr als nur der Kenntnis des Regelwerks und der Handhabung des Schlägers. Ballgefühl ist gefragt – und das verlangt nach gleich mehreren Fähigkeiten. Zunächst einmal muss der Spieler den Ball in gerader Linie führen können, wie an der Schnur gezogen gewissermaßen. Hand in Hand mit der Linienführung geht das Tempo des Balls – ein Abdriften auf halber Wegstrecke bedeutet das Aus für den Schlag.

Wichtig ist auch ein genaues Studium der einzelnen Bahnen, denn aller Normierung zum Trotz gleicht keine Anlage der anderen. Schließlich und endlich kommt es noch auf die Wahl des Balles an, denn im Gegensatz zum klassischen Golf gibt es beim Minigolf zwar nur einen Schläger, dafür allerdings verschiedene Bälle. Manche Profis haben zuweilen sogar mehrere Dutzend im Gepäck, wobei nicht zuletzt die Witterungsverhältnisse diese reichhaltige Auswahl erklären.      espa

Sind Sie ballkundig?
Ein wenig ungerecht erscheint es schon, dass ausgerechnet Golfspieler, die weite Strecken zurücklegen müssen, bis zu 14 Schläger mit sich führen, während Minigolfer mit gerade mal einem auskommen. Dafür aber stehen hier verschiedene Bälle zur Wahl – und es empfiehlt sich, für die unterschiedlichen Bahnen den jeweils Passenden zu nehmen.
Freizeitspieler bekommen an der Kasse bestenfalls drei oder vier Ballvarianten ausgehändigt, doch wer den Sport leidenschaftlich betreibt, hat auch schon mal 50, 100 oder mehr auf der Tasche.
Die Bälle unterscheiden sich im Härtegrad sowie hinsichtlich Größe, Gewicht und Oberfläche – wobei das Verhalten an Schläger und Bande wahrscheinlich den größten Einfluss auf den Spielverlauf nimmt. Wie hart oder weich ein Ball ausfällt (die so genannte Rück-Sprunghöhe), belegt ein anschaulicher Test, wonach er aus einem Meter Höhe auf harten Untergrund fallen gelassen wird. Bleibt er liegen, tendiert seine Härte gen 100 Shore, springt er hingegen wie ein Flummi hoch, kann er bis zu 25 Shore weich ausfallen. Die Oberfläche wiederum bestimmt darüber, wie stark der mitgegebene Effekt ausfällt.

Profis benutzen bis zu 100 unterschiedliche Bälle.
Und wann hatten Sie den Block zum letzten Mal in der Hand?
Zumindest die Minigolf-Regeln sind kinderleicht.