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Mittwoch, 23. Mai 2012
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Artikel dieser Ausgabe aus Familie & Gesellschaft

Wenn der Bär mit der Katz ...

Tier und Mensch: Murmeltier

Sie haben ein hohes Berührungsbedürfnis und liegen oft lange und eng aneinandergeschmiegt zusammen – irgendwie muss man sich die lange Winterpause ja „schönschlafen“. Bis zu neun Monate tun sie das zuweilen. Doch auch im wachen Zustand verbringen Murmeltiere, obwohl tagaktive Säugetiere, nur zehn Prozent ihrer Lebenszeit über der Erde, der Rest findet darunter statt.

Das Alpenmurmeltier (lat. Marmota marmota) lebt in unterschiedlich großen Kolonien bevorzugt auf den sonnigen Südhängen der Almen und Weiden, und das in Höhenlagen zwischen 1000 und 2500 Metern. Obgleich es sich eigentlich um scheue Wesen handelt, haben sie sich im Laufe der Generationen an gewisse „Störfaktoren“, wie zum Beispiel Wanderer, gewöhnen können. So manches Murmeltier lässt sich also sogar aus der Nähe betrachten!

Ich bau mir ein Zuhause
Wer das Glück hat, den Weg eines Murmeltiers zu kreuzen, wird vielleicht erstaunt sein, dass es für einen Nager recht groß ausfällt. Je nach Art misst es vom Kopf bis zum Rumpf zwischen 30 und 60 Zentimeter, hinzu kommt ein 10 bis 25 Zentimeter langer Schwanz. Ihr Körpergewicht liegt dabei zwischen drei und sieben Kilogramm.

Das Murmeltier ist ein geschickter Graber, der sich mit Hilfe seiner kräftigen und mit langen Krallen besetzten Vorderpfoten in kürzester Zeit ein ausgeklügeltes Gängesystem erschaffen kann, das aus Lauf- und Fluchtröhren, einem separaten Dauerbau sowie „Toiletten“ besteht. Es wurden schon Gänge bis zu 70 Metern Länge gemessen! Da das Murmeltier etwa 90 Prozent der Zeit unter der Erde verbringt, hat die Natur es mit einem sehr guten Seh- und Hörvermögen ausgestattet, allerdings nur mit einem mäßigen Geruchssinn. Ebenso mäßig ist sein Fortbewegungstalent: Der langsame Gang ist eher watschelnd, Springen und Klettern ist kaum möglich. Aber wenn es darum geht, bei Gefahr in den Bau zu flüchten, ist das Murmeltier erstaunlich flink.

„Alaaaaarm!“
Jeder hat Feinde, selbst ein so friedvoller Gefährte wie das Murmeltier! Und auch wenn das Leben in der Kolonie einen gewissen Schutz bietet und manche Artgenossen bis zu 15 Jahre alt werden, Gefahren drohen ihm von allen Seiten: durch Jäger, aber vor allem durch Greifvögel, die den Sommer über in Murmeltieren den Großteil ihrer Nahrung finden.

Zudem werden auch koloniefremde Murmeltiere als Bedrohung angesehen. Sind solche oder andere Feinde in Sichtweite, dann stößt das zuständige „Wachposten“-Murmeltier Pfeiftöne aus, die leicht mit Vogelstimmen verwechselt werden können. Diskutiert wird dabei nicht lange, Überlebenwollen heißt: Flucht ins Gängesystem!
Um die Umgebung gut im Blick zu haben, trifft man Murmeltiere meistens in ihrer typischen Fress- und Beobachtungshaltung an, auf den Hinterpfoten stehend „Männchen“ machend. Aber diese Haltung wird auch während eines Kampfes zwischen Artgenossen eingenommen: Murmeltiere versuchen sich gegenseitig regelrecht umzuhauen.

Das Murmeltierjahr im Schnelldurchlauf
Gefahr droht aber nicht nur von außen. Leider fallen die meisten Murmeltiere – so seltsam es klingen mag – dem Winter zum Opfer. Manche von ihnen haben es nicht geschafft, sich während der kurzen Sommermonate durch die Aufnahme von Gräsern, Kräutern, Früchten, Samen und Insekten genug Winterspeck anzufressen, andere sind durch Störungen zu oft geweckt worden.

In der Regel halten Murmeltiere nämlich einen ausgedehnten Winterschlaf, der sechs bis neun Monate dauert und oft schon vor dem eigentlichen Wintereinbruch beginnt. Hierfür rollen sich die einzelnen Tiere in Gruppen mit bis zu fünfzehn Artgenossen eng zusammen und geraten in eine Art Winterstarre. Nur selten erwachen sie, um Harn oder Kot abzugeben.

Das Signal für das offizielle Beenden des Winterschlafes gibt die Außentemperatur im Frühjahr. Dann lösen sich auch die Schlafgemeinschaften auf, der Bau wird gesäubert und die Paarung kann beginnen. Jetzt zählt nur noch, dass das Murmeltiermännchen, in der Jägersprache „Bär“ genannt, ein Weibchen (die „Katz“) findet, um Junge („Affen“) zu zeugen.

Bricht dann der Spätsommer an, beginnen Murmeltiere erneut mit der Vorbereitung für den nächsten Winterschlaf. Und so vergeht die Zeit meist wie im Fluge … oder besser gesagt: wie im Schlaf.

chris

Fotos: Shutterstock , pixelio/Ingrid Kranz