Artikel dieser Ausgabe aus Familie & Gesellschaft
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Weisse Weihnachten
Geschichte(n) und Bräuche
Wir kennen diese Stimmung, die sich jedes Jahr um diese Zeit einstellt, zum Beispiel der Geschmack von Mandarinen (versuchen Sie auch immer, die Schale in einem Stück abzupulen?), der Duft von Glühwein auf dem Weihnachtsmarkt (und die klebrigen Finger, die den heißen Becher umklammern) oder das quietschende Geräusch beim „Scheibenfreikratzen“ auf dem Parkplatz (derweil die Handschuhe auf der Kommode und die Schutzfolie für die Frontscheibe im Kofferraum liegen). Das alles gehört zu diesem „Winter-Weihnachts-Gefühl“, und es ist irgendwie schön, weil es so vertraut ist
Väterchen Frost sei Dank
„Im dreaming of a white Christmas“, Bing Crosby spricht uns aus der Seele. Doch Schnee an Heiligabend wird hierzulande allmählich zur Rarität, denn die klimatische Entwicklung führt weg von der weißen und hin zur grünen Weihnacht, zumal der Dezember ohnehin in unseren Gefilden kein typischer Wintermonat ist.
Selbst wenn ab Mitte dieses Monats eine dünne Schneedecke liegt, hält in der Regel ein starkes Tiefdruckgebiet über Island die Kaltluftmassen aus Osteuropa fern. Dies führt zum „Weihnachtstauwetter“, oft sogar in höheren Lagen. Die perfekte Wetterlage über Europa ist leider selten. Ist uns aber eine weiße Weihnacht vergönnt, gilt der Dank Russland, das uns mit seinem kontinentalen Wetter und extremen Wintern die notwendigen Temperaturen beschert. Die sorgen dafür, dass nicht Regentropfen an die Fenster trommeln, sondern Schneeflöckchen vom Himmel rieseln.
doch in der Regel bleibts hierzulande grün
Durchschnittlich gibt es in Deutschland zu Weihnachten alle 10 Jahre Schnee, dabei ist die Wahrscheinlichkeit am Alpenrand höher als an der Küste. Zu den beliebtesten Skigebieten gehören z. B. das Allgäu, die Schwäbische Alb oder der Thüringer Wald. Doch die besten Chancen speziell für Weihnachten bestehen in München: Hier liegt um diese Zeit immerhin alle drei Jahre Schnee, in Hamburg wie in vielen anderen Städten aber nur alle zehn Jahre.
Auch wenn vielen von uns der Blick auf den hell erleuchteten Baum im verschneiten Vorgarten und der Spaß einer „Festtags-Verdauungsrodeltour“ noch gut in Erinnerung ist, verrät uns der rückblickende Wetterbericht, dass eine Schneedecke an allen drei Weihnachtstagen zuletzt 1981 im südwestdeutschen Raum vorgekommen ist.
Und auf der Weihnachtsinsel?
Weit entfernt von Deutschland aber, nämlich mitten im Indischen Ozean, befindet sich ein Fleckchen Erde, auf welchem man nicht mal im Traum an weiße Weihnachten zu denken braucht: die Weihnachtsinsel – ausgerechnet! Auf der 135 qkm großen Insel herrscht tropisches Klima. Zu ihrem Namen kam sie 1643, als britische Seefahrer sie am 25. Dezember entdeckten und daraufhin tauften.
Weihnachten und seine Ursprünge
Aber woher stammt eigentlich der Name „Weihnachten“? Die Bezeichnung ist heidnischen Ursprungs: „Raunächte“ hießen die 12 Nächte, die in der Nacht zum 25. beginnen, und in denen germanische Priester spezielle Weihehandlungen durchführten, um die Menschen vor Dämonen zu schützen.
24. Dezember – bedeutungsvoll schon vor Christi Geburt
Nicht so eindeutig belegt ist die Datierung, denn der 24. und 25. Dezember waren schon vor Christi Geburt von großer Bedeutung, nämlich als Zeitpunkt der Wintersonnenwende, ab welchem die Tage wieder länger werden. Viele Völker und Religionen feierten dann den „Sieg der Sonne über die Finsternis“.
Außerdem ist es der Legende und Berechnungen zufolge wahrscheinlich, dass der historische Jesus zwischen Frühjahr und Herbst, nicht aber im Winter geboren wurde, heißt es doch, dass dort Hirten „auf dem Feld lagerten“. Auch gegen die Fakten spricht, dass es der Statthalter Quirinius war, zu dessen Volkszählung sich Maria und Joseph aufgemacht hatten. Dieser aber regierte um 12 v. Chr.! Belassen wir es also dabei, dass es sich um ein symbolisches Datum handelt, welches übrigens Papst Gregor erst 354 zum offiziellen Geburtstermin Jesu erklärte. Einen Weihnachtsmann aber gab es da noch lange nicht, doch dazu später mehr
Andere Länder, andere Weihnachten
Wie jede Familie individuelle Bräuche pflegt, gibt es auf der ganzen Welt verschiedene Vorstellungen rund um das Fest der Liebe. So wären beispielsweise sowohl der „Weihnachtsstierkampf“ als auch die „Weihnachtslotterie“ in Südamerika nicht wegzudenken. Speziell Brasilien zeigt sich innovativ bzw. flexibel hinsichtlich der Überlieferung: Hier kommt der Weihnachtsmann seit Neuestem per Hubschrauber (denn wer bei der heutigen Schnelllebigkeit Schritt halten möchte, muss auf moderne Verkehrsmittel umsteigen).
Und was man bei uns Julklapp nennt, also wenn das Los entscheidet, wem man ein kleines Geschenk aussuchen muss, stammt aus Skandinavien und funktioniert eigentlich so: Im Mittelpunkt stehen die „Julenissen“, die Weihnachtszwerge –
denn hier feiert man nicht Weihnachten, sondern „Jul“ –, die die Geschenke unter lautem Rufen ins Zimmer werfen. Jeder muss nun selbst herausfinden, welches Geschenk für wen bestimmt ist. Dieser Brauch wird aber auch allmählich vom Weihnachtsmann verdrängt.
Deutscher Weihnachtsbaum unter bolivianischer Sonne
Fester Bestandteil in nahezu aller Welt ist der Christbaum. Den Jahreswechsel mit grünen Zweigen zu feiern, war schon den alten Römern bekannt. Den ersten Beleg für den uns heute vertrauten Weihnachtsbaum gibt es für das Jahr 1570 in Bremen. Er war geschmückt mit Leckereien, die von den Kindern geplündert werden durften. Um 1600 zogen Handwerksgesellen mit ähnlich verzierten Bäumchen umher und verzehrten das Naschwerk dann gemeinsam in ihrer Unterkunft. Erst gegen Ende des 18. Jh.s war der Brauch dann im ganzen Land bekannt, eroberte Osteuropa und Skandinavien, 1891 („im Gepäck“ deutscher Einwanderer eingeführt) erstrahlte der erste Christbaum vor dem Weißen Haus in Washington, und nach Ende des 2. Weltkrieges schloss sich auch Lateinamerika dieser Tradition an. Oftmals sind es importierte Bäumchen aus Deutschland, die z. B. die Wohnzimmer Boliviens zieren.
Doch nicht immer heißt es „O Tannenbaum“: In Südamerika fällt Weihnachten ja auf den Hochsommer, also stehen Krippen unter Palmen, und die Kerzen steckt man an Pinien. In Rio de Janeiro weiß man sich anders zu helfen: Jahr für Jahr krönt ein gewaltiger Weihnachtsbaum aus Pappmaschee den Anblick des Hauptplatzes, und in den Wohnungen dienen Wattebäuschchen als Schnee-Ersatz auf importierten Tannen.
Hier noch ein Tipp, damit Ihr Bäumchen möglichst lange seine Nadeln behält: Stellen Sie den Stamm in einen Eimer mit Zuckerwasser!
Wars das Christkind?
Oder der Weihnachtsmann?
Aber wer ist es denn nun eigentlich, der die bunten Pakete unter unseren Baum legt? Bei uns gibt es seit den 30er-Jahren eine räumliche Trennung: in West-, Südwest- und Süddeutschland heißt es: „Das Christkind war da“; in Mittel-, Nord- und Ostdeutschland wartet man hingegen ungeduldig auf den Weihnachtsmann. Das ist insofern merkwürdig, da dieser doch katholischen und das Christkind evangelischen Ursprungs ist. „Urheber“ der Figur des Christkindes nämlich ist im Grunde Martin Luther. Dieser verlegte in Ablehnung der Verehrung von Heiligen die Bescherung vom Nikolaustag (geht auf den heilig gesprochenen Bischof Nikolaus von Myra zurück) kurzerhand auf Weihnachten.
Übrigens: beim Christkind handelt es sich nicht um das Jesuskind in der Krippe, sondern um die „Anführerin“ der engelsgleichen Mädchen im weißen Gewand, die die Familie auf dem Weg nach Bethlehem begleiteten. Unser guter, alter Weihnachtsmann tauchte erst Ende des 18. Jh.s auf, und zwar in Norddeutschland! Den roten Mantel trägt er aber erst seit einer Coca-Cola-Werbekampagne von 1932. Das passende Transportmittel, der Rentierschlitten, stammt ebenso aus Amerika wie die Vorstellung, der wohlbeleibte Herr zwänge sich durch den Kamin. Unter welchem „Künstlernamen“ auch immer, ob als Santa Claus im englischsprachigen Raum oder als Ded Moroz, „Väterchen Frost“, in Russland, welcher unserem zwar ähnlich sieht, aber dem Rentierschlitten, wie kann es anders sein, die Pferdetroika vorzieht.
„Snegurotschka“? Nie gehört!
Väterchen Frost bringt also den russischen Kindern die Geschenke, in Begleitung seiner Enkeltochter Snegurotschka („Schneeflöckchen“) – aber erst am 31. Dezember, da man die Feiertage gemäß dem alten „Julianischen“ Kalender begeht. Man empfängt die beiden mit Musik, Kuchen und gebastelten Herzen. Jedes Herz symbolisiert einen Herzenswunsch. Das eigentliche Weihnachtsfest im Kreise der Familie und Freunde erfolgt am 7. Januar. Zum großen Festessen serviert man Grütze, Gänse-, Hammel- und Schweinefleisch, dazu Tee, Vodka und „Kutya“, einen Brei aus Getreide (symbolisch für Hoffnung, Unsterblichkeit) und Honig (Glück, Erfolg, Zufriedenheit).
Man erzählt sich Geschichten und singt Weihnachtslieder im festlich geschmückten Wohnzimmer. Ein Weihnachtsbaum, der zur Zarenzeit noch purer Luxus war, findet sich heute überall (bei den Nichtchristen allerdings erst seit den 30er-Jahren). Am 11. Januar, wenn das Neujahr in Russland eingeleitet wird, endet offiziell die Weihnachtszeit.
Wer nun partout nicht auf weiße Weihnachten, auf knirschenden Schnee und eisige Kälte bei strahlender Wintersonne verzichten möchte, merke sich das Zauberwort „LumiLinna“





