Artikel dieser Ausgabe aus Familie & Gesellschaft
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Was macht das Leben, Herr OB A.D.?
Kiels ehemaliger Oberbürgermeister im Interview mit mcm
Der Terminkalender von Karl-Heinz Luckhardt ist prall gefüllt. Doch für ein Interview mit mcm nimmt sich Kiels ehemaliger Oberbürgermeister doch ein Stündchen Zeit.
Er lacht viel und erzählt gern – schließlich gibt es ja auch allerhand zu erzählen! Ein beachtlicher Werdegang, drei Söhne, zwei Enkel, eine goldene Hochzeit in diesem Jahr und gleich drei Standbeine, mit denen er fest im Leben steht!
Geträumt hatte Karl-Heinz Luckhardt von einem Musikstudium. Doch manchmal hält das Schicksal ein paar Umwege bereit: So begann alles mit einer Ausbildung als Maler, dann als Kranführer. Weil in der NS-Zeit ein fehlender „Ariernachweis“ den Weg zur weiterführenden Schule versperrte, musste alles auf dem zweiten Bildungsweg nachgeholt werden. Über ein WiPo-Studium in Hamburg führte ihn sein Weg schließlich nach Kiel, zunächst als „Redenschreiber“ für Landtagsabgeordnete, als aktives Mitglied in SPD und Gewerkschaft. Der Schritt in die Politik und schließlich ins Kieler Rathaus, als Oberbürgermeister von 1980 – 1992, folgte unweigerlich. Doch heute ist er ganz und gar „Sänger“!
Wer nicht zu hören ist, ist selber schuld
Herr Luckhardt geht seit Jahren „auf Tour“, mit Gitarre und Gesang für den guten Zweck! Schon mit 18 Jahren spielte der damalige Malerlehrling in einer Dorfkapelle, sang erst mit anderen und schließlich auch allein. Bis heute unter der Devise: Der Text ist wichtig, und die Melodie darf auch gerne mehr als drei Akkorde haben. Seit einem halben Jahrhundert interpretiert er sorgfältig ausgewähltes und vor allem erzählendes Liedgut, das eine bestimmte Philosophie transportiert, angefangen bei Seemannsliedern über Werke von Scheibner und Kästner sowie plattdüütsche Lieder bis hin zu Reutter, dessen Stücke auch gerne mal über zwölf Strophen gehen. Anstrengend, doch die Mühe lohnt! Denn mit zahlreichen Auftritten auf politischen und gesellschaftlichen Events, Geburtstagen und Hochzeiten, hat Karl-Heinz Luckhardt mit seiner Frau in den letzten elf Jahren 600 000 für Tallinn gesammelt, sein zweites großes Steckenpferd!
Sechs Saiten für den guten Zweck
Die Städtepartnerschaft mit Tallinn wurde während der Segelolympiade in Kiel gegründet. Der Schwerpunkt für das Ehepaar Luckhardt liegt auf dem Projekt „Hilfe für kinderreiche Familien“. Patenschaften werden ohne teuren Verwaltungsapparat vermittelt – die Arbeit, die dahintersteckt, wird buchstäblich zum Nulltarif erledigt. Während der Gatte fleißig die Saiten zupft, kümmert sich Irmgard Luckhardt um die Buchhaltung. Das Projekt ist persönlich, nicht anonym, geht einher mit regelmäßigen Besuchen in Estland und der großzügigen Unterstützung durch Unternehmen wie die Landesbank, Friseur Klinck und Reinigung Wulff, um nur einige zu nennen.
Gestatten: Tomatoffel
Wirft man einen Blick auf den Garten, wird schnell klar: Füße hochlegen? Fehlanzeige! Unterm Terrassendach rankt wilder Wein, der jedes Jahr einen Zentner Trauben trägt, der dann – wer hätte es anders vermutet – gleich vor Ort weiterverarbeitet wird. Und Pool ist nicht gleich Pool! Hier handelt es sich um einen Ökogartenteich, der regelmäßig Fröschen, einer Familie Kanadagänse und zwei Ringelnattern auf der Durchreise Unterschlupf gewährt.
Das mit Solarmatten ausgerüstete Schrägdach spendet einen ordentlichen Schuss Warmwasser und verlängert so die Badesaison für ein paar Wochen. Gleich neben den Kaninchenställen befindet sich das Gewächshaus und gleichermaßen der Tatort experimenteller Züchterkunst: Die Tomatoffel wächst und gedeiht, dass das Gärtnerherz nur so lacht. Auch das nächste Projekt für den grünen Daumen ist schon geplant: ein Aprikosenbaum. Und auch das wird sicher gelingen!
Ein Dreivierteljahrhundert und noch kein bisschen müde
Zu den Aufgaben eines OB gehört auch, „Geburtstagskindern“, die stolze 100 Kerzen auspusten dürfen, die Ehre zu erweisen. Klar, dass man bei solchen „Vorbildern“ ein eigenes 6-Punkte-Fitness-Programm entwickelt. Karl-Heinz Luckhardt hat sich Folgendes zu Eigen gemacht: 1. Fortsetzen körperlicher Betätigung („Ich gehe dreimal die Woche in die Muckibude.“). 2. Fortsetzen geistiger Betätigung (viel lesen, am liebsten Krimis). 3. Gesunde Ernährung (Tomatoffeln zum Beispiel). 4. Niedriger Blutdruck. 5. Eine optimistische Lebenseinstellung. 6. Die Hoffnung, dass die genetisch günstige Vorprägung möglichst lange Bestand hat.
Na, dann steht dem hundertsten Geburtstag ja nichts im Wege. Vorher gibts aber noch jede Menge zu tun!






