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Mittwoch, 23. Mai 2012
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Artikel dieser Ausgabe aus Familie & Gesellschaft

Von wegen null Bock!

Tier und Mensch: Steinbock

Seine Heimat ist rau und kalt. Aber einem „gestandenen“ Steinbock macht so ein Leben in den luftigen Höhen der Alpen nichts aus!

Steinböcke sind hervorragende Kletterer und bevorzugen bei ihrer Nahrungssuche die steilen Felshänge oberhalb der Baumgrenze. Hier sind sie jedoch nicht allein. Denn sie teilen diesen Lebensraum friedlich mit anderen Hochgebirgstieren wie Gämsen, Steinadlern, Alpenkrähen und Murmeltieren.

Steinböcke gibt es natürlich nicht nur in den Alpen, sondern in allen Hochgebirgen Mitteleuropas. Und weiter noch: Ihr Vorkommen erstreckt sich außerdem von Sibirien bis nach Mittelasien und Nordafrika. Aus dieser starken Verbreitung resultieren auch die zahlreichen Unterarten des Steinbocks: So ist etwa der Spanische Steinbock, der auf der Iberischen Halbinsel lebt, dem Alpensteinbock (Capra ibex), auf den wir unser Augenmerk richten wollen, durchaus ähnlich. Aber selbst der ungeübte Betrachter wird erkennen, dass auch der West- und Ostkaukasische sowie der Sibirische, der Nubische oder der Abessinische Steinbock ihre Verwandtschaft zu „unserem“ Alpensteinbock nicht leugnen können.

Hoch, höher, am höchsten
Gewaltig und beeindruckend sind sie, die Alpen: Das höchste Gebirge Europas erstreckt sich über eine Länge von 1200 Kilometern und eine Breite von stellenweise bis zu 250 Kilometern. Ein gigantischer Lebensraum!
Aber Alpensteinböcke haben kein Problem damit, ihr Dasein in verwinkelten Gebirgsnischen und an Felshängen zu fristen. Im Gegenteil: Im Normalfall meidet der Alpensteinbock die Täler und bevorzugt die Hänge, vor allem die im sonnigen Südwesten. Sie bieten im Winter fast immer offene Stellen, an denen er genügend Nahrung findet. Besonders schmackhaft scheinen Gräser, Kräuter, Laub und Knospen sowie Nadelholztriebe und Flechten zu sein.

Ist der Winter vorbei, geht es im Frühjahr hinab in tiefere Lagen, weil hier schon das erste sprießende Grün zu finden ist. Und im Sommer klettern Steinböcke dann auf die Hochalpenwiesen und lassen sich dort Gras und Blumen schmecken.
Für Steinböcke ist es typisch, dass sie im Laufe eines Tages öfter den Standort wechseln, wobei sie jedoch nur selten tiefere Täler überqueren. Sie bevorzugen es, innerhalb eines Bergmassivs zu bleiben.

Mein Rudel, dein Rudel
Geselligkeit wird beim Steinbock großgeschrieben. Geschlechtertrennung allerdings auch. So bestehen die Rudel entweder aus den Geißen und ihren Kitzen – oder aus Böcken. Erst zur Brunft- und Paarungszeit im Dezember und Januar ändert sich dieser Zustand. Dann nämlich gesellen sich die Böcke zu den Weibchen und tragen untereinander Rangordnungskämpfe aus – die wie immer der Stärkere gewinnt.

Zu einer erneuten „geregelten“ Trennung kommt es spätestens dann, wenn die Geißen im Sommer ihr Junges auf die Welt bringen. (Nur in ganz seltenen Fällen bekommen Steinbockweibchen Zwillinge.)

Obwohl die Neugeborenen sofort ihren Müttern folgen können, entdecken sie schnell, dass die Mutter zwar Sicherheit bietet, aber Spielen, Springen und freundschaftliches Kämpfen mehr Spaß machen, und so schließen sich die Jungtiere innerhalb eines Rudels schon kurz nach der Geburt zu einer Art „Kindergarten“ zusammen.

Steinbock, hab Acht!
Mag die Vorstellung von friedlich weidenden Steinböcken in idyllischer Gebirgswelt auch harmonisch anmuten, so gibt es doch eine Vielzahl von Feinden, die ihnen nach dem Leben trachten. Je nach geografischer Lage des Hochgebirges sind es Bären, Luchse, Wölfe, Füchse, Leoparden oder Steinadler, wobei Letztere natürlich nur den Kitzen gefährlich werden. Um vor ihnen allen auf der Hut zu sein zu können, sind insbesondere der Hör- und Sehsinn bei Steinböcken gut ausgebildet. Droht Gefahr, so fliehen sie meist hangaufwärts. Haben sie eine gewisse Fluchtstrecke zurückgelegt, bleiben sie stehen und sehen sich nach der Gefahrenquelle um; wenn nötig, setzen sie die Flucht fort.

Gelingt es einem Steinbock, „unbeschadet“ durchs Leben zu kommen, so kann er durchaus 15 bis 20 Jahre alt werden. Die jeweilige Altersstufe kann man übrigens leicht an den sogenannten Zuwachsringen der Hörner ablesen. Aber wer weiß, ob man dazu in natura jemals die Möglichkeit bekommen wird …

chris

Fotos: Shutterstock