Artikel dieser Ausgabe aus Familie & Gesellschaft
Meine Gesundheitsapotheke
Von Kaisern und Königen
Ein wenig unbeholfen kommen die schwarz-weißen »Frackträger« an Land daher, aber warten Sie ab, bis sie ihr Element, das Wasser, erreichen!
Sehen wir Pinguine in Reportagen über die Antarktis mühevoll in »Mäuseschritten« über endloses Eis watscheln, auf dem Bauch dahinschlittern oder sich gar bei Sturm in einer riesigen Gruppe gegenseitig wärmend, dann neigen wir dazu, dies niedlich, rührend und auch ein bisschen komisch zu finden. Dass aber in diesem an Land etwas plump wirkenden Tier ein graziler Schwimmer und Taucher steckt, sollten wir nicht vergessen.
Pinguine gehören zur Gattung der flugunfähigen Seevögel, deren anatomischer Bau eher auf ein Leben im Wasser als an Land zugeschnitten ist – ein Phänomen, das auf alle 18 Pinguin-Arten zutrifft. Deutlich eignet sich der stämmig wirkende Körper der Tiere durch seine Stromlinienform und die zu schmalen, aber kräftigen Flossen umgestalteten Flügel besser zum Schwimmen und Tauchen als zum Laufen oder Fliegen. Die größeren Pinguin-Arten wie die Kaiser- und Königspinguine zum Beispiel können unter Wasser kurzzeitig sogar Geschwindigkeiten von über 50 Kilometer pro Stunde erreichen und 200 bis 300 Meter tief tauchen.
Komm‘ mit in den Süden!
Um einen Pinguin aus der Nähe sehen zu können, muss man, sofern man auf der nördlichen Halbkugel lebt, in einen Zoo gehen. Auf der südlichen hat man dagegen in freier Natur mehr Glück, denn die meisten Pinguin-Arten leben zwischen dem 45. und dem 60. Grad südlicher Breite, also rund um die Antarktis herum sowie auf den nahe gelegenen Inseln. Auch in tropischen Gefilden sind Pinguine beheimatet, jedoch nur dann, wenn dort Kaltwasserströmungen existieren.
Der Kaiser und sein Gefolge
Mit seiner stattlichen Körpergröße von über einem Meter und einem Gewicht um 40 Kilogramm ist der Kaiserpinguin
(Aptenodytes forsteri) nicht nur eine imposante Erscheinung, sondern zugleich der größte Pinguin und Tauchvogel der Welt.
Das Verbreitungsgebiet des Kaiserpinguins erstreckt sich weiter nach Süden als das jeder anderen Pinguinart: Er lebt das ganze Jahr hindurch in der Antarktis und verlässt nur zum Zwecke der Fortpflanzung das Packeis – dann aber richtig. Immerhin wandern Kaiserpinguine teilweise über 100 Kilometer, um den Paarungs- und Brutplatz auf dem Festland zu erreichen. Apropos Paarung: Vor allem in der ersten Zeit nach der Eiablage erweist sich besonders das Pinguin-Männchen als sehr sozial. Denn es sind nicht die Weibchen, die ab Mai das Ei zum Brüten in ihrer Bauchfalte mit größter Vorsicht durch die Gegend balancieren, damit es nicht auch nur eine Minute lang bei den eisigen Umgebungstemperaturen (bis –40 °C!) ungeschützt bleibt und der Embryo aufgrund von Auskühlung abstirbt – nein, es sind die Herren der Schöpfung!
Die Weibchen gehen derweil für zwei Monate auf Futtersuche und kommen erst zurück, wenn das Junge bereits geschlüpft ist. Hat das Weibchen dann die Mutterrolle wieder übernommen, darf sich das Männchen, das aufgrund der 24-Stunden-Sorge um das Ei nicht zum Fressen kam und mittlerweile bis zu einem Drittel seines Körpergewichtes eingebüßt hat, mit mächtig Kohldampf ins Meer hineinstürzen, um sich zum ersten Mal nach langer Zeit kräftig satt zu essen an Fischen und Krebsen.
Noch ein gekröntes Haupt
Er ist derjenige, der häufig in unseren Zoos zu finden ist: der Königspinguin (Aptenodytes patagonicus). Zum Verwechseln ähnlich sind sich Kaiser- und Königspinguin, wobei der Letztere aber kleiner und schlanker ist, einen schmaleren Schnabel besitzt und eine auffällige, gelborange Färbung an Hals- und Nasenpartie zeigt. Königspinguine bevölkern neben antarktischen Gefilden eher die etwas wärmeren, subantarktischen Küstenregionen und Inseln, unter anderem die Falklandinseln und Südgeorgia.
Ebenso wie die Kaiserpinguine haben Königspinguine weniger den Menschen zum natürlichen Feind, sondern vielmehr machen ihnen Riesensturmvögel, Seeleoparden, Schwertwale, Raubmöwen und Haie das Leben schwer.
So sozial Pinguine auch sind, scheinen sie dennoch hin und wieder nach dem Motto »Ich bin mir selbst der Nächste« zu leben, vor allem wenn es darum geht, vom Eis ins Wasser zu hüpfen.
Aus Angst vor Feinden will keiner der Erste sein, und so stehen sie nicht selten – Seite an Seite – manchmal bis zu einer halben Stunde am Wasserrand, bis endlich einer all seinen Mut zusammennimmt und springt. Erst dann folgen die anderen nach. Der Erste ist eben immer der Dumme – das ist bei uns Menschen doch oft nicht anders …chris







