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Mittwoch, 23. Mai 2012
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Artikel dieser Ausgabe aus Familie & Gesellschaft

»Unser Norden« sucht den Helden oder die Heldin des Nordens!

Schlagen Sie uns einen Menschen aus dem Norden vor, der durch sein soziales Engegament in Ihren Augen diesen Titel verdient.

Von den guten Taten der Prominenten erfahren wir täglich aus den Medien – diejenigen aber, die eher im Stillen agieren, von denen erfahren wir in der Regel nichts. Dabei sind gerade sie es, die einen ganz wichtigen Beitrag für die soziale Stabilität unserer Gesellschaft leisten.

Es sind Menschen, die sich für andere einsetzen, die ehrenamtlich tätig sind oder in einer schwierigen Situation Umsicht oder auch Zivilcourage bewiesen haben. Menschen, die sich durch ihr Engagement oder auch ihr mutiges Eingreifen als Förderer wichtiger Projekte und als Helfer in der Not beweisen. Und die so zugleich eine wichtige Vorbildfunktion für andere übernehmen.

Und wer ist Ihr »Held des Nordens«?
»Unser Norden« sucht Menschen aus der norddeutschen Region, die einen solchen Beitrag leisten. Menschen, von denen Sie meinen, dass sie und ihr Handeln einmal der Öffentlichkeit vorgestellt werden sollten. Dabei ist es egal, ob diese Menschen sich im Rahmen einer ehrenamtlichen Tätigkeit verdient machen oder in der Vergangenheit durch entschlossenes Verhalten Schlimmeres vereiteln konnten.

Bestimmt kennen auch Sie eine solche Persönlichkeit, die Sie zu diesem Kreis von außergewöhnlichen Menschen zählen würden. »Unser Norden« bietet Ihnen jetzt die Gelegenheit, von ihnen zu berichten.

Im Folgenden stellen wir Ihnen, beispielhaft für den gesuchten Helden/die gesuchte Heldin des Nordens, drei Fälle mit vier »Hauptdarstellern« vor, deren Einsatz bemerkenswert ist. Vielleicht denken Sie ja bereits beim Lesen:
»Da kenn’ ich doch auch jemanden!«

Hilfe in der Not - ein außerplanmäßier Einsatz.

Dass André Belgardt und Kevin Miller beherzt zugreifen können, bringt der Beruf mit sich. Eine Episode der besonderen Art hat jedoch gezeigt, dass die beiden auch beherzt eingreifen können – doch der Reihe nach: Täglich befördern die beiden Mitarbeiter des Abfallwirtschaftsbetriebs Kiel (ABK) auf ihrer großen Tour durch Kiel-Mettenhof Hunderte von vollen Mülltonnen und -containern zu ihrem Einsatzfahrzeug, so auch an einem Donnerstag Ende März 2011.

Plötzlich jedoch wird die Routine durch die lauten Rufe einer Frau unterbrochen: In heller Aufregung bittet sie die beiden Männer um Hilfe und lotst sie in
ein Treppenhaus.

Umsichtig und einfallsreich.
Dort sehen sie einen Pulk Menschen, die wild durcheinanderreden. Doch erst beim Näherkommen wird den Müllwerkern klar, was der Grund dieses Auflaufs ist: Umringt von Familienmitgliedern und Mietern hält ein 15-Jähriger einen kleinen, leblos scheinenden und blutenden Jungen im Arm. Wie sich nach mehrmaligem Nachfragen heraus­-
stellt, ist der dreijährige Ali zuvor beim Toben vom Sofa gefallen und mit der Stirn auf den Boden aufgeschlagen, worauf er das Bewusstsein verloren hat. »Die kurdischen Eltern wollten in ihrer Panik den Kleinen mit ihrem Privatwagen ins Krankenhaus bringen«, erinnert sich André Belgardt, »das konnten wir natürlich nicht zulassen.« Worauf sie sofort den Autoschlüssel einkassieren.

Sofort übernehmen die Müllwerker die Regie, beruhigen die Eltern und sorgten dafür, dass der Junge mit einer warmen Jacke zugedeckt wird. Außerdem bitten sie eine Freundin der Familie, dem Kind eine Geschichte zu erzählen. »Eine vertraute Stimme, das konnte nicht schaden.« Während der eine die Umstehenden vom Jungen abschirmt, ordert sein Kollege übers Handy den Notarzt. Doch einfach nur bis zu dessen Ankunft zu warten, kommt für sie nicht infrage. Durch Erste-Hilfe-Kurse ihres Arbeitgebers geschult, gehen sie in der Wartezeit selbst zur Hand und tun alles Nötige, um den Kreislauf des Kindes zu stabilisieren.

Wie gut sie das gemacht haben und wie wichtig es war, die Eltern und übrigen Mieter zu beruhigen, bestätigt ihnen später auch das Personal des Krankenhauses, das den jungen Patienten nach zwei Tagen wieder entlassen konnte.

»Grüne Damen« - immer ein offenes Ohr.

Ein Krankenhausaufenthalt ist immer etwas Unangenehmes. Man teilt sich ein Zimmer mit fremden Menschen, ist oft auf die Hilfe anderer angewiesen, und im hektischen Klinik­alltag haben Ärzte ohnehin kaum noch die Zeit, um ein paar persönliche Worte mit ihren Patienten zu wechseln.

An diesem Punkt treten die »Grünen Damen« auf den Plan. Denn da, wo die Arbeit der Mediziner endet – nämlich mit der medizinischen Versorgung –, fängt ihre erst an. Sie kümmern sich ehrenamtlich um die persönlichen Wünsche der Patienten, um ihnen den Aufenthalt so angenehm wie möglich zu gestalten.

Ein anspruchsvoller Job.
Belastbarkeit, Einsatzfreude, Zuverlässigkeit, Verschwiegenheit – das sind die Eigenschaften, die eine »Grüne Dame« besitzen muss, erklärt Leiterin Ingeborg Eckhoff. Und viel Zeit sollte sie haben, schließlich bieten die »Frauen in Grün« ihre besondere Betreuung an sechs Tagen in der Woche an. Sie sind zur Stelle, wenn ein Patient um ein paar kleine Besorgungen bittet, wenn jemand Begleitung oder Orientierungshilfe durch die verschlungenen Flure benötigt oder wenn jemand ein offenes Ohr zum Zuhören braucht.

Überhaupt, das persönliche Gespräch: Das ist zweifellos die wichtigste Aufgabe des insgesamt 50-köpfigen Teams, die viel Feingefühl und Verständnis erfordert. Ingeborg Eckhoff hört geduldig zu, wenn ein Patient sich um seine daheimgebliebenen Haustiere sorgt oder über die Ängste sprechen möchte, die eine Krankheit mit sich bringen kann. »Wichtig ist, weder zu lebhaft noch zu mitleidig aufzutreten«, sagt die »Grüne Dame« mit den wachen, leuchtenden Augen.

Damit auch niemand zu kurz kommt, besuchen sie und ihre Kolleginnen täglich jedes einzelne Zimmer. Ein Engagement, das ohne Leidenschaft undenkbar wäre. Ingeborg Eckhoff macht ihre Arbeit wirklich mit Herzblut. Und das hat auch einen guten Grund: »Für uns »Grüne Damen« gibt es kein schöneres Dankeschön als das Lächeln unserer Patienten.«

Hausaufgabenhilfe - »Keine Zweiklassengesellschaft, bitte!«

Bereits die bloße Vorstellung, sie könnte auch mal laut werden oder gar zornig, erscheint so abwegig, dass man das Bild im Kopf gleich wieder verabschiedet.

Aber vermutlich besteht für Brigitte Klose bei ihrer ehrenamtlichen Arbeit auch selten Grund, die Stimme zu erheben, denn das, was sie tut, wird von den meisten ihrer Schützlinge dankbar angenommen: Die freundliche, jung gebliebene Dame gibt an der Kieler Gemeinschaftsschule am Brook zusammen mit zurzeit 13 Helferinnen und Helfern Migrantenkindern Hausaufgabenhilfe; Kindern, deren Eltern oft nur gebrochen deutsch sprechen und die allein schon deshalb zuhause nicht die Förderung erhalten können, die zur Bewältigung des Lernstoffs notwendig ist.

Seit den 70er-Jahren engagiert.
»Die Chancen sind ungleich verteilt«, sagt sie, »eine private Nachhilfe, wie sie sich besser situierte Familien leisten können, scheitert hier schon allein am fehlenden Geld.« Daran aber, so ihre tiefe Überzeugung, darf die Zukunft dieser Kinder nicht scheitern. Aus diesem Grund engagiert sich die früher als Juristin tätige Frau mit ostpreußischen Wurzeln seit vielen Jahren für die nachwachsende Generation von Migranten. Wie erfolgreich sie das macht, belegt der spätere Werdegang von Kindern, die sie bereits in den 70er-Jahren in ihrem Wohnort Schönberg in Schleswig-Holstein gefördert hat. Ein libanesischer Junge etwa, dem sie seinerzeit privat Nachhilfe gab, wurde nach bestandenem Abitur und abgeschlossenem Studium Ingenieur – eine Laufbahn, die ohne ihren Einsatz gewiss anders verlaufen wäre.

Nachdem ihre zwei eigenen Kinder aus dem Haus waren, widmete sie sich dieser Aufgabe ehrenamtlich – zunächst im Auftrag des DRK, dem ein Kieler Gymnasium für diesem Zweck einen Raum zur Verfügung gestellt hat, ab 2001 dann an der Gemeinschaftsschule am Brook in Kiel-Gaarden. Gut 360 Schüler sind dort, ein hoher Anteil stammt aus Migrantenfamilien. Unterstützt von einem mehrköpfigen Team hilft sie dort, wo es hapert, sei es im Sprachlichen oder in anderen Fächern.

Nun ist Brigitte Klose für den Bürgerpreis Schleswig-Holstein nominiert. Als Privatperson ist ihr dieser Rummel gar nicht so lieb. Als Repräsentantin ihrer Schule aber und im Namen ihrer tatkräftigen Kollegen, die mit ihr zusammen den Schülerinnen und Schülern dieses Angebot machen, nimmt sie den angekündigten Besuch eines Filmteams vor Ort gern in Kauf.

Ohne »Gassigeher« würden Tierheimbewohner nichts von der Welt sehen ... und riechen.
Einfach mal mit jemanden reden können: Gerade ältere, alleinstehende Menschen freuen sich über etwas Aufmerksamkeit.
Essensausgabe in einer Sozialküche: Auch hier sind Helfer gefragt.
Von ihrem Büro aus organisiert Ingeborg Eckhoff den Tagesablauf.
Haben ein Herz für Patienten: Ingeborg Eckhoff und ihre »Grünen Damen« vom Städtischen Krankenhaus Kiel.
Ganz entspannt in ihrem Garten: Brigitte Klose.