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Mittwoch, 23. Mai 2012
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Artikel dieser Ausgabe aus Familie & Gesellschaft

Tierisch abwechslungsreich!

Was der Beruf des Tierpflegers alles mit sich bringt!

Es ist ein sonniger Nachmittag, als ich das Tierheim Uhlenkrog in Kiel betrete. Tierpflegerin Charline Nohns erwartet mich bereits. Ich folge den kleinen, weißen Hundetatzen, die als Wegweiser auf die Steinplatten gemalt sind und mich an den großzügigen Freilaufgehegen der Hunde vorbeiführen.

Schließlich öffnet mir die Auszubildende die Tür des Quarantänehauses, in dem die Neuankömmlinge untergebracht sind. Nach einer kurzen Begrüßung nehmen wir draußen auf zwei Hundefuttertonnen Platz. Und Charline erzählt, wieso Tierpflegerin ihr Traumberuf ist und warum viele Menschen völlig falsche Vorstellungen davon haben.

Alles nach Plan.
Angefangen hat alles vor drei Jahren mit einem zweiwöchigen Praktikum im Tierheim. Das hat der 17-Jährigen so gut gefallen, dass sie gleich darauf die Ausbildung zur Tierpflegerin begonnen hat. Mittlerweile ist sie im dritten Lehrjahr. Neben den praktischen Aufgaben im Tierheim muss sie ein Mal wöchentlich zur Berufsschule für die theoretische Ausbildung. Auf dem Stundenplan stehen Fächer wie Pflegehaltung, Tierzucht und Kundenumgang. Im ersten Lehrjahr gehörten auch Wirtschaftspolitik und Mathe dazu. Schließlich müssen beispielsweise die Medikamentendosen für kranke Tiere genau berechnet sein.

Es gibt täglich viel zu tun im Uhlenkrog. Die Bewohner der zwei Hundehäuser, des Quarantänehauses, des Kleintierhauses, des Katzenhauses, des Nagerhauses sowie die Tiere in den Wildgehegen müssen pünktlich versorgt werden. Da ist eine gute Organisation gefragt. Deshalb wird in einem rotierenden System gearbeitet: Die Tierpfleger werden für genau drei Monate für ein bestimmtes Haus eingeteilt, danach wird gewechselt. Aus Sicherheitsgründen wird immer in Zweierteams gearbeitet.

Der Tag beginnt im Allgemeinen damit, die Hundezwinger- und Katzenboxen zu säubern. Medikamente müssen verabreicht und Tierarztbesuche organisiert werden, nachmittags stehen OP-Termine an. Und natürlich müssen die Tiere gefüttert werden. Auf dem Tisch neben uns stehen schon an die sieben gefüllte Futternäpfe bereit.

Auch der Kontakt zu den Menschen kommt nicht kurz: »Wir haben ja auch viel Umgang mit den Ehrenamtlichen, die hier regelmäßig die Hunde ausführen. Oder auch mit Interessenten, die gern ein Tier aufnehmen wollen. Es ist diese Abwechslung, die mir am meisten Spaß macht«, sagt die junge Frau. Zwischendurch wird unser Gespräch immer mal wieder unterbrochen von einem lauten Geplapper, das aus dem Flur dringt. Es ist der Papagei Jakob, der uns mit einem lauten »Hallo« begrüßt.

Mehr als nur spielen und putzen.
Bei einem Rundgang durch das Tierheim klärt Charline mich auf, worauf es bei dem Beruf ankommt: »Viele Leute denken, dass man als Tierpfleger den ganzen Tag Zwinger putzt und sich mit den Tieren beschäftigt. Das ist aber nur ein kleiner Teil der Arbeit.«

Denn es gehört viel mehr dazu. Zum Beispiel die Anschaffung von Futtermitteln oder Gerätschaften, die Kostenplanung oder die Abwicklung des Zahlungsverkehrs, wenn Tiere abgegeben beziehungsweise vermittelt werden. Auch dem Tierarzt muss Charline hin und wieder assistieren.

Ebenso intensiv ist der Kontakt mit den Besuchern, bei dem sie den Gästen vor allem beratend zur Seite steht. Das erfordert sowohl Kenntnisse über Haltungsbedingungen und Verhalten der einzelnen Tierarten als auch die charakterlichen Eigenschaften der Tierheimbewohner. Außerdem müssen die Hunde genügend Auslauf erhalten. Deshalb werden sie im 30-Minutentakt jeweils einzeln in die Außenzwinger gelassen. Dabei muss da­rauf geachtet werden, dass sich die Tiere nicht in die Quere kommen.

Ausgedehnte Spaziergänge übernehmen meist die zahlreichen ehrenamtlichen Helfer. Bei unserem Rundgang begegnen wir schon einigen, die sich mit ihren ungeduldig wartenden Vierbeinern auf den Weg machen wollen.

Die Aufteilung der Hunde auf die Helfer ist eine weitere Aufgabe des Tierpflegers. Und die ist gar nicht so einfach, denn Hunde können ganz schön wählerisch sein und schenken ihre Gunst längst nicht jedem.

Auch ein Tierpfleger braucht ein dickes Fell.
Bei allem Spaß, den Charline bei ihrer Arbeit hat, gibt es natürlich Dinge, die sie immer wieder traurig machen. Einige der Bewohner haben in der Vergangenheit schlechte Erfahrungen mit Menschen gemacht oder waren bei ihrer Ankunft abgemagert und verwahrlost. Viele von ihnen wurden ausgesetzt, manche den Besitzern wegen nachweislich schlechter Behandlung weggenommen.

Doch mit solchen Situationen muss man als Tierpfleger umgehen können. »Manche Einzelschicksale gehen einem schon sehr nahe. Auf der anderen Seite ist es aber auch ein Erfolgserlebnis, wenn sich die Tiere bei uns wieder gut erholen und entwickeln.« Manche Erlebnisse können jedoch auch Spuren hinterlassen. Einige Heimbewohner begegnen neuen Menschen mit Misstrauen und Scheu. Das ist vor allem bei den zugelaufenen Katzen zu beobachten, die sich ängstlich in ihren Boxen verstecken. Andere gehen lieber gleich in eine Abwehrhaltung über.

»Es gibt einige wenige Tiere, an die wir nicht so schnell rankommen. Ich wurde auch schon mal leicht von einem Hund in die Hand gebissen. Aber davon darf man sich nicht abschrecken lassen«, sagt Charline ganz locker. Um neues Vertrauen zu entwickeln, braucht es eben Geduld und Zeit. Und man darf keine Unsicherheit zeigen. Das gilt hauptsächlich für die Hunde, die es genau wahrnehmen, wenn ein Mensch Angst hat. Cool bleiben lautet also die Devise.

Leichter ist es mit den Bewohnern des Kleintierhauses (unter anderem Degus, Kaninchen, Meerschweinchen und Chinchillas), die sich von uns überhaupt nicht stören lassen. In einem der Außengehege treffen wir dann auf eine Schar schnatternder Gänse. Tierpflegerin Charline freut sich, denn: »Die Gänse wohnen eigentlich gar nicht mehr bei uns. Wir haben sie vor einiger Zeit ausgewildert. Doch sie kommen immer wieder mal zu Besuch.«

Dann hat es ihnen im Tierheim Uhlen­krog wohl gut gefallen. Kein Wunder, denn Charline und ihre Kollegen tun alles, um ihren Schützlingen das Leben so angenehm wie möglich zu machen.

Die ruhige Fiona wohnt erst seit zwei Monaten im Tierheim Kiel.
Bei Charline fühlt sich der verschmuste Rehpinscher Keks sichtlich wohl.
Hahn im Korb: Balko kann sich gleich über zwei Damen freuen, die mit ihm spazieren gehen.
Auch der freundliche und anhängliche Spike hofft, bald ein neues Frauchen oder Herrchen zu finden.