Artikel dieser Ausgabe aus Familie & Gesellschaft
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Süßes Gelingen
Interessante Berufe: Imkerin
Zu Besuch bei der Imkerin Ida Wehding im norddeutschen Süderschmedeby.
Hier ist eine Nahrungsquelle! Die Verstärkung kann anrücken! Wir brauchen 150 Mann!“ – so könnte sie lauten, die Übersetzung der tanzenden Flugbewegung des schwarz-gelb geringelten Suchtrupps. Aber die Sprache der gut organisierten Honigproduzenten verstehen wohl nur Biene Majas Artgenossen selbst und so erfahrene, sensible Menschen wie Ida Wehding (71), seit 30 Jahren Imkerin in Süderschmedeby.
Beruf und Freizeit stehen bei ihr seit jeher im Dienste der Natur. Ida Wehdings Mann war Jäger, gemeinsam führten sie eine Gärtnerei in Tarp. Mit dem Umzug folgten Fischteich, Hundezucht und schließlich die Imkerei, mit der das Ehepaar die Tradition der Großelterngeneration wieder aufnahm.
Von allem das Beste
Die Honigbiene ist ein Wildtier, ein Insekt, das sich weder domestizieren noch zähmen lässt. Um mit ihnen arbeiten zu können, muss man ihre Eigenheiten verstehen und akzeptieren. Seit Jahrtausenden ist der Mensch darum bemüht, denn die Erzeugnisse der fleißigen Tierchen sind heiß begehrt.
An allererster Stelle steht der Honig (er entsteht aus Blütennektar im Honigmagen der Biene), dann folgen das Wachs (das in den Drüsen der Bauchseite entsteht) für Kerzen, Kosmetika, Pharmazie usw., der Pollen (mehlartige Masse aus Blütenstaub), ein Eiweißlieferant als Nahrungsergänzung, Propolis (natürlich vorkommendes Antibiotikum) sowie das Bienengift (wirksam gegen entzündliche Gelenkerkrankungen) und schließlich das Gelée royale (der Futtersaft der Bienenkönigin).
Dem Gelée royale wird beim Menschen eine verjüngende Wirkung nachgesagt. Schaut man Ida Wehding an, meint man, den Beweis zu sehen. Doch auf die Frage, ob sie selbst daran glaube, lacht sie und sagt: „Wer weiß? Jedenfalls sammle ich es und nehme es gemischt mit Honig, wenn sich eine Erkältung ankündigt.“ Dies ist, nebenbei bemerkt, äußerst selten der Fall. Ein hohes Maß an Frischluft und Bewegung, das der Beruf des Imkers mit sich bringt, und die gesunde Süße des Honigs als Zuckerersatz stärken Abwehrkräfte und Vitalität.
Teamwork zwischen Mensch, Tier und Natur
Rund 90 000 Imker betreuen in Deutschland gut 1 Million Bienenvölker, zu 99 Prozent nicht hauptberuflich. Haltung, Vermehrung und Erzeugung von Bienenprodukten gehören zum Tätigkeitsfeld, in seltenen Fällen auch die Züchtung.
In der Natur bevorzugen Bienen zum Errichten ihres Wabenhauses Hohlräume in Bäumen. Der Imker bringt seine Völker in künstlichen Höhlen (Bienenstöcken) unter. Die moderne Imkerei arbeitet mit sogenannten Magazinbeuten, im Freien aufgestellt, und dem mobilen Wabenbau. In der Vergangenheit war die Korbimkerei gang und gäbe, die am deutlichsten den Ursprung der Berufsbezeichnung transportiert: Imker = niederdeutsch „Imme“ (Biene) und „kar“ (Korb, Gefäß).
Ida Wehding wacht heute über 15 Völker, die in vier Festständen (einem im Wald, drei bei Rapsfeldern) untergebracht sind. Regelmäßig kontrolliert sie die Brut- und Honigräume. Obwohl die Tiere nicht domestiziert sind, macht ihre künstliche Unterbringung gewisse Hilfestellungen notwendig, bei den Königinnen sogar oft auf die Stunde genau.
Im Gegensatz zu den meisten der eintausend europäischen Bienenarten kann die Honigbiene nur in der Gemeinschaft leben. Ein Staat oder Volk zählt bis zu 80 000 Tiere, davon bis zu 60 000 Arbeiterinnen, des Weiteren die Drohnen (männlich) und meistens nur eine einzige Königin. Diese ist deutlich größer, lebt bis zu vier Jahre und sorgt im Akkord für Nachwuchs. Täglich legt sie circa 1500 Eier.
Das Bienenvolk ernährt sich von Blütensaft und -pollen und stellt täglich bis zu einem Kilo Honig als Wintervorrat her. Um den Nektar für ein halbes Kilo Honig einzusammeln, legt jede einzelne Biene übrigens eine Strecke zurück, die dem dreifachen Erdumfang entspricht! Bienen sind aber nicht nur wahre Hochleistungssportler, sondern auch unverzichtbare Nutztiere. Beim Sammeln fliegen sie von Blüte zu Blüte und sorgen dabei für die Bestäubung, auf die 80 Prozent der heimischen Blütenpflanzen angewiesen sind.
In der Ruhe liegt die Kraft
Die Angst vorm Stechen hat Ida Wehding längst verloren. Sie trägt zwar die übliche Schutzkleidung, hat die Handschuhe aber schon vor langer Zeit abgelegt, um besser hantieren zu können. Der beste Schutz sind nämlich ruhige Bewegungen bei allen Arbeitsschritten, denn Bienen sind in der Regel sanftmütig. Was nicht heißt, dass ein Imker nicht auch einmal an ein ganz besonders stechlustiges Völkchen geraten kann – auch Ida Wehding hat da ihre Erfahrung gemacht.
Verkauft wird ausschließlich direkt ab Haus, und die Kundschaft weiß die Hochwertigkeit des Honigs zu schätzen. Die Richtlinien des Deutschen Imkerbundes sind ohnehin sehr streng, der typisch norddeutsche helle, feste Rapshonig aus der privaten Imkerei aber ist zudem reich an Traubenzucker und weiteren wertvollen Inhaltsstoffen, die die mehrfach behandelte Importware oft nicht mehr besitzt.
Und natürlich ist die Qualität von Honig auch von den jährlich wechselnden klimatischen Bedingungen abhängig. Dieses Jahr sind nicht nur Süderschmedebys Bienenvölker etwas schwächer als sonst. Der vergangene Sommer war schlecht, und der diesjährige Raps blüht auffallend früh. Aber da Bienen ab 15 °C zu fliegen beginnen, konnten sie die Gut-Wetter-Periode in diesem Frühjahr nutzen, um wertvolle Zeit aufzuholen. Und so ist es dann doch noch eine gute Ernte geworden.
Nachwuchs gesucht
Obwohl beruflich eingespannt, packen die Kinder und Enkelkinder gerne mal mit an. Und so hofft Ida Wehding, noch viele Jahre als Imkerin aktiv zu sein und den Spaß an der Arbeit sowie die tiefe Verbundenheit mit der Tierwelt genießen zu können.
Imkernachwuchs wird allgemein gesucht, denn das Durchschnittsalter liegt mittlerweile bei 60 Jahren. Zwar gibt es auch den Lehrberuf, aber Imker im Hobby oder Nebenberuf kann jedermann werden. In Sachen Know-how und Gerätschaften ist der örtliche Imkerverein mit Rat und Tat zur Stelle, darüber hinaus gibt es in fast allen Bundesländern spezielle Imkerschulen. tide
Weitere Infos unter:
www.die-honigmacher.de






