Artikel zum Thema Familie&Gesellschaft

 
Sie sind hier: Familie & Gesellschaft / Artikel
Mittwoch, 23. Mai 2012
...

Artikel dieser Ausgabe aus Familie & Gesellschaft

Spuren im Sand

Tier und Mensch: Meeresschildkröten

Meeresschildkröten legen auf ausgedehnten Wanderungen zwischen den Erdteilen weite Strecken zurück. Meeresströmungen und höchstwahrscheinlich auch Magnetfelder dienen ihnen dabei als Orientierungshilfe.

Meeresschildkröten stammen von Land- beziehungsweise Süßwasserschildkröten ab. Sie sind in tropischen und subtropischen Gefilden beheimatet und verbringen bis auf die Eiablage ihr gesamtes Leben im Wasser. Aber warum Meeresschildkröten-Weibchen zwecks der Eiablage immer exakt an den Strand, an dem sie selbst geschlüpft sind, zurückkehren, ist selbst Forschern ein Rätsel.
Keine der weltweit insgesamt sieben Meeresschildkröten-Arten verfügt über ein hochentwickeltes Gehirn, dafür aber über einen ausgezeichnet ausgebildeten Seh-, Hör- und Geruchssinn. Vor allem im Bereich der Nase entdeckten Wissenschaftler magnetische Partikel, die wahrscheinlich zur Orientierung über den Erdmagnetismus dienen. Was die unterschiedlichen Arten weiterhin vereint, sind zum Beispiel die Extremitäten, die zu großen Paddeln umgestaltet sind. Außerdem findet man bei allen Arten einen abgeflachten, stromlinienförmigen Panzer, der zwar im Wasser dienlich ist, der es aber aufgrund seiner Form unmöglich macht, den relativ großen Kopf bei Gefahr einzuziehen.

Fast wie ein Spuk
Wissenschaftler haben herausgefunden, dass die Paarung der Meeresschildkröten mit allergrößter Wahrscheinlichkeit auf dem offenen Meer stattfindet. Aber kurz danach passiert etwas Phänomenales, was bislang noch nicht genau erforscht werden konnte: Egal, wo sich die Weibchen zum Zeitpunkt der Paarung befinden, suchen sie zur Eiablage zielstrebig genau den Strand auf, an dem sie selbst vor etwa 30 Jahren geschlüpft sind. (Dazu muss man sagen, dass Meeresschildkröten erst mit rund 30 Lenzen geschlechtsreif sind.)

Schwerfällig, mühevoll und langsam bewegt sich das Weibchen mit den Flossen vorwärts über den Strand. Vergessen sind die eleganten Schwimmbewegungen im Wasser. Am »Wunschzielort« angekommen gräbt das Weibchen eine Grube und lässt die Eier hineingleiten. Ist das letzte Ei abgelegt, wird das Loch wieder mit Sand bedeckt – und sofort geht es zurück ins Meer. Am nächsten Morgen zeugen nur noch die Spuren im Sand von ihrem »gewichtigen« Landgang.

Die Überlebenschancen stehen schlecht
Das Ausbrüten der Eier überlässt das Meeresschildkröten-Weibchen der Sonne. In den auf die Eiablage folgenden circa 55 Tagen wird sich auch das Geschlecht des Nachwuchses entscheiden: Bei Temperaturen über 29,9 Grad entwickeln sich Weibchen, liegen die Temperaturen darunter, schlüpfen männliche Nachkommen.

Dass eine große Anzahl an Weibchen ihre Eier zur selben Zeit am selben Strand ablegen, ist von der Natur als Schutzmechanismus gedacht. Denn obwohl ein Gelege in der Regel über 100 Eier umfasst, erreicht von den geschlüpften Jungtieren im Durchschnitt aber nur einziges von 1000 das fortpflanzungsfähige Alter. Nicht selten richten Nesträuber wie Stinktiere und Waschbären schon kurz nach der Eiablage beziehungsweise nach dem Schlüpfen großen Schaden an. Aufgrund der Tatsache, dass Nesträuber nun aber größere Gelege vorfinden, besteht die Chance, dass sie schon nach ein paar Eiern satt sind und von weiteren ablassen.

Trotzdem keine Entwarnung! Denn auch auf dem Weg der frisch geschlüpften Jungtiere in Richtung Meer lauern Gefahren, vor allem in Form von Möwen und Rabenvögeln. Im Rahmen diverser Hilfsaktionen seitens engagierter Schildkröten-Schützer wurden die Jungtiere sogar schon »per Hand« ins Meer getragen. Denn nur das schnelle Vorankommen sichert Leben!

Schutzmaßnahmen müssen greifen
Alle Meeresschildkröten-Arten sind vom Aussterben bedroht, und auch wir Menschen tragen eine große Mitschuld: Besonders im asiatischen Raum ist sowohl das Fleisch als auch das Schildkrötenleder und das Schildpatt der Panzer sehr begehrt. Strenge Handelsverbote und hohe Strafen sowie die versuchte Unterbindung eines Schwarzmarktes zeigen dabei kaum Wirkung. Aber auch der sogenannte »Beifang«, das unbeabsichtigte Hineingeraten in Fischfangnetze also, sowie die Verschmutzung der Meere trägt zur Minimierung des Bestandes bei.

Gut, dass Tierschützer und Tierschutzorganisationen auf internationaler Ebene versuchen, den Schutz der Meeresschildkröten durchzusetzen, indem sie Brutgebiete einzäunen und bewachen und Zuchtstationen aufbauen.
chris

Fotos: Shutterstock (3)