Artikel zum Thema Familie&Gesellschaft

 
Sie sind hier: Familie & Gesellschaft / Artikel
Mittwoch, 23. Mai 2012
...

Artikel dieser Ausgabe aus Familie & Gesellschaft

Sprunghaftigkeit hat durchaus Vorteile

Tier und Mensch: Känguru

Das Känguru steht – ebenso wie der Emu – symbolisch für den Fortschritt des australischen Kontinents, denn beide Tiere können sich von Natur aus nur in eine Richtung bewegen: nach vorn!

Das Känguru (lat. Macropodidae) ist sicherlich das bekannteste Tier Australiens. Es gilt als Nationalsymbol, und man findet es nicht nur auf Wappen, sondern auf Ein-Dollar-Stücken sowie als Logo verschiedener australischer Organisationen.

Die Zahl der in Australien lebenden Tiere wird auf etwa 20 Millionen geschätzt. Oder anders ausgedrückt: Es gibt hier etwa zwei Millionen mehr Kängurus als Australier. Manche sind reine Steppenbewohner, andere leben im Bergland oder in den Wäldern. Dies gilt ebenso für die Känguru-Arten, die in Neuguinea und Tasmanien sowie auf den vorgelagerten Inseln beheimatet sind.

Riese oder Zottel?
Man unterscheidet heute insgesamt elf verschiedene Känguru-Gattungen, wobei das Rote Riesenkänguru die größte Art ist. Diese Kängurus können bis zu 90 Kilogramm schwer werden und mit Leichtigkeit bis zu zehn Meter weite Sprünge machen, wobei sie eine Geschwindigkeit von 70 Kilometern in der Stunde erreichen. Die kleinen Känguru-Arten hingegen, die sogenannten »Wallabys«, erreichen oft nur eine Größe von etwa einem Meter und wiegen lediglich etwa 20 Kilogramm. Zu ihnen gehört beispielsweise das Zottel-Hasenkänguru.

Aber unabhängig von der Größe besitzen (fast) alle Känguru-Arten die gleichen auffälligen Kennzeichen, wie zum Beispiel ihre großen hinteren Gliedmaßen und einen langen, muskulösen Schwanz, der oft als Stütze, beziehungsweise bei höheren Geschwindigkeiten zum Ausgleich der Balance verwendet wird. Eine Ausnahme bilden jedoch die Baumkängurus, die sich nicht mehr hüpfend fortbewegen, sondern sich an ein Leben in den Bäumen angepasst haben: Bei ihnen sind die Vorder- und Hintergliedmaßen annähernd gleich lang.

Mit vollem Körpereinsatz
Abhängig davon, wie schnell Kängurus sich fortbewegen müssen, gibt es zwei Gangarten. Geht es langsam voran, dann benutzen sie nicht nur die vier Pfoten, sondern auch ihren Schwanz: Während sie sich mit den Vorderpfoten und Schwanz abstützen, schwingen die Hinterbeine nach vorne; setzen diese auf, kommen Vorderpfoten und Schwanz nach. Geht es dagegen rasant zur Sache, so hüpfen die scheuen Kängurus einzig und allein mithilfe ihrer kraftvollen Hinterbeine voran. Der Schwanz dient jetzt lediglich als »Ruder«.

Ein Zusammenspiel von Vorder- und Hinterpfoten ist übrigens auch beim Kampf zu beobachten: Kängurus verteidigen sich, indem sie mit den Vorderpfoten vehement auf den Angreifer eintrommeln und mit den trainierten Hinterbeinen Tritte austeilen.

Was ist denn da im Beutel?
Känguru-Weibchen bringen nach einer kurzen Tragzeit von 20 bis 40 Tagen meist nur ein Jungtier, von den Australiern auch liebevoll »Joey« genannt, zur Welt. Allerdings paart sich das Weibchen unmittelbar nach der Geburt eines Jungtieres erneut und leitet damit das Phänomen einer Art »verzögerten Geburt« ein, denn dieser zweite Embryo wächst erst dann im Mutterleib weiter, wenn das vorangegangene Jungtier im sechsten Monat etwa den Beutel endgültig verlässt.
Ein Känguru-Junges ist bei der Geburt nur etwa zwei Zentimeter lang und ein Gramm leicht. Es krabbelt selbstständig vom Geburtskanal in den Beutel und hängt sich wahllos an eine der vier Zitzen, die in den folgenden zwei, drei Monaten jedoch um keinen Preis mehr losgelassen wird.

Bis zu einem Alter von einem Jahr wird der Känguru-Nachwuchs treusorgend gestillt, allerdings ist er mittlerweile längst zu groß für den Beutel geworden und darf zum Trinken nur noch den Kopf hineinstecken. Und nicht selten sitzt da schon das jüngere Geschwisterchen an einer der anderen Zitzen. Interessanterweise liefern unterschiedliche Zitzen auch unterschiedliche Muttermilch, je nach Grad der Entwicklung der Nachkommenschaft.

Die Menge macht’s
Kängurus sind reine Pflanzenfresser und stellen insofern keine direkte Gefahr für den Menschen dar. Mehr Sorge bereitet den Bewohnern Australiens jedoch die riesige Anzahl der Tiere. Nehmen Sie die australische Hauptstadt Canberra: Hier gibt es inzwischen dreimal mehr Kängurus als Einwohner!

Natürlich sind Wissenschaftler auf der Suche nach wirksamen Methoden zur Geburtenkontrolle, aber bis diese gefunden werden, muss der Bestand an Kängurus auch weiterhin durch professionelle Jagd reduziert werden.

chris

Fotos: Shutterstock (3)