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Mittwoch, 23. Mai 2012
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Artikel dieser Ausgabe aus Familie & Gesellschaft

Richtig Eisen geben!

Ein Besuch beim Hufschmied

Es zischt, es qualmt, es dampft. Der Geruch von Pferd und Verbranntem steigt uns in die Nase und vermittelt ein sehr eigenwilliges Bild von Romantik. Rauch durchzieht den Reitstall in der Nähe von Kiel, und als die Schwaden sich verziehen, tritt uns eine stämmige Gestalt entgegen. Jens Petersen, staatlich anerkannter Hufschmied, lässt einen Moment von Pferd und Amboss ab, um uns Rede und Antwort zu stehen.

Den Beruf in die Wiege gelegt

So und nicht anders ist zu erklären, wie Jens zum Beruf des Hufschmiedes kam. Schon zu seiner Geburt wurden ihm ein Pony und ein Esel geschenkt. Und auch wenn er selbst keine Erinnerung mehr daran hat, schien ihm sein Weg vorbestimmt. Im zarten Alter von 2 Jahren stellte er fest, dass ihm zwei Beine zur Welterkundung nicht mehr reichten, und fortan ritt er. Als kleiner Junge war er es, der die Ponys zum Schmied brachte. Derart vorgeprägt kristallisierte sich der spätere Werdegang immer deutlicher heraus.

Mit 16 Jahren zog es ihn schließlich ins westfälische Münster. Dort erlernte er das Schmiedewesen in der Fachrichtung Hufschmied. Keine kurzweilige Angelegenheit, benötigt man doch eine abgeschlossene Ausbildung im Metallbau (3 1/2 Jahre) sowie ein 2-jähriges Praktikum bei einem zugelassenen Hufschmied. Erst dann folgt der 4-monatige Lehrgang mit einer staatlichen Abschlussprüfung bei einer staatlich anerkannten Hufbeschlagschmiede.

Jeder ist seines eigenen Glückes Schmied

Dachte sich wohl auch Jens, als er diesen Leitsatz beherzigte und sich vor gut 11 Jahren selbständig machte. In den 5 Jahren zuvor sammelte er Berufserfahrung. Heute zählt er die Kreise Kiel und Plön sowie den Ostholsteiner Raum zu seinem Einzugsgebiet, aber auch international ist sein Geschick gefragt. So buchte ihn ein amerikanisches Team für eine Reihe von Turnieren in Spanien. Während dieser Zeit begleitete er das Team auf seinen Reisen.

Altes Eisen rostet nicht!

Gewissermaßen gehört Jens zur alten Schule. Er hat noch die Zahnpflege für Pferde gelernt. Weit früher führte ein Hufschmied sogar die Kastration durch. Diese Aufgaben werden mittlerweile vom Tierarzt übernommen. Was bleibt, ist das gute Zusammenspiel. Jens arbeitet Hand in Hand mit vielen Tierärzten und besucht einmal in der Woche drei Tierkliniken. Dort bekommen vierbeinige Patienten mit Problemen im Knochenbau, in den Beinen oder Sehnen orthopädische Beschläge.

Insbesondere im Sommer, wenn die Pferde auf das frische Gras kommen, steigt die Zahl der Notfälle. „Hufrehe“ ist das Stichwort, eine schmerzhafte Erkrankung, die meist durch eine Eiweißvergiftung entsteht. Zunehmend wird deutlich, dass die Arbeit des Hufschmiedes überaus facettenreich ist. Was dem ersten Anschein nach wirkt wie eine Pediküre fürs Pferd, ist gründliche Präzisionsarbeit.

Mit allen Eisen beschlagen

Ein guter Hufschmied sieht sich jedes Tier genau an, studiert seinen Körperbau und beurteilt anschließend, wie er die Hufe fachgerecht hinstellen, ausschneiden oder korrigieren muss. Jedes Hufeisen wird individuell angepasst. Alle 6 – 8 Wochen ist diese Prozedur notwendig, um sowohl die Gesundheit als auch den Gebrauchszweck des Tieres auf lange Sicht zu erhalten. Apropos Gebrauchszwecke: Derer gibt es viele. Ob Springpferde, Rennpferde, Vielseitigkeitspferde, Distanzpferde oder Western- und Freizeitpferde – sie alle benötigen unterschiedliche Beschläge. Ein Dressurpferd z. B. wird meist mit längeren Eisen beschlagen, da es stark auf dem Hinterhuf aufsetzt und die zusätzliche Belastung der Sehnen kompensiert werden muss.

Gearbeitet hat Jens schon mit allen. Auch mit der Prominenz! Unter anderem zählte er das Vielseitigkeitspferd Amadeus (Olympiade) zu seinen Patienten. Und – als Hufschmied in Schleswig-Holstein fast schon eine Selbstverständlichkeit – viele Springpferde, die im internationalen Wettbewerb antreten.

Eine echte Mammut-Aufgabe

Als besonders skurriles Erlebnis bleibt Jens die Arbeit für einen Zirkus in Erinnerung. Die Zehen eines Elefanten zu verschönern war definitiv eine reizvolle Abwechslung. Nur der Stier in seinem Gehege schien ihm doch etwas suspekt, und so lehnte er diesen Teil des Auftrags dankend ab. Pech für einen Zirkusangestellten, der jetzt diese undankbare Aufgabe übernehmen sollte. Denn wenn Laien einen ohnehin reizbaren Stier ausschneiden sollen, ergibt das einen einfachen Dreisatz: Rico musste rein, Rico musste ran, Rico flog hoch durch die Luft. Keine Sorge, Rico geht es gut. Künftig aber wird er wohl die Klauenpflege anderen überlassen.

ath

Fotos: Bevis