Artikel dieser Ausgabe aus Familie & Gesellschaft
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Nach anderen Maßstäben.
Der Schweriner Landtag als Modell für einen Wettbewerb zur Neugestaltung des Plenarsaals im Maßstab 1:50.
Moderne Gebäude sprengen immer wieder alle bisher dagewesenen Größendimensionen. Hochhäuser erreichen inzwischen Höhen von mehr als 800 Metern, Flughafenterminals erstrecken sich über mehrere Kilometer in die Länge. Aber: Jedes noch so große Bauprojekt hat einmal ganz klein angefangen. Als Modell.
Bengt Brandt hat sich mit seinem Kieler »Studio für Objektgestaltung« auf die Herstellung solcher Architektur-Miniaturen spezialisiert. Ein Berufsbild voller Kontraste, bei dem neben dem Einsatz von modernsten Techniken ein besonders ruhiges Händchen und das Auge fürs Detail auch heute noch
unverzichtbar sind.
Klare Entscheidung.
Der berufliche Werdegang des 48-Jährigen ist schon seit frühester Kindheit vorgezeichnet: Bereits im Alter von drei Jahren baute er sich seine Spielzeuge lieber nach eigenem Gusto selbst, als sich mit schnöder Massenware zufriedenzugeben. Im Laufe der Zeit wurde aus dem spielerischen Umgang mit Modellen eine wahre Leidenschaft, die keine Zweifel mehr offenließ, was er wohl später einmal beruflich machen würde.
Als echter Autodidakt von klein auf entschied er sich aber doch dagegen, eine klassische Ausbildung als Modellbauer zu absolvieren – in diesem Bereich konnte er ohnehin nicht mehr viel Neues lernen. Stattdessen war für ihn ein Designstudium das geeignete Mittel, um seinen Horizont noch zu erweitern.
Ganz klar, dass er in dieser Zeit nebenher keinen normalen Studentenjob annahm, sondern sein erstes eigenes Geld unter anderem mit dem Bau von Modellen für Kommilitonen verschiedener Fachbereiche hinzuverdiente!
Klein-Arbeit.
Nach dem Studium stürzte er sich direkt ins kalte Wasser, was ein paar harte Jahre mit sich brachte. Der potentielle Kundenstamm eines professionellen Modellbauers ist nämlich zunächst einmal nicht sehr groß. In dieser kleinen, aber durchaus umkämpften Branche braucht man einiges an Durchhaltevermögen, bis man wirklich gut von ihr leben kann. Bei Brandt war dies vor rund zwölf Jahren der Fall, als er sich entschloss, endlich sein eigenes Studio mit umfassend ausgestatteter Werkstatt zu eröffnen.
Die meisten Aufträge bekommt er heute von Architekturbüros und Immobilienfirmen, die aktuelle Bauprojekte visualisieren lassen möchten. Aber auch Designer oder Ingenieure, die verschiedenartigste Schaustücke benötigen und ein Produzent für Modellbahn-Häuser gehören
zu seinen Kunden.
Echt unersetzlich.
Obwohl man in unserer digitalen Welt annehmen möchte, dass reine 3-D-Animationen auf großflächigen Bildschirmen den aufwändigen Modellen den Rang ablaufen müssten, hat er vor dieser Konkurrenz keine Angst. Ganz im Gegenteil: Eine real existierende Miniatur-Ausgabe scheint gerade angesichts des multimedialen Überflusses wieder von größerem
Interesse zu sein.
Die Erfahrung, ein Objekt wirklich mit den eigenen Sinnen erleben zu können, ist in den Augen des Modellbauers nämlich nach wie vor unersetzlich. Dies wird für ihn immer dann wieder besonders deutlich, wenn er in den Skizzen und Plänen eines Projektes Unstimmigkeiten findet, die sich erst offenbaren, wenn man das Gebäude auch wirklich baut.
Solche Fehler würden in der Realität später teilweise erhebliche Probleme verursachen. Einige Bauvorhaben werden daher sogar heute noch hauptsächlich anhand von Schaumodellen geplant und erst später am Computer in die eigentlichen
Baupläne umgesetzt.
Teilchen-Beschleuniger.
Auch Bengt Brandt kommt heute natürlich nicht mehr ohne den Computer aus. Ein wichtiges Utensil für seine Arbeit ist beispielsweise die computergesteuerte CNC-Fräse, die ihm dabei hilft, die benötigten Bauteile schnell und zehntelmillimetergenau auszuschneiden - denn das können bei komplexeren Modellen durchaus einige tausend sein! Außerdem bekommt er inzwischen nahezu alle seiner Arbeitsgrundlagen als Datei zugeschickt und kann damit das Modell vorbereiten.
Bei den »Präsentationsmodellen« in Maßstäben von 1:200 bis 1:50 geht es in der Regel um die detaillierte, originalgetreue Ausarbeitung des Objektes, für die der »Bauherr« auch zu Materialien wie Plexiglas, Pappe und Kunststoffen (Polystyrol/Necuron) greift. Die so genannten »Massemodelle« im Maßstab 1:500 (oder kleiner) sollen nur einen groben Eindruck von einer architektonischen beziehungsweise städteplanerischen Grundidee vermitteln. Sie werden häufig aus solidem Lindenholz gefertigt, das sich einfach und ohne zu fasern bearbeiten lässt.
Mehr als Leidenschaft.
Zu den unverzichtbaren Grundvoraussetzungen eines Modellbauers zählen ausgeprägtes räumliches Vorstellungsvermögen, Fingerfertigkeit sowie eine besonders große Portion Ausdauer. Während einfache Modelle in ein bis zwei Tagen fertig gestellt werden können, brauchen andere mehrere Monate, bis alle filigranen Elemente zusammengesetzt wurden. Jede kleine Ungenauigkeit kann sich dabei später dramatisch auswirken.
Das größte Modell, das Bengt Brandt bisher angefertigt hat, wog bei einer (mehrteilig aufgebauten) Grundfläche von insgesamt drei Quadratmetern am Ende rund 50 Kilogramm. Viel Geduld muss man auch im Zusammenspiel mit den Kunden aufbringen: Sie haben natürlich ihre ganz eigenen Vorstellungen; und Änderungswünsche sind im Nachhinein oft nur noch schwer umsetzen.
Wenn er gerade ein bisschen Muße dafür findet, baut er privat übrigens weiterhin am liebsten Spielzeug. Aber nicht mehr so einfaches wie früher: Im MOment entwickelt er gerade sein eigenes, voll einsatzbereites Doppeldecker-Flugzeugmodell.
Weitere Infos unter www.modellbau-kiel.de









