Artikel zum Thema Familie&Gesellschaft

 
Sie sind hier: Familie & Gesellschaft / Artikel
Mittwoch, 23. Mai 2012
...

Artikel dieser Ausgabe aus Familie & Gesellschaft

Na, dann gute Nacht!

Der 27. Juni ist der so genannte Siebenschläfertag. Nach alten Bauernregeln ist das Wetter an diesem Tag wegweisend für den ganzen Sommer. Doch hat der gleichnamige Nager damit etwas zu tun?

Auch wenn der Siebenschläfer (Glis glis) die meiste Zeit des Jahres mit dem Winterschlaf verbringt, so ist er am 27. Juni schon längst wieder putzmunter. Um das »Aufwachdatum« des Nagers kann es sich also nicht handeln. Tatsächlich ist der kalendarische Siebenschläfertag im kirchlichen Namenskalender sieben Jünglingen aus Ephesus gewidmet, die wegen ihres Glaubens verfolgt wurden, in eine Höhle flohen und dort auf Befehl des Kaisers Decius im Jahr 251 eingemauert wurden.

Der Legende nach entdeckte man die sieben Christen etwa 200 Jahre später durch einen Zufall in der Grotte – und, welch Wunder, sie waren allesamt am Leben! Die Grotte der Sieben Schläfer ist heute noch im Ruinengelände der antiken türkischen Stadt Ephesus zu besichtigen. Eine schöne Geschichte. Aber irgendwie auch schade. Denn so wird nun nichts aus dem Zusammenhang mit unserem Siebenschläfer – was uns aber nicht davon abhält, diesen kleinen Störenfried einmal näher unter die Lupe zu nehmen.

Nachts sind nicht nur alle Katzen grau
Der Siebenschläfer gehört zur Familie der Schläfer, die auch als Bilche oder Schlafmäuse bezeichnet werden. Von seiner Gestalt her erinnert das knapp 200 Gramm leichte Fliegengewicht mit dem buschigen Schwanz an das ebenso flinke Eichhörnchen, ist aber deutlich kleiner und hat nicht rötlich, sondern gräulich gefärbtes Fell mit einer weißen Körperunterseite. Das Gesicht mit den dunklen, runden Augen ähnelt wiederum eher dem einer Maus.

Wie es für nachtaktive Tiere typisch ist, arbeitet sein Gehör ausgezeichnet und sowohl Geruchs- als auch Tastsinn sind bei Dunkelheit geschärft. Denn in tiefster Nacht verlässt sich der kleine Nager beim Klettern und gewagten Sprüngen lieber nicht nur auf seine Augen, da die eher auf die Dämmerung ausgerichtet sind.

Wer sich auf die Suche nach einem Siebenschläfer machen möchte, hat in Laub- und Mischwäldern oder großen (Obst-)Gärten die besten Chancen. Der kleine Kerl wählt für seine ausgedehnte Tagesruhe die abgeschiedenen Plätze von Baumlöchern, Vogelhäuschen und Hausdächern, wohingegen er seinen Winterschlaf auch gern in einer Bodenhöhle verbringt.

Schön, diese Stille
Doch bevor es in eben jenen Winterschlaf geht, der sich – je nach Witterungsbedingungen – leicht von Anfang September bis Anfang Mai (also mehr als sieben Monate!) hinziehen kann, muss der Siebenschläfer erst einmal eine gehörige Portion Kalorien zu sich nehmen. Schließlich erhöht eine große Körperfettschicht die Überlebenschance, da diese Schlafmaus keine Wintervorräte anlegt, sondern die ganzen Monate, abgesehen von ein paar wenigen Aufwach- und Aufwärmmomenten, durchschläft.

Vor der Ruhepause stehen daher besonders öl- und fetthaltige Nahrungsprodukte wie Bucheckern, Eicheln, Haselnüsse oder Kastanien auf dem Speiseplan. Ist der Winterschlaf dann im Mai vorbei, geht es für den Siebenschläfer wieder rund: Jetzt heißt es, die Figur mithilfe von Knospen, Baumrinden, Früchten und Pilzen sowie Insekten, Vogeleiern oder sogar kleinen Vögeln wieder in Topform zu bringen, schließlich wartet irgendwo ein paarungsbereites Weibchen auf ihren »Adonis«. Nach der Paarung, die für das Weibchen eine Tragzeit von etwa einem Monat und eine Aufzucht von durchschnittlich fünf Jungen pro Wurf bedeutet, kann sich das Männchen seiner anderen Vorliebe widmen: nämlich uns Menschen den Schlaf zu stehlen!


Vorsicht Unruhestifter!
So niedlich Siebenschläfer auch aussehen, in ihnen stecken (im Wachzustand) kleine Tyrannen! Durch ihren ausgeprägten Nagetrieb können sie nämlich nicht nur große Materialschäden anrichten, sondern uns mit dem Lärm, den sie in der Nacht verursachen, auch »den letzten Nerv rauben«. Falls Sie nun auf den Gedanken kommen sollten, Ihren Siebenschläfer einfangen und aussetzen zu wollen: Er steht unter Naturschutz und darf höchstens mit tierfreundlichen (Duft-)Methoden vertrieben, nicht aber gefangen werden. Außerdem hätte das Aussetzen kaum einen Sinn, da Siebenschläfer über weite Strecken den Weg zurückfinden. Besser ist es, sich mit seinem Hausgast irgendwie zu arrangieren.

Um es anders auszudrücken: Es ist vielleicht doch ganz schön, dass Siebenschläfer mehr als sieben Monate schlafen …chris

»Wie komm ich da bloß rein?« Es gibt doch immer Mittel und Wege ...
Auch in einem possierlichen Tier kann ein kleiner Tyrann stecken.