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Mittwoch, 23. Mai 2012
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Artikel dieser Ausgabe aus Familie & Gesellschaft

Meine Art zu leben

Tier und Mensch: Robbe

Hätten Sie gewusst, dass Rob­ben von ihrer Gattung her zu den zum Wasserleben über­ge­gangenen Raubtieren zählen? Ja, es gibt so einiges, was man über Robben nicht weiß.

Beginnen wir erst einmal damit, der Verwirrung „Ist eine Robbe nun ein Seehund oder umgekehrt?“ ein Ende zu bereiten: Die heute lebenden 33 Robbenarten werden traditionell in drei Familien eingeteilt: Erstens ist da die Familie der Hundsrobben. Sie umfasst eine Vielzahl kleinerer Robbenarten, zu denen etwa Seehunde und Kegelrobben, aber auch die riesigen See-Elefanten gehören.

Dann gibt es zweitens die Familie der Ohrenrobben. Zu den 14 Arten dieser Gruppe gehören vor allem große, Kolonien bildende Robbenarten wie Seelöwen und Seebären. Zur dritten Familie zählen die Walrosse, die heute leider nur noch durch diese eine Art vertreten sind.

Der perfekte Lebensraum
Der Großteil der Robben bevölkert die polaren und subpolaren Breiten. Es ist schon faszinierend, über welchen bemerkenswerten Arten- und Formenreichtum die Meere der Arktis und Antarktis verfügen! Hier scheint das Getümmel eine wahre Freude für die Robben zu sein – ein perfekter Lebensraum.

An den Küsten von Nord- und Ostsee gibt es lediglich drei Robbenarten: den Seehund, die Kegelrobbe und die Ringelrobbe. Während der Seehund in der Nordsee allgegenwärtig ist, stellt er in der Ostsee eine Rarität dar. Wer sich auf die Suche nach Kegelrobbenkolonien machen möchte, wird – auf deutschem Boden – westlich von Amrum sowie auf Helgoland fündig. Die Ringelrobbe lebt eher im Finnischen und Bottnischen Meerbusen der Ostsee und gelangt nicht an deutsche Küsten.

Aus dem Meer an Land und wieder zurück
Robben leben zwar die meiste Zeit über im Meer, aber sie müssen auch immer wieder an Land. Dies ist der Grund dafür, warum sie sich nicht allzu weit von der Küste entfernen. Während Robben im Wasser alle Vorteile ihres Körperbaus ausspielen, wirken sie an Land eher unbeholfen – was nicht heißen soll, dass sie hier wenig effektiv sind, schließlich finden auch Paarung und Jungenaufzucht an Land statt. Die Jungtiere könnten zwar theoretisch von Anfang an schwimmen, aber da sie noch nicht über eine ausreichende Fettschicht verfügen, die für genügend Auftrieb und Wasserabweisung sorgt, gehen sie erst im Alter von einigen Wochen erstmals ins Wasser.

Alle Sinne geschärft?
Da Robben sowohl unter Wasser als auch an Land leben, werden sie mit den unterschiedlichsten Anforderungen konfrontiert. Aber keine Angst, die Natur hat sie recht gut ausgestattet:

Ihre Haut bietet ihnen viel Schutz, zum Beispiel vor Auskühlung. Manche Robbenarten besitzen unterhalb der Haut eine bis zu zehn Zentimeter dicke Fettschicht, die Nährstoffspeicher und Auftriebshilfe gleichzeitig ist. Ihre Augen ermöglichen eine gute Unterwassersicht, und trotz der oft geringen Lichtintensität unter Wasser können sie gut gucken. Leider sind sie an Land stark kurzsichtig, weil hier eine andere Lichtbrechung herrscht.

Obwohl die Ohren der Robben äußerlich verkümmert sind, besitzen sie ein exzellentes Gehör, vor allem unter Wasser. Hier nehmen Robben wesentlich höhere Töne wahr als der Mensch. Und auch ihr Geruchssinn ist weit entwickelt, spielt er doch insbesondere bei Begegnungen mit Artgenossen eine Rolle, sei es zwischen Mutter und Kind oder bei der Paarung.

Fressen und gefressen werden
Robben ernähren sich von Fisch, Fisch und nochmals Fisch. Aber auch Robben dienen ihrerseits als Nahrungsquelle, und zwar stehen sie auf dem Speiseplan von Haien, Schwertwalen, den Eisbären in der Arktis und den Seeleoparden (selbst eine Robbenart!) in der Antarktis.

Hat eine Robbe das „Glück“, nicht frühzeitig ihr Leben lassen zu müssen, so kann sie im Schnitt sogar bis zu 30 Jahre alt werden. Aber das ist in 90 Prozent aller Fälle nur blanke Theorie. Denn nicht nur die natürlichen Feinde machen den Robben das Leben schwer. Auch der Mensch gibt sich leider alle „Mühe“, den Bestand immens zu minimieren, besonders im kanadischen Packeis, wo jährlich rund 275 000 Robben getötet werden. Und in Norwegen und in Namibia müssen Robben als Sündenböcke für den schwindenden Fischbestand herhalten. Reine Augenwischerei!, schimpfen Tierschutzorganisationen wie z. B. die IFAW (International Fund of Animal Welfare). Was helfen könnte? Zum Beispiel nationale Handelsverbote für alle Robbenprodukte, sagen sie. Wahrscheinlich ein langer Kampf …chris

Fotos: IFAW/S. Cook (2), IFAW/D. White (2)