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Samstag, 04. Februar 2012
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Artikel dieser Ausgabe aus Familie & Gesellschaft

Kleiner Krieger mit Krallen.

In ihrer Heimat leben Mongolische Wüstenrennmäuse in freier Natur. Bei uns sind sie aber auch gern als Haustier gesehen.

Ob Meriones unguiculatus, so der lateinische Name der Wüstenrennmaus, nun tatsächlich »Krieger mit Krallen« bedeutet, weil er sich auf den persischen Kriegsgott Meriones bezieht, oder nicht, spielt eigentlich gar keine wesentliche Rolle. Fakt ist, dass diese flinken Rennratten häufig als Haustier gehalten werden – trotz ihrer auffallend langen Krallen und ihrer Lust, bei Freigang ihr Unwesen zu treiben.

Die Mongolische Wüstenrennmaus ist eine zu den Rennratten gehörende Art der Rennmäuse und lebt in den Steppen, Halbwüsten, Wüsten sowie Grasländern der Mongolei. Auch in den angrenzenden Sandwüsten-Gebieten im Norden und Nordosten Chinas, in der Mandschurei sowie im Süden Sibiriens ist sie in großer Zahl zu finden.  

Keine Einzelhaft, bitte.
Positiv auf die Populationsgröße in der freien Natur wirkt sich die Tatsache aus, dass weibliche Rennmäuse schon nach zirka acht Wochen und Männchen mit zirka zwölf Wochen geschlechtsreif sind und nach einer kurzen Tragzeit von nur etwas über 20 Tagen im Durchschnitt fünf Junge zur Welt kommen. Doch was für ein Leben in freier Natur positiv ist, kann in einem Käfig zu einem echten Desaster werden!

Trotz des Fortpflanzungs-Wahns sollte eine Rennmaus niemals zu einem Leben in Einzelhaft gezwungen werden. Auffällige Verhaltungsstörungen könnten die Folge sein. Die ideale Zusammensetzung sind zwei oder mehrere gleichgeschlechtliche Rennmäuse, sofern der Akt der Vergesellschaftung überhaupt auf Anhieb klappt. Denn auch hierbei kann es zu Komplikationen kommen:  

Man muss wissen, dass Rennmäuse in ihrer natürlichen Umgebung in Kolonien leben, die von vielen kleinen Familien gebildet werden. Jede dieser Familien bewohnt ein eigenes Gangsystem und kontrolliert ihr eigenes Revier. Solange eine Familienbande die Reviergrenzen der anderen respektiert, gibt es keinen Streit. Ist dies nicht der Fall, kommt es zu heftigen Revierkämpfen.

In der freien Natur gehen solche Kämpfe meist unblutig aus und enden mit der Flucht des Störenfrieds. Da dies in Gefangenschaft, das heißt im Käfig nicht möglich ist, sind hier Revierkämpfe wesentlich gefährlicher. Können sich Wüstenrennmäuse aber »gut riechen«, dann zeigen sie ihre soziale Ader und genießen ausgiebige Fellpflege und das Kuscheln mit dem Artgenossen.  

Die Vergesellschaftung zweier oder mehrerer Tiere ist also eine Art Pokerspiel und verläuft nicht immer mit Erfolg. Sollten tatsächlich alle Versuche scheitern, dann bleibt nichts anderes übrig, als die Tiere in getrennten Terrarien oder Käfigen zu halten oder den Versuch mit einer anderen Gruppe zu wiederholen.

Auf der Suche nach Beschäftigung.
Auch wenn man glaubt, dass so ein kleines Wesen, das kaum länger ist als 15 Zentimeter, knapp 100 Gramm wiegt und nur etwa drei bis vier Jahre alt wird, keine Ansprüche an sein Leben stellt, dann irrt man gewaltig. Eine Rennmaus möchte nicht nur gut speisen, sondern verlangt auch ein hohes Maß an Beschäftigung.

Was das Futter anbelangt, so ernährt sich eine frei lebende Wüstenrennmaus bevorzugt von grünen Pflanzenteilen sowie von Pflanzensamen. Da sie keinen Winterschlaf hält, müssen natürlich auch Wintervorräte in Form von Samen und Früchten her, die in ihrem unterirdischen Bau versteckt werden.

Für die im Haus gehaltene Rennmaus gibt es Fertigmischungen zu kaufen, die mit Grünfutter, Obst und Gemüse ergänzt werden können. Besonders wichtig ist es, der Rennmaus das Futter nicht einfach vor die Nase zu stellen, sondern sie danach im ganzen Käfig suchen zu lassen. So wird jede Mahlzeit zu einer sinnvollen und zeitintensiven Beschäftigung!

Ab durch die Mitte.
Neben der Futtersuche gibt es noch etwas, was einer Rennmaus-Truppe Riesenspaß macht: der Freilauf in der Wohnung! Aber Achtung, es gibt zwei Gefahrenquellen: Zum einen sind es die klitzekleinen Ritzen und Winkel im Zimmer, von denen man nicht einmal gewusst hat, dass sie existieren, die aber für eine Rennmaus groß genug sind, um sich darin zu verstecken, und zum anderen ist es die Frage: Wie fange ich die Mäuse wieder ein?

Hat man zutrauliche Mäuse, hat man Glück. Denn sie kommen ganz von selbst auf die Hand. Hat man sie nicht, sollte eines oberstes Gebot sein: Das Einfangen muss gewaltfrei bleiben!

Wer also Tiere liebt, die tag- und nachtaktiv sind und zwischendurch immer wieder kleine Schlafpausen einlegen, dann sind Rennmäuse genau richtig. Allerdings sollte man sich klar machen, dass sich Rennmäuse nur wenig bis gar nicht an ihre Menschen binden. Liebe aufzwängen bringt nichts. Im Gegenteil: Fühlen sie sich bedroht, dann zeigen sie keine Scheu und beißen kräftig zu.

Selbst der kleinste Krieger weiß sich zu wehren …chris

Fotos: Marcel Burkhardt (1), Shutterstock (1)