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Mittwoch, 23. Mai 2012
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Artikel dieser Ausgabe aus Familie & Gesellschaft

Keiner glaubt den coop-Kids

Vorlesegeschichte

„Mistwetter“, schimpft Carlotta mürrisch und zieht sich die Kapuze ihrer Regenjacke noch etwas weiter ins Gesicht. Sehnsüchtig denkt sie an den Sommer zurück – die supergeniale Fußball-WM, Sonne und Strand satt. Viel zu schnell sind die großen Ferien zu Ende gegangen.
„Wenigstens sind die coop-Kids jetzt wieder alle da“, denkt Carlotta, während sie durch den Novemberregen stapft.
Seit Carlotta und ihre besten Freunde Olli, Onur und Paula vor einigen Monaten einer älteren Frau, die in einem Supermarkt bewusstlos geworden war, geholfen haben, sind sie als die coop-Kids bekannt geworden. Deren Motto lautet: „Helfen, wann immer es geht.“ Nach und nach haben sich ihnen immer mehr Kinder angeschlossen.
Es ist schon ziemlich voll, als Carlotta die Tür zum Clubhaus, einer geräumigen Holzhütte im Garten von Paulas Oma, aufmacht.
„Na Leute, wie sieht’s aus?“, ruft sie in die Runde, während sie sich die tropfnasse Regenjacke auszieht.
„Total ätzend“, antwortet Paula brummig. „Mein Handy ist geklaut worden.“
„Meins auch“, meldet ein anderer Junge sich und Olli fügt hinzu: „Frau Schuster und Herr Beus vermissen ihre Geldbörsen. Wahrscheinlich auch geklaut.“
„Ist ja krass“, ruft Carlotta aus. „Habt ihr irgendeine Ahnung, wer damit zu tun haben könnte?“
„Nein, aber Herr Beus verdächtigt uns“, antwortet Onur empört. Carlotta sieht ihn ungläubig an.
„Wie kommt er denn darauf? Warum sollten Paula und Felix ihre eigenen Handys stehlen?“
„Tja …“, murmelt Olli nur und zuckt ratlos die Schultern.
An diesem Nachmittag ist die Stimmung im Clubhaus ziemlich bedrückt. Aber eins ist allen klar: So einen Vorwurf können die coop-Kids auf keinen Fall auf sich sitzen lassen. Sie wollen in der nächsten Zeit besonders aufmerksam sein.
Ein paar Tage später ist die Laune endgültig im Keller. Deutlich merken Carlotta, Paula, Onur und Olli, dass ihnen kaum noch einer vertraut. Immer weniger Leute bitten um die Hilfe der coop-Kids. Traurig wollen die Freunde gerade den Supermarkt verlassen, als Paula plötzlich ihre Freunde zurückhält.
„Hey, den Typ da hab’ ich schon mal gesehen“, flüstert sie und deutet auf einen jungen Mann, der einer älteren Dame etwas aus der Jackentasche zieht, während er sich freundlich mit ihr unterhält. Die Geldbörse, die er erbeutet, gibt er schnell seinem Komplizen, der unauffällig an den beiden vorbeigeht.
„Los, die schnappen wir uns“, raunt Olli seinen Freunden wütend zu, aber Paula schüttelt den Kopf.
„Spinnst du? Die sehen ziemlich professionell aus, glaubst du, die lassen sich von uns die Tour vermasseln? Am besten holt ihr den Marktleiter. Carlotta und ich behalten die beiden im Auge.“
Murrend ziehen Olli und Onur ab und kommen kurze Zeit später mit dem Marktleiter und zwei Verkäufern wieder.
Als einer der Diebe merkt, dass sein Komplize festgehalten wird, will er sich schnell aus dem Staub machen, aber er hat die Rechnung ohne Paula gemacht.
„Keine Chance“, knurrt sie und stellt ihm schnell ein Bein. Mit viel Getöse landet er mitten in einem Dosenregal.
„Gut gemacht“, lobt der Marktleiter die Freunde. „Ich werde dafür sorgen, dass euer guter Ruf wiederhergestellt wird.“
Am nächsten Tag steht ein großer
Korb mit Nasche-reien vor der Tür des Clubhauses. Auf einer kleinen Karte steht:
„Entschuldigt bitte! Max Beus.“    

Catrin Liebscher

Illustrationen: Karin Zander