Artikel dieser Ausgabe aus Familie & Gesellschaft
Meine Gesundheitsapotheke
Keine Zeit, keine Zeit ...
Das erste Treffen im Clubhaus seit fast zwei Wochen! Carlotta, Paula und Onur sind schon da, nur Olli ist mal wieder zu spät.
»Das darf doch nicht wahr sein«, brummt Onur ärgerlich, als sein Freund nach einer Viertelstunde noch immer nicht aufgetaucht ist. In diesem Moment fliegt die Tür des Clubhauses auf und Olli kommt atemlos hereingestürzt.
»Sorry...«, japst er und lässt sich entkräftet in einen Sessel fallen, »... musste noch kurz `nem Kumpel was am Computer erklären.«
»Na toll!«, blafft Onur ihn an. »Wie immer. Musste noch, musste noch ... das ist das einzige, was wir in letzter Zeit von dir zu sehen, oder besser gesagt zu hören kriegen. Musste noch zum Handball, musste noch zum Schlagzeugunterricht, musste noch den Rasen mähen, musste noch ...«
»Hallo? Spinnst du?«, gibt Olli mit hochgezogenen Augenbrauen zurück. Er versteht überhaupt nicht, warum Onur so sauer ist.
Doch Onur ist noch nicht fertig. Wütend springt er auf. »Für uns hast du keine Zeit mehr, hängst lieber mit diesen Skateboard-Typen rum statt deine Aufgaben für den Einkaufsservice zu erledigen. Dreimal musste ich dich jetzt schon vertreten. Mir reicht´s!«
Jetzt platzt auch Olli der Kragen. »Eyh, ich hab´s echt nicht nötig, mich hier so anmachen zu lassen. Hab´ genug anderes auf dem Zettel stehen. Also, schönen Tag noch!«
Ohne ein weiteres Wort geht Olli und lässt seine Freunde ratlos und mit offenem Mund zurück.
»Was war das denn jetzt?«, fragt Paula, die nach einer Weile als Erste die Sprache wiederfindet. Carlotta schüttelt, noch immer fassungslos, den Kopf und zuckt gleichzeitig die Schultern.
»Ich glaub´, der hat irgendwie Stress«, murmelt sie. Onur schnauft nur verächtlich.
Bevor die drei noch eine Erklärung gefunden haben, öffnet sich die Tür zum Clubhaus mit leisem Quietschen – und ein zerknirscht aussehender Olli steckt den Kopf herein.
»Tut mir leid«, sagt er. »Kann ich wieder reinkommen?«
»Ich weiß ja, dass ihr recht habt«, erklärt er, als alle kurze Zeit später mit einem Glas Cola in der Hand zusammensitzen, »aber ich hab´ in letzter Zeit einfach so viel um die Ohren, dass ich nicht mehr weiß, wie ich das alles schaffen soll. Jeder will was von mir. Ihr, meine Eltern, die Skateboarder, meine Freunde im Chat, dann sind da noch die Netzwerk-Partys, Handballtraining, Schlagzeug und für die Schule muss ich auch was tun.«
»Du willst einfach alles ... und alles auf einmal«, brummt Onur. Olli wirft ihm einen ärgerlichen Blick zu, doch bevor er etwas erwidern kann, mischt Carlotta sich ein.
»Vielleicht würde es dir helfen, als erstes mal die Zeiträuber auszuschalten«, schlägt sie vor und erntet fragende Blicke.
»Na ja, wenn ich nur an deinen chaotischen Schreibtisch denke, auf dem sich alles türmt und stapelt ... du bist ständig dabei, etwas zu suchen. Das kostet Zeit. Genauso wie langes Telefonieren mit Leuten, die du ohnehin am gleichen Tag noch triffst. Guck mal ins Internet, da gibt es haufenweise Tipps zum Zeit sparen.«
»Gute Idee«, wirft Paula grinsend ein. »Und such auch gleich nach einer Anleitung für Wie lerne ich, an den richtigen Stellen Nein zu sagen.«
Catrin Liebscher



