Artikel dieser Ausgabe aus Familie & Gesellschaft
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Keine Angst, Rotkäppchen!
Erstmals seit über 150 Jahren gibt es sie wieder: Wölfe in Deutschland. Die einen begrüßen diese Tatsache, andere haben Angst.
Die Wolfsvorkommen stellen uns vor neue Herausforderungen, Fragen werfen sich auf. In unseren Köpfen entstehen Bilder vom armen Rotkäppchen und dem bösen Wolf. Denn ist es nicht die Märchen- und Sagenwelt, die uns das unschöne Bild vom Wolf schuf? Der NABU, Tierschützer und Wolfliebhaber haben nicht zuletzt ihretwegen heute alle Hände voll zu tun, ein positives Gegenbild vom Wolf zu erschaffen.
Der Wolf (Canis lupus) ist eine Raubtierart aus der Familie der Hunde. Er war bis zur Entwicklung von Land- und Herdenwirtschaft das am weitesten verbreitete Raubtier der Erde und in ganz Europa, Asien, Nordafrika sowie in Nordamerika beheimatet.
Ein Anfang ist gemacht
In weiten Teilen dieses einst riesigen Verbreitungsgebietes, besonders in Europa und Nordamerika, wurde die Art durch intensive Verfolgung durch den Menschen ausgerottet. Erst in den letzten 30 Jahren haben der gesetzliche Schutz und die damit einhergehende Einstellung der legalen Tötungen zu einer langsamen Erholung des Wolfsbestandes geführt. Derzeit leben beispielsweise in Europa bereits wieder zirka 20 000 Wölfe.
Je nach Lage ihres Lebensraumes besteht ihre Grundnahrung aus mittelgroßen bis großen pflanzenfressenden Säugetieren, wobei der Wolf in nahrungsarmen Zeiten auch Aas und Abfälle frisst. Ihren Fleischkonsum ergänzen sie mit pflanzlicher Nahrung wie Heidelbeeren, Preiselbeeren, Brombeeren, Wildobst, Hagebutten sowie Blättern von Seggen und Gräsern. Jungwölfe verzehren sogar Insekten.
Auch in Deutschland gibt es seit Ende der Neunziger wieder dauerhafte Vorkommen von Wölfen, und seit 2000 werden hier sogar wieder jährlich Wolfswelpen geboren.
Ausdauernd und geschickt
Eine Wolfsfamilie nutzt in etwa ein Territorium in der Größe von 300 Quadratkilometern, denn der Wolf ist als ausgeprägter Langstreckenläufer in der Lage, große Distanzen innerhalb weniger Wochen hinter sich zu legen. Wölfe sind dabei sehr anpassungsfähig und stellen keine besonders hohen Ansprüche an ihren Lebensraum. Während im Zoo lebende Wölfe oft über zehn Jahre alt werden, sterben die meisten von ihnen in freier Wildbahn bereits in den ersten zwei Lebensjahren. Laut Statistik werden nur etwa fünf Prozent der frei lebenden Wölfe älter als sechs Jahre. Immer wieder werden Tiere von ihren natürlichen Feinden, wie zum Beispiel Wildschweinen oder Elchen, getötet. Aber auch illegale Jagd sowie der Verkehr tun das Übrige zur Minimierung der Art.
Bedenkt man, dass viele Völker, die von der Jagd lebten, insbesondere die Indianer, den Wolf verehrten und ihn wegen seiner Ausdauer und seines Geschickes mit großem Lob priesen, so sehr schadeten Märchen und Mythen des Mittelalters und der frühen Neuzeit seinem Image. Hinzu kommt die Tatsache, dass der Wolf in Extremsituationen leider auch Nutztiere reißt. Das Ende vom Lied: Die Menschen haben nicht nur ein falsches Bild von ihm, nein, viele haben regelrecht Angst. Dabei entstehen im Normalfall für die Menschen, die in der Nähe von Wolfsregionen leben, keine direkten Gefahren.
Auf den Hund gekommen?
Wenn der Wolf einem unserer vierbeinigen Freunde zum Verwechseln ähnelt, dann ist es der große Haushund. Generell ist die Fellfärbung der Wölfe – genau wie bei Hunden – sehr variabel, wobei die europäischen Vorkommen eher einheitlich graubraun sind. Auch über das Gewicht der Wölfe lassen sich unterschiedliche Angaben machen, so schwankt es zwischen 20 Kilogramm bei einer arabischen Art und 45 Kilogramm bei einem Wolf aus Alaska. In Extremfällen kann ein Wolf auch bis zu 70 Kilogramm wiegen. Mitteleuropäische Wölfe liegen gewichtsmäßig eher im Mittelfeld.
Das, was allen Wolfsarten gemein ist, und was wir auch von unseren Hunden kennen, ist dies: Sie alle leben in einer festen sozialen Ordnung, dem Rudel. Natürlich fungiert der Hundebesitzer oftmals als (Ersatz-)Rudelführer. Wichtig hierbei ist nur, dass er die Spielregeln des Lebens fest vertritt und so für Stabilität im Umgang miteinander sorgt. Nicht anders läuft es bei einem Wolfsrudel: Es besteht aus einem Elternpaar und ihren Nachkommen, die bei ihren Eltern bleiben, bis sie zwei Jahre alt sind. Erst nach Eintritt der Geschlechtsreife suchen sie sich ihr eigenes Revier. Jedes Mal, wenn also neue Welpen geboren werden, unterstützen die Jungwölfe des Vorjahres ihre Eltern bei der Aufzucht. Und damit jeder klar seine Position innerhalb des Familienverbandes kennt, gibt es eine strenge Rangordnung, an die sich jeder Wolf zu halten hat – ohne Wenn und Aber.
Vom konsequenten Verhalten eines ranghohen Wolfes könnte sich so manches Herrchen oder Frauchen eine Scheibe
abschneiden ... chris





