Artikel dieser Ausgabe aus Familie & Gesellschaft
Meine Gesundheitsapotheke
„Hummel, Hummel!"
Tier und Mensch: Hummel
Als Norddeutsche haben Sie bestimmt in Gedanken sofort mit „Mors, Mors!“ geantwortet. Und sollten Sie weiter südlich beheimat sein, wird Ihnen dieser hanseatische Ausruf zumindest schon mal zu Ohren gekommen sein. Fragt sich nur noch, was er mit der echten Hummel zu tun hat.
Machen wirs kurz, die Antwort lautet: nichts. Denn der Spruch „Hummel, Hummel! Mors, Mors!“ geht zurück auf den grimmigen Wasserträger Hans Hummel, der mit bürgerlichem Namen Johann Wilhelm Bentz hieß und von 1787 bis 1854 in Hamburg lebte. Er wurde während seiner Arbeit oft von Kindern geneckt. Und da er ihnen wegen der schweren Eimer Wasser, die er zu tragen hatte, nicht nachlaufen konnte, rief er ihnen meist nur wütend „Mors, Mors!“ nach (was das plattdeutsche „Klei mi ann Mors!“ in Kurzform ist und so viel heißt wie „Du kannst mich mal
“).
Ebenso wenig, wie man das hübsche Insekt mit Hans Hummel gleichsetzen darf, sollte man es mit den Bienen und Wespen durcheinanderbringen. Zugegeben, ihr gemeinsamer Nenner ist ihre Tätigkeit: Drei Viertel aller Blütenpflanzen werden von Hummeln, Bienen und Wespen bestäubt. Und sie gelten allesamt als hoch entwickelte, sogenannte soziale Insekten: Sie bilden einen Staat mit Königin, Arbeiterinnen und Drohnen und haben, je nach Funktion, streng vorgegebene Aufgaben zu erfüllen.
Verwandt und doch so anders
Doch während Bienenstaaten aus etwa 40 000 Tieren bestehen, bringt es ein Hummelstaat nur auf etwa ein Prozent dieser Menge, also auf ein Volk von gerade mal 400. Deshalb herrscht vor dem Eingang eines Hummelnestes auch wesentlich weniger Treiben als vor einem Bienenstock, so dass es in den meisten Fällen tatsächlich von den Hausbewohnern unentdeckt bleibt. Aber dramatisch ist das nicht, denn Hummeln sind gutmütige Wesen und nicht aufs Stechen aus.
Emsiger als eine Biene
Hummeln sind nicht nur friedfertiger als Honigbienen (was nicht heißen soll, dass diese von Natur aus aggressiv sind), sondern auch viel fleißiger: Ihre Bestäubungsleistung ist deutlich größer, im Durchschnitt fliegt eine Hummel bis zu eintausend Blüten am Tag an. Allerdings geht der Verbrauch etwa der Hälfte des so gewonnenen Nektars auf ihr eigenes Konto. Der Grund für diesen hohen Eigenbedarf: Hummeln verfügen über die – extrem seltene – Fähigkeit, ihre Körpertemperatur selbst bei bis zu 5 °Celsius Außentemperatur noch auf etwa 35 °Celsius zu halten. Und so eine Temperaturregelung kostet Energie!
Der Vorteil besteht dabei aus Hummelsicht darin, dass sie selbst noch bei Wetterbedingungen ihren Stock verlassen können, bei denen eine Biene nicht mal einen Hund „vor die Tür jagen“ würde. Wissenschaftler haben sogar herausgefunden, dass Hummeln warmen Nektar bevorzugen und in der Lage sind, eine Verbindung zwischen Blütenfarbe und Nektartemperatur herzustellen. Sie steuern also bei Bedarf gezielt Blüten mit wärmerem Nektar an!
Gefahren lauern überall
Mehr als die Hälfte der rund 36 heimischen Hummelarten sind für die Bestäubung von Obst- und Nutzpflanzen von großer Bedeutung (für die Honiggewinnung werden Hummeln allerdings nie eingesetzt), folglich hat das Tier allein schon aus wirtschaftlicher Sicht eine Existenzberechtigung. Umso verwerflicher ist es, dass ihre Stöcke in nicht geringem Umfang im Rahmen von Flurbereinigungsmaßnahmen oder durch den Einsatz von Pestiziden und Insektiziden vernichtet werden.
Reicht es nicht, dass eine Hummel schon Feinde in den eigenen Reihen hat? Die vagabundierende Kuckuckshummel zum Beispiel dringt als sogenannter Sozialparasit gerne in fremde Nester ein und tötet die Königin, um deren Position einzunehmen! Ist ihr dies gelungen, beginnt sie, die Eier ihrer Vorgängerin aufzufressen und ihre eigenen Eier in die Zelle zu legen. Nach dem Motto: Was Dein war, ist nun Mein!
Das Ende naht
Je nach Hummelart stirbt der komplette Staat inklusive Königin im Juli (Wiesenhummel) oder im Herbst (Ackerhummel). Danach sucht die zu diesem Zeitpunkt bereits begattete Jungkönigin ein passendes Überwinterungsquartier. Sie gräbt sich in den Boden ein und bleibt dort, bis sie im nächsten Frühjahr darangeht, einen neuen Staat zu gründen.
Bedenken Sie also: Wenn Sie im Frühjahr auch nur einer einzigen, dickbäuchigen (weil mit Eiern gefüllten) Hummel das Leben nehmen, so haben Sie nicht nur ein einziges Insekt getötet, sondern gleich einen ganzen Staat...
chris






