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Mittwoch, 23. Mai 2012
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Artikel dieser Ausgabe aus Familie & Gesellschaft

Hilfe für die coop-Kids

Vorlesegeschichte für Kinder

Seit Tagen schneit es. Dicke, weiße Schneeflocken tanzen um Paula herum, die mit Einkaufstüten beladen vorsichtig den Gehsteig entlang schliddert. Konzentriert blickt sie auf den glatten Fußweg und bemerkt nicht die beiden älteren Jungen, die hinter der nächsten Hausecke auf sie warten. Und sie bemerkt schon gar nicht deren hinterhältiges Grinsen...
„Los! Her mit den Tüten!“
Paula schaut erschrocken auf. Vor ihr stehen zwei bullige Kerle mit drohender Miene und versperren den Weg.
„Ja, dich meinen wir“, zischen sie Paula an. „Her mit den Tüten. Das hier ist jetzt unsere Bezirk.“
Hä, was wollen die denn?, denkt Paula verwundert. Laut sagt sie: „In den Tüten sind nur Einkäufe. Suppenkraut, Möhren und so was. Nichts Wertvolles. Und Geld hab’ ich auch nur noch ein paar Cent. Ehrlich.“
„Klappe halten“, knurrt der Größere von den beiden. „Wir erledigen ab jetzt das mit den Einkäufen. Also gib die Tüten rüber und hau ab.“
„Ja, aber...“, stammelt Paula, doch der Große lässt sie nicht zu Wort kommen.
„Zisch ab, hab ich gesagt. Die Kohle, die ihr mit dem bisschen Arbeit verdient, können wir viel besser brauchen. Also troll dich endlich. Und sag deinen Freunden auch Bescheid, die sollen sich hier nicht mehr blicken lassen. Klaro?“
In der Zwischenzeit ist sein Kumpel auf Paula zugegangen und hat sich die Tüten gegriffen.
„Hey, lass los“, schimpft sie. „Du weißt doch gar nicht, wo der Einkauf hin soll.“
Doch schon hat der Junge ihr die Tüten aus den Händen gerissen und Paula landet, von dem heftigen Ruck ins Schlingern gebracht, unsanft auf ihrem Hinterteil. Mit Tränen in den Augen kann sie den beiden nur noch hinterherschauen, wie sie eilig um die nächste Ecke verschwinden.

Einige Zeit später sitzt sie schniefend im Clubhaus. Onur hat ihr fürsorglich eine Decke um die Schulter gelegt. Nun erzählt Paula zum dritten Mal mit vor Wut bebender Stimme von ihrem Erlebnis.
In der Zwischenzeit treffen immer mehr coop-Kids ein, und auch sie mussten die gleichen Erfahrungen machen: Die großen Jungs haben sie vertrieben.
Mutlosigkeit macht sich breit. Sollte das etwa das Ende der coop-Kids sein?
„Hey, kein Grund zum Trübsal blasen“, ertönt da die Stimme von Paulas Oma, die mit heißem Tee und Keksen zur Tür hereinkommt. „Opa und ich haben schon eine Idee, wie wir euch helfen können.“ Sie zwinkert den traurigen Kids verschwörerisch zu und verschwindet kichernd.

Tatsächlich: Nur ein paar Tage später ist von den großen Jungen keiner mehr zu sehen und die coop-Kids können ihren Einkaufsservice wieder übernehmen.
„Wie haben Sie das bloß hingekriegt?“, wird Paulas Oma von allen Seiten gefragt, als sie das nächste Mal ins Clubhaus kommt. Lachend berichtet die alte Dame, wie sie Freunden und Nachbarn von der gemeinen Tat erzählt hat. In den darauffolgenden Tagen kauften alle besonders schwere und große Dinge ein, damit die hinterhältigen Jungen viel schleppen mussten. Der Lohn fiel allerdings ziemlich niedrig aus.  
„Die wollen bestimmt nicht mehr mit den coop-Kids tauschen“, endet sie und klopft sich auf die Schenkel.

Cathrin Liebscher

Illustration: Karin Zander