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Mittwoch, 23. Mai 2012
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Artikel dieser Ausgabe aus Familie & Gesellschaft

Gut geklappert, Meister Adebar!

Tier und Mensch: Storch

Nicht nur auf Dächern und Schornsteinen ein gern gesehener Gast: der Storch.  Da brat mir doch einer einen Storch. Na, na, wer wird denn! Nicht umsonst steht diese Redewendung für einen Ausdruck des Erstaunens. Denn ehe man Meister Adebar, so der Fabelname des Storchs, in die Pfanne haut, muss schon etwas ganz Außergewöhnliches geschehen sein. Dass man ihn nicht auf der Speisekarte findet, rührt her von einer abergläubischen Verehrung und der biblischen Speisevorschrift.

Der Storch bekleidet viele Ämter. Er gilt als Glücksbringer und war in Thüringen Vertreter des Osterhasen. Die Elsässer haben ihn zum regionalen Symboltier ernannt, und nebenberuflich dient er als Maskottchen für die Kieler Kicker des KSV Holstein.

Elegant unterwegs und wenig wählerisch bei Tisch
Die Ciconiidae (lat.) gehören zur Familie der Schreitvögel und sind somit eher selten flott unterwegs. Sie zählen sechs Gattungen und neunzehn Arten. Charakteristische Merkmale bei allen sind das in Schwarz-Weiß gehaltene Gefieder, lange Hälse und Beine, langgestreckte Schnäbel (Hauptgattung) und kurze Schwänze.
Ihre Größe beziehungsweise Höhe reicht von 75 (Abdimstorch) bis 150 Zentimetern (Sattelstorch), ihr Gewicht variiert zwischen einem (Klaffschnabel) und neun Kilogramm (Marabu). Abgesehen von der Antarktis ist der Storch auf der ganzen Welt zu Hause. Den höchsten Bekanntheitsgrad hat in Europa der Weißstorch.
An die 320 Zentimeter Spannweite der Marabus reicht der Weißstorch mit seinen 200 Zentimetern zwar nicht heran, ein beachtliches Maß ist aber auch das. Die Flügel des Vogels eignen sich für den gemächlichen Segelflug. Störche „schweben“ mit langsamen Schlägen, mit lang gestrecktem Hals – außer dem Marabu – und niemals in Formation.

Sie sind Fleischfresser – auch wenn ihre Leibspeise je nach Art unterschiedlich ist – und Nahrungsopportunisten, das heißt, es wird gegessen, was auf den Tisch kommt.

Fische, Frösche und Nager werden bevorzugt und nach leisem Anschleichen mit einem Schnabelhaps erbeutet. Beim Marabu wächst der Schnabel zeitlebens (bis 35 Zentimeter) und hilft, die hungrige Konkurrenz vom Kadaver fernzuhalten. Der des Nimmersatts hat Sinneszellen an der Spitze, um Nahrung im trüben Wasser aufzuspüren, und der Klaffschnabel hat Lücken zwischen Ober- und Unterschnabel, mit denen er leicht Schneckengehäuse knackt.

Adebar, ick hör’ dir klappern …
Wer glaubt, der Storch sei stumm, irrt. Er kann, wenn er denn mag, krächzen, quieken, muhen (richtig gelesen: muhen!) und auch pfeifen. Bekannter ist das Schnabelklappern, vor allem bei Weißstörchen, auch „Klapperstörche“ genannt.

Die meisten Arten leben in den Tropen, nicht selten in Wassernähe. Im Gegensatz zu den meisten Artgenossen ist der Weißstorch ein Zugvogel, ein „Langstreckenzieher“, um genau zu sein. Einige Nordeuropäer legen pro Jahr bis zu 20 000 Kilometer zurück. Unser Weißstorch hat sein Winterquartier in Afrika. Und siehe da, auch hier gibt es „Ossis“ und „Wessis“! Wegen der Thermik müssen die Vögel einen Umweg machen, die Weststörche über Gibraltar, die Oststörche über den Bosporus.

Auch für den eigenen Nachwuchs wird gesorgt
Störche brüten oft in Kolonien, wobei die Damen und Herren Nachbarn bis auf zeitweilige Territoriumskämpfe weitgehend ignoriert werden. Sie nisten gern auf Bäumen. Horste der Weißstörche befinden sich meist auf Dächern und Strommasten. Während Einzelgänger lebenslange Treue schwören, bilden sich in den Kolonien alljährlich neue Paare.

Weißstörche pflegen das Modell der „Saisonehe“ – ein Modell, das die Landrätin Gabriele Pauli womöglich zu ihrer Idee inspirierte, jede Ehe nach sieben Jahren auslaufen zu lassen, sofern sie nicht einvernehmlich verlängert wird.
Störche legen drei bis fünf, selten auch bis zu sieben Eier, die etwa doppelt so groß sind wie unser Frühstücksei. Bebrütet wird von beiden Eltern circa 30 Tage, und nach 50 bis 100 Tagen werden die Jungen flügge. Dass der „Klapperstorch“ die Babys bringt, glaubt man in Frankreich nicht, dafür trifft man ihn dort zu selten. Stattdessen findet man die Kinder auf dem Feld in Kohlköpfen! Außer im Elsass, denn der Storch setzt die Kleinen nur ab, wo Elsässisch geredet wird, also da, wo man noch redet, „wie einem der Schnabel gewachsen ist“!

Der einst gefährdete Weißstorch hat seinen Tiefpunkt (in den 80er Jahren) glücklicherweise überwunden. Heute brüten wieder rund 4500 Paare in Deutschland. Als Land der Störche aber gilt Polen mit 52 000 Paaren, was ein Viertel des weltweiten Bestandes ausmacht. tide

Fotos: Shutterstock (4)