Artikel dieser Ausgabe aus Familie & Gesellschaft
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Grazile Flug-Virtuosen
Libellen sind wahre Flugkünstler und entgegen einer weit verbreiteten Meinung können sie weder uns noch unseren Haustieren gefährlich werden.
Vorsicht, nicht anfassen, die können dich piksen!« Warum viele Menschen fürchten, von diesem grazilen Geschöpf gestochen zu werden, ist schon merkwürdig. Auch die Sorge um die Katze, die versucht, Libellen aus der Luft zu fangen, ist relativ unbegründet.
Denn zum einen nutzen Libellen ihren Dorn am Hinterleib lieber zum Vergraben ihrer Eier als zum Stechen, und zum anderen sind sie im Flug viel zu schnell, als dass irgendetwas oder -jemand sie wirklich bremsen könnte. Möglicherweise ist es ihre englische Bezeichnung »dragonfly«, die ihr diesen »dramatischen« Ruf beschert …
Wahre Flugakrobaten
In der Zeit zwischen Juni und November kann man Libellen vor allem an den Ufern von Bächen, Tümpeln, Seen und sogar am heimischen Gartenteich sehen. Überall dort hat man vielleicht das Glück, sie eine Weile beim Hin- und Herfliegen beobachten und sich an ihren unglaublichen Flugmanövern erfreuen zu können. Jede der insgesamt 79 europäischen Arten beherrscht diese Kunst.
So geht es mal vorwärts, mal rückwärts durch die Lüfte, dann wird beinahe ohne Flügelschlag dahingesegelt oder wie ein Hubschrauber in der Luft gestanden. Je nach Anlass werden auch Loopings gedreht oder enge Kurven geschnitten. Immer geräuschlos, immer elegant. Und wenn es auf Beutefang geht, dann schießen Libellen förmlich durch die Gegend. Vor allem Großlibellen wie zum Beispiel die Große Königslibelle (Anax imperator) können mitunter Geschwindigkeiten bis zu 60 Kilometer je Stunde erreichen. Möglich werden diese Flugkünste durch die beiden voneinander unabhängigen, beweglichen Flügelpaare.
Da gibt es kein Vertun
Sollten Sie Libellen bei sich im Garten haben, dann ist das ein deutliches Kompliment an die Qualität Ihres Teiches. Denn nur dort, wo die Gewässer sauber sind, halten sich die wählerischen Fluginsekten auf. Dies gilt auch für natürliche Wasserquellen.
Wie Sie schon aus der Entfernung erkennen können, dass es sich um eine Libelle handelt? Sehr einfach: Denn Libellen sind wunderschöne, zarte und nur etwa drei bis zehn Zentimeter lange Insekten. Sie haben vier fast durchsichtige, schmale Flügel und einen dünnen, langen Hinterleib. Ihr Körper schillert oft in verschiedenen Farben, manchmal in Feuerrot, Orange, Gelb oder Braun.
Besonders schön ist auch die Große Königslibelle, die man leicht an ihrem blauen Hinterleib und der intensiv grünen Brust von den anderen Libellenarten unterscheiden kann. Die Große Königslibelle stammt aus der Familie der Edellibellen und gilt als eine der Schönsten ihrer Art in ganz Mitteleuropa.
Da guckst du
Auffallend sind auch die beiden im Vergleich zum Körper riesigen Facettenaugen an der Oberseite des Kopfes, mit denen Libellen sowohl am Tag als auch in der Nacht gut sehen können. Diese Facettenaugen sind aus bis zu 30 000 Einzelaugen zusammengesetzt, wobei jedes davon einen Punkt des gesamten Bildes sieht. Mithilfe dieser großen Komplexaugen sind Libellen nicht nur in der Lage, ausgezeichnet sehen zu können, sondern sie verfügen auch über einen sehr großen Blickwinkel.
In Kombination mit dem unvergleichlichen Flugvermögen und ihrer Geschwindigkeit ist es für die Beute also quasi unmöglich zu entkommen. Welche Mücke oder Fliege, welcher Schmetterling, welche Kaulquappe oder Molchlarve hat da noch eine reelle Chance zu entwischen?
Da staunt man nicht schlecht
Dass Libellen aber nicht von Beginn ihres Lebens an durch die Lüfte segeln, ist vielen Menschen gar nicht bewusst. In der Tat führen Libellen ein deutlich zweigeteiltes Leben, einmal nämlich als Larve unter Wasser und erst später als Fluginsekt.
Und während der erste Lebensabschnitt – je nach Art – bis zu einigen Jahren (!) dauern kann, währt der zweite nur wenige Wochen oder Monate. Die einzige Ausnahme bildet die Winterlibelle, bei der sich diese Lebensphasen umgekehrt gestalten.
Nach dem Paarungsakt legen die Libellen-Weibchen ihre Eier mithilfe des eingangs schon erwähnten, gekrümmten Dornes am Hinterleib in den sicheren Tiefen eines Gewässers ab. Die Eier werden regelrecht vergraben. In dem darauf folgenden etwa ein- bis vierjährigen Larvenstadium häuten sich diese längst gefräßig gewordenen Wasserbewohner bis zu 15 Mal.
Ist das Larvenstadium abgeschlossen, folgt der Prozess des Schlüpfens. Hierfür klettern die Larven häufig an den Stängeln einer Wasserpflanze bis an die Wasseroberfläche empor. Einige Minuten, nachdem sich die Larve an einer geeigneten Stelle mit den Fußkrallen fest verankert hat, befreit sie sich langsam aus der Schlupfhaut. Erst aber, wenn die Libelle diese Haut nach Stunden komplett verlassen hat, wird Hämolymphe, eine Blut- und Gewebeflüssigkeit, in die Flügel gepresst, die sich dadurch auffalten.
Jetzt kann das Leben über Tage endlich beginnen. Schade nur, dass die Lebenszeit wie im Fluge vergeht …chris




