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Mittwoch, 23. Mai 2012
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Artikel dieser Ausgabe aus Familie & Gesellschaft

Glücklich gegessen!

Das sogenannte »Mood Food« - was in etwa »Stimmungsnahrung« oder »Lebensmittel für die Laune« bedeutet - macht zunehmend von sich reden.

Hält Essen tatsächlich Leib und Seele zusammen? Auch wenn sich in unserer Nahrung keine versteckten Glücklichmacher nachweisen lassen, so haben bestimmte Inhaltsstoffe doch eine aufhellende Wirkung auf unser Gemüt. Wie funktioniert das?

Dafür, wie wohl wir uns gerade fühlen, sind bestimmte Hormone und andere Stoffe verantwortlich, die unser Gehirn selbst produziert – vor allem Endorphine, Serotonin und Dopamin. Je mehr davon in unserem Kopf ausgeschüttet werden, desto vergnügter sind wir; ein Mangel dagegen geht oft mit Depressionen einher.

Die Wohlfühl-Chemie
Den Botenstoff Serotonin kann unser Nervensystem nur herstellen, wenn der Körper ausreichend mit der Aminosäure Tryptophan versorgt ist. Und diesen Eiweißbaustein nehmen wir mit der Nahrung auf. In Fisch und Schalentieren, Fleisch, Geflügel, Eiern, Milch- und Sojaprodukten, Nüssen, Cashewkernen oder Getreide zum Beispiel ist er reichlich vorhanden. Je mehr Tryptophan ins Gehirn gelangt, desto mehr körpereigenes Serotonin muntert uns auf. Also ist eine rigorose Eiweiß-Diät der einzig wahre Weg zum Glück?

Nein, ganz im Gegenteil. Damit das Gehirn möglichst viel Tryptophan aufnehmen kann, müssen wir gleichzeitig auch ausreichend Kohlenhydrate (also Brot, Kartoffeln, Nudeln oder Reis) zu uns nehmen; und zusätzlich braucht unser Stoffwechsel Mineralstoffe, vor allem Magnesium, Spurenelemente wie Mangan und Vitamine, insbesondere Vitamin C, die diese Gute-Laune-Chemie ankurbeln. Frisches Obst und Gemüse also.
So gesehen ist es schlicht eine gesunde, ausgewogene Ernährung, die uns ein solides und dauerhaftes Wohlgefühl verschaffen kann.

Der Vorsprung der süßen Seelentröster

Wenn aber ein so einfaches Gericht wie ein Vollkornbrot mit Käse und Tomate bereits alles liefert, was wir für unsere gute Laune brauchen – warum gelten dann Schokolade, Eis oder Sahnetorte als Glücklichmacher der besonderen Art? Mit ihrer Hilfe finden wir sozusagen eine Abkürzung auf dem Weg zum Stimmungsaufhellerhormon: Wenn wir neben Eiweiß und Kohlenhydraten gleichzeitig auch reichlich Zucker und Fett aufnehmen, dann schnellt die Tryptophan-Konzentration im Blut schlagartig in die Höhe – und die Serotonin-Produktion läuft entsprechend auf Hochtouren.

Allerdings ist das Schoko-Torten-Glück nur von kurzer Dauer. Genau wie der Blutzucker sinkt auch der Serotonin-Spiegel schon bald nach dem süßen Genuss wieder ab. Nachschub also? Wer es damit hemmungslos übertreibt, sieht schon bald die Pölsterchen an der Hüfte wachsen. Er ärgert sich über sich selbst und fühlt sich rundherum unglücklich.

Figurbewusste Fröhlichkeit

Als schlankere Alternative bietet sich ein Griff in die Obstschale an: Kiwis, Beeren und vor allem Bananen etwa enthalten von Natur aus den Glücklichmacher Serotonin. Auch Ananas, Papaya, Avocados, frische oder getrocknete Feigen, Rosinen, Datteln oder Tomaten gehören zum kalorienreduzierten Mood-Food-Angebot der Mutter Natur.

Scharf macht auch lustig
Auf eine etwas andere Art und Weise beglücken uns Chili, Pfeffer, Peperoni, Tabasco, Paprika, Curry oder Ingwer: Das Brennen, das scharfe Gewürze auf der Zunge verursachen, wird vom Gehirn als Schmerz gedeutet – und um den zu mildern, schüttet es (ähnlich wie bei tatsächlichen Verletzungen) das körpereigene Morphium, die Endorphine, aus. Diese lösen dann einen kleinen Anflug von Euphorie aus.Wer gern Chili-Schokolade genießt, folgt so gesehen dem Motto »Doppelt hält besser!«.

Appetit auf gute Laune

Der dritte hormonelle Glücklichmacher, das Dopamin, wird ausgeschüttet, wenn im Gehirn das so genannte »Belohnungssystem« aktiv wird. Das geschieht normalerweise immer dann, wenn wir bei dem, was wir tun, Erfolg haben.

Dieselben Hirnareale werden jedoch oft auch bei Menschen aktiv, die sich eine Nascherei genehmigen. Warum? In der Kindheit haben wir gelernt, Süßigkeiten mit »verwöhnt werden«, »Trost« oder »Belohnung« gleichzusetzen.

 Und daran halten sich unsere Hirnzellen auch dann noch, wenn wir längst erwachsen sind. Allerdings klappt dieser Trick nur dann, wenn wir Süßes auch wirklich gern mögen. Wer statt der Pralinen ein Steak bevorzugt oder leidenschaftlich gern an Selleriestangen knabbert, der regt sein körpereigenes Belohnungssystem genau damit an – und bleibt schlank.

Die für uns persönlich besten Mood-Food-Tipps kommen also von uns selbst. Essen Sie einfach das, worauf Sie gerade Appetit haben! So erfüllen Sie sich einen kleinen Herzenswunsch – und machen Ihre Hormone glücklich.mimu

Die in vielen Lebensmitteln enthaltene Aminosäure »Tryptophan« regt die Produktion von Serotonin an.
Eine leckere Mahlzeit steigert grundsätzlich die Laune.
Manchmal muss er einfach sein: der Schoko-Kick.