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Mittwoch, 23. Mai 2012
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Artikel dieser Ausgabe aus Familie & Gesellschaft

Es weihnachtet bei den coop-Kids

Vorlesegeschichte

Wie an jedem Montagmorgen schlurfen die meisten Schüler mit müden Gesichtern über den Schulhof. Aber dass nicht einmal Onur einen coolen Spruch zur Begrüßung loslässt, macht seine Freunde Olli, Carlotta und Paula ziemlich stutzig.
„Sag mal, welche Laus ist dir denn über die Leber gelaufen?“, fragt Olli.
Onur brummt nur schlechtgelaunt, doch einen Augenblick später platzt es aus ihm heraus: „Ich brauch hundert Euro für neue Turnschuhe, aber meine Mutter gibt mir das Geld nicht, weil meine Schuhe erst ein halbes Jahr alt sind. Dabei sind die heute doch schon megaout!“
Paula sieht den Freund kopfschüttelnd an. „Das ist jetzt nicht dein Ernst, oder?“, fragt sie fassungslos. „Du bist echt ein Blödmann. Hier, ich zeig dir mal, was richtige Probleme sind.“
Sie kramt in ihrer Schultasche und zieht einige Blätter hervor, die aus einer Zeitschrift herausgerissen sind.
„Hab ich eigentlich für den Reli-Unterricht mitgebracht“, erklärt sie und drückt die Seiten dem verdutzten Onur in die Hand.
„Kinderarmut in Deutschland“ lautet die Überschrift. In dem Artikel geht es um Kinder, die ein warmes Mittag­essen in der Küche einer Hilfsorganisation bekommen, Kleider aus der Kleiderkammer tragen und von schönen, neuen Dingen nur träumen können.
„Naja … trotzdem“, murmelt Onur und sieht etwas betreten aus.
Paula nimmt ihm die Zettel wieder ab: „Hier in dem kleinen Kästchen steht noch was von einer Weihnachtsaktion. Man kann Päckchen abgeben mit Spielzeug, Malsachen, Naschzeug und so. Da dachte ich …“
„Die coop-Kids!“, rufen Olli und Carlotta wie aus einem Mund.
Paula nickt.
Schon am Nachmittag treffen sich alle coop-Kids und besprechen den Plan. Viele Ideen werden gesammelt und am Ende treffen sie einen gemeinsamen Entschluss. Sofort machen sie sich an die Arbeit.
Paula und Onur haben die Aufgabe, eine Liste mit all den Dingen zusammenzustellen, die sie verkaufen wollen, um auf diese Weise Geld für die Kinderpräsente zu bekommen. Während sie überlegen, fängt Onur plötzlich an herumzustottern.
„Du, Paula“, beginnt er, „ich … äh … also, was ich sagen wollte ...“
„Ja?“, Paula sieht ihn mit klopfendem Herzen an, aber Onur winkt rasch ab.
„Ach nichts, war nicht so wichtig“, brummelt er und redet weiter, als sei nichts geschehen.
Paula ist enttäuscht. Was hatte Onur ihr nur sagen wollen?
In den nächsten Tagen haben die coop-Kids alle Hände voll zu tun. Gemeinsam mit ihren Eltern backen sie Berge von Keksen und Muffins. Die sollen am Samstag mit heißem Kakao und Punsch vor der Schule verkauft werden.
Aufgeregt stehen Carlotta, Olli, Onur und Paula am Samstagmorgen hinter ihrem Verkaufsstand. Ob die Aktion wohl erfolgreich sein wird?
Sie hätten sich keine Gedanken zu machen brauchen – bereits mittags sind die Kakao- und Punschtöpfe leer und das Gebäck ist bis auf den letzten Krümel verkauft. Den anderen coop-Kids ist es vor ihren Märkten genauso ergangen, und die Freunde haben viel Geld eingenommen. Nun freuen sie sich darauf, die Weihnachtspäckchen für ärmere Kinder zu packen.
Auf dem Weg zum Einkaufen flüstert Onur Paula zu: „Neue Turnschuhe finde ich zwar immer noch gut, aber dich und deine Ideen finde ich noch besser.“
Paulas Herz macht vor Freude einen Riesensatz.

Catrin Liebscher

Illustrationen: Karin Zander