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Mittwoch, 23. Mai 2012
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Artikel dieser Ausgabe aus Familie & Gesellschaft

Er ist wieder im Aufwind!

Der Seeadler ist Europas größter Greifvogel. Lange Zeit galt er schon als fast vollständig ausgerottet - aber seit ein paar Jahrzehnten ist der »König der Lüfte« wieder da!

Adler gehören nicht nur zu den größten Raubvögeln der Welt, sondern wohl auch zu den Tieren, die von den meisten Menschen bewundert und verehrt werden – da macht der Seeadler (Haliaeetus albicilla) keine Ausnahme. Vielen Kulturen, unter anderem den Indianern, dient der Adler seit jeher als Quelle der Inspiration. Mythologische und mystische Traditionen entwickelten sich, und in ihrem Mittelpunkt stand immer wieder der Adler, egal, ob in persona oder als grafische Darstellung.

Schon seit der Antike gilt der Adler als Bote der Götter. Der Greifvogel war auch dem Zeus heilig, zumal er oftmals in Gestalt dieses Vogels Donner und Blitz zu lenken verstand. Die Indianer wiederum schreiben den Adlern mystische Kräfte zu. Sie sagen, dass jeder an diesen Kräften teilhaben könne, sofern er einen Teil dieses Vogels besäße, und sei es auch nur eine Feder. Kein Wunder also, dass der Adler als so genanntes »Krafttier« demnach auch für geistige Erleuchtung, Heilung und Schöpfung steht.

Das Gewässer ist sein Reich
Weiterhin macht der Adler auch als eines der ältesten Staatsymbole der Welt auf sich aufmerksam. Blicken wir doch einfach in den Berliner Plenarsaal oder auf die Rückseite unserer 1-Euro-Münze: Da prangt er, der deutsche Bundesadler. Und tatsächlich ist der Adler nach dem Löwen das am zweithäufigsten verwendete Wappentier. Doch nicht nur im Deutschland unserer Tage, sondern in allen Ländern und zu allen Zeiten symbolisierte der Adler die Idee der staatlichen Ordnung. Gute Gründe, sich diesen sagenumwobenen Vogel einmal aus der Nähe anzusehen:

Es gibt insgesamt fast 50 verschiedene Arten von Adlern, die in vier Hauptkategorien eingeteilt werden: in Schlangenadler, Waldadler (Harpyenadler), die gestiefelten Adler sowie Fisch- und Seeadler, wobei letztere definitiv zu den größten Greifvögeln im mitteleuropäischen Raum gehören. Die Verbreitung des Seeadlers erstreckt sich in einem breiten Streifen von Europa bis Asien, von Island bis zur russischen Halbinsel Kamtschatka und Japan. Sogar Grönland ist von Seeadlern besiedelt.

In europäischen Gefilden halten sich Seeadler von der Nordspitze Norwegens bis zum nördlichen Griechenland auf, wobei sie sich stets in Gewässernähe befinden, also an Felsküsten, in Meeresbuchten sowie an großen, nährstoff-, fisch- und vogelreichen Binnenseen der Waldgebiete. Sind diese Gewässer aufgrund von Vereisung jedoch unzugänglich, stellen sich die Seeadler auf eine Jagd auf dem Land ein. Was das Binnenland Mitteleuropas anbelangt, so gelten Seeadler vor allem als Bewohner der »Wald-Seen-Landschaften«. In Deutschland sind die höchsten Siedlungsdichten im Bereich der Müritz in Mecklenburg-Vorpommern sowie in der Oberlausitz in Sachsen zu finden.

Der pure Ausdruck von Kraft
Ein fliegender Seeadler ist eine Augenweide, eine gelungene Mischung aus Kraft, Macht und Eleganz zugleich: Der kräftige, fast bullige, gut ein Meter lange und braun gefiederte Körper, der ebenso kräftige und lange, nach vorn gestreckte Hals, der hellgelbe Schnabel, der weiße Schwanz und natürlich die unverkennbaren breiten Flügel, die eine Spannweite von bis zu zweieinhalb Metern erreichen können, setzen sich deutlich vom Himmelsblau ab. Weit werden die mächtigen Flügel nach unten und nach oben durchgeschlagen, denn nur so lassen sich Fluggeschwindigkeiten von bis zu 60 Kilometer je Stunde erreichen.

Das schmeckt!
Ist ein Seeadler auf Nahrungssuche, so lautet sein oberstes Motto: möglichst wenig Aufwand für möglichst viel Nahrung. Dazu muss gesagt werden, dass seine Nahrung vorwiegend aus Fischen (zu gern Karpfen), Wasservögeln (überwiegend Graugänse, Blesshühner und Stockenten) und zur Not auch Aas besteht. Um an die Nahrung zu gelangen, führt ein Seeadler sein ganzes Repertoire an Jagdmethoden vor: Da gibt es beispielsweise die geduldige Ansitzjagd von einer übersichtlichen Sitzwarte aus, den hungergeplagten Suchflug, die steilen Stoßflüge aus sehr großer Höhe und die wiederholten, den Feind ermüdenden Angriffe auf die Wasservögel. Und zur Not werden zur Brutzeit eben auch Jungvögel aus den Nestern erbeutet – der Zweck heiligt die Mittel.

Bedroht – und doch wieder da
Trotz des gewissen Maßes an »Heiligsprechung« seitens einiger Bevölkerungsgruppen wurde der Seeadler in Mittel- und Westeuropa durch menschliche Verfolgung und die Vergiftung durch das Insektizid DDT (das Pflanzenschutzmittel Dichlordiphenyltrichlorethan) in den 1950er- und 60er-Jahren fast ausgerottet. Seit Mitte der 1980er-Jahre nimmt der Bestand in weiten Teilen Europas jedoch wieder stark zu, sodass heute von Seiten des WWF und anderer Tier- und Naturschutzorganisationen mit Stolz berichtet werden kann, dass sich auf Grund diverser Schutzmaßnahmen in vielen Ländern die Seeadlerbestände regional wieder erholen konnten. Wurde der Seeadler 1993 noch als »gefährdet« eingestuft, so konnte er schon 2005 auf »nicht gefährdet« heruntergestuft werden. Schön, dass der »König der Lüfte« dank seiner Förderer wieder an Aufwind gewonnen hat …chris

Mit scharfem Blick hat der Seeadler seine Umgebung fest im Visier. Ihm entgeht nichts.
Im Wasser findet der geübte Jäger einen Großteil seiner Nahrung.
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